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Dynamos Standard-Stärke, die noch keine ist

Freistöße, Eckbälle, sogar Einwürfe – die sogenannten ruhenden Bälle bringen derzeit Sieg um Sieg. Doch es muss noch besser klappen, fordert Marco Hartmann.

Eckball Patrick Weihrauch, Tor Dynamo Dresden. Das ist Standard in den vergangenen Wochen und ein Grund für die Siegesserie.
Eckball Patrick Weihrauch, Tor Dynamo Dresden. Das ist Standard in den vergangenen Wochen und ein Grund für die Siegesserie. © dpa/Robert Michael

Dresden. Wie sich die Themen doch gleichen. Vom Dynamo-Herbst 2015 ist in diesen Tagen öfters die Rede. Damals war’s, als die Dresdner die 3. Liga aufmischten und eine Siegesserie starteten, als Marco Hartmann beim 3:1-Erfolg in Rostock nach einem Freistoß die Führung erzielte, als solche Standardsituationen generell Dynamo stark gemacht haben. Gemeint sind Eckbälle und Freistöße – alles so wie heute.

„Wir haben diesmal zwei Standardsituationen benötigt, um das Spiel zu gewinnen. Dafür muss man sich nicht schämen oder entschuldigen. Die gehören auch dazu. Und das ist sicherlich eine Stärke von uns seit einigen Wochen“, erklärt der Trainer daraufhin – also Uwe Neuhaus nach einem 2:0 der Dresdner bei den Stuttgarter Kickers im September 2015, übrigens nach zwei Vorlagen von Marvin Stefaniak.

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Dass dieses Zitat nicht aktuell von diesem Wochenende stammen kann, erkennen eingefleischte Fans schon daran, dass nicht nur zwei, sondern alle drei Dynamo-Tore beim 3:0 in Duisburg auf Standards zurückzuführen sind. Die ersten beiden fallen nach Einwürfen, dem dritten Treffer geht ein Eckball voraus. Das Prinzip scheint tatsächlich identisch zu sein.

2015 waren es elf Standard-Tore nach zehn Spielen

Ob die Standards wirklich wieder eine Dynamo-Stärke sind, könne man laut Hartmann, der neben Torwart Patrick Wiegers und Rückkehrer Stefaniak als Einziger im Kader damals dabei gewesen ist, jetzt noch nicht beurteilen. „Wenn wir die Bälle gut ins Zentrum bringen, haben wir schon eine Qualität. Aber die musst du zeigen, nicht nur darüber reden“, betont Hartmann und macht das an Zahlen fest. Acht, neun Standard-Tore sollten es demnach bis zu Weihnachten mindestens sein. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es nach sogenannten ruhenden Bällen elf Treffer (von insgesamt 24) in den ersten zehn Spielen.

Mit dem Sieg in Duisburg hat sich die aktuelle Quote weiter verbessert, Dynamo steht nach dem 13. Spieltag bei insgesamt 19 Toren, von denen sechs nach Standards fielen – wobei man bei großzügiger Auslegung sogar auf zehn kommen könnte.

Genau genommen, darauf macht auch Markus Kauczinski aufmerksam, haben die ersten beiden Treffer in Duisburg schließlich nur ihren Ausgangspunkt beim Einwurf. Entscheidend sind die jeweils folgenden Spielzüge. „Wie wir es danach ausgespielt haben, war richtig gut“, lobt der Trainer. Beim 1:0 legt Christoph Daferner an der Mittellinie auf Yannick Stark ab, der zu Jonathan Meier passt, dessen Zuspiel wiederum Philipp Hosiner erreicht, der vollendet. Beim 2:0 ist es Daferner, der in den Strafraum zieht und auf den Torschützen Patrick Weihrauch passt. Der Klassiker unter den Standards ist lediglich Tor Nummer drei: Eckball Weihrauch, Schuss Daferner.

Dynamos Top-Talent darf nach zwei Fehlversuchen in Rostock derzeit offenbar keine Einwürfe mehr machen.
Dynamos Top-Talent darf nach zwei Fehlversuchen in Rostock derzeit offenbar keine Einwürfe mehr machen. © PICTURE POINT/Sven Sonntag

Doch die Tendenz ist auffällig, und sie trägt den Namen Weihrauch. Viermal hintereinander hat Dynamo jetzt gewonnen, jedes Mal mit einer Vorlage vom Mann mit der Trikotnummer zehn. Je zwei Eckbälle und Freistöße des Neuzugangs führten zu Toren. Als Assistmonster hat ihn Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann bezeichnet, früher hätte man vermutlich „genialer Torvorbereiter“ gesagt.

„Es gehören immer noch andere dazu, die das Ding dann reinmachen. Das Lob geht also an die gesamte Mannschaft. Sonst könnte ich gar nicht so viele Assists geben“, sagt Weihrauch und wehrt das Kompliment mit zurückhaltender, gar nicht monsterhafter Stimme ab.

Über den Torvorbereiter Stefaniak redet keiner mehr

Zumal er um die Flüchtigkeit des Moments weiß: Vor gut anderthalb Wochen, als Hartmann das Standard-Tore-Weihnachts-Ziel nannte, redeten alle über Stefaniaks Top-Qualität als Freistoß- und Eckballschütze. Dessen sicher geglaubten Stammplatz hat bis auf Weiteres nun erst mal Weihrauch übernommen, und er stellt fest: „Die Automatismen greifen so langsam, das merkt man auch bei den Standards.“

Dabei könnte es sogar noch besser sein. Das gilt selbst für die Einwürfe, wie diese Standard-Anekdote zeigt: Nach gleich zwei falschen Einwürfen von Ransford-Yeboah Königsdörffer in Rostock, die der Schiedsrichter zurückpfiff, hat der Trainer scherzhaft Extra-Einheiten angekündigt. Fakt ist: Seit jenem Spiel darf das Top-Talent nicht mehr ran. Kapitän Mai übernimmt die Einwürfe auf der rechten Seite, leitete damit in Duisburg nun das 1:0 ein – leistete sich aber auch einen falschen.

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Und von den zehn Eckbällen war nur der bei Daferners Tor richtig gefährlich, die anderen klärten die keineswegs für ihre starke Abwehr bekannten Duisburger relativ problemlos. Auf die Größe allein mit den drei über 1,90 Meter großen Verteidigern Sebastian Mai, Tim Knipping und ihm, sagt Hartmann, dürfe man sich also nicht verlassen. Aber auch hier zeichnen sich Parallelen ab. 2015 traf hin und wieder auch Justin Eilers nach Standards, diesmal heißt der Torjäger Philipp Hosiner.

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