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Der Ex-Stürmer rechnet mit den Dynamo-Fans ab

Peniel Mlapa war nur ein Jahr in Dresden, aber das hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. In einem Interview erzählt der Togoer, was für ihn schwer zu ertragen war.

Peniel Mlapa spielte in der Saison 2017/18 bei Dynamo - nun blickt er kritisch auf seine Zeit in Dresden zurück.
Peniel Mlapa spielte in der Saison 2017/18 bei Dynamo - nun blickt er kritisch auf seine Zeit in Dresden zurück. © Robert Michael

Dresden. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Peniel Mlapa kritisch über seine Zeit bei Dynamo in Dresden äußert. In der Saison 2017/18 spielte der Stürmer für die Schwarz-Gelben, erzielte bei seinen 21 Einsätzen in der zweiten Liga vier Tore, zwei davon per Elfmeter. Wirklich angekommen ist er aber nie, wurde nach einem Jahr an den niederländischen Erstligisten VVV Venlo verliehen, später verkauft. Mittlerweile spielt der 29-Jährige, der einst als Top-Talent galt und mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, bei Ittihad Kalba in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In einem Interview mit der Sport-Bild hat er nun über seine Karriere gesprochen und gesagt: "Es gibt nur einen Wechsel, den ich bitter bereue. Der zu Dynamo." Im Verein und drumherum hätten alle in ihm den neuen Wunderstürmer gesehen - ein Eindruck, der durchaus zutrifft. Mlapa war ein sogenannter Last-Minute-Transfer, erst am letzten Tag der Wechselfrist, dem 31. August 2017, wurde der Neuzugang verkündet. Der Nationalspieler von Togo kam vom Liga-Konkurrenten VfL Bochum und erhielt einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2020.

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Hohe Erwartungen, viele Vorschusslorbeeren

Tatsächlich galt er als der neue Hoffnungsträger. Die Erwartungen waren umso größer, weil Mlapa als Ersatz für Stefan Kutschke geholt worden war, der in der Vorsaison 16 Tore erzielt hatte und anschließend mit einigem Wirbel nach Ingolstadt gewechselt war. Zudem erhielt der Neuzugang jede Menge Vorschusslorbeeren, immerhin hatte er für Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga gespielt, insgesamt 79-mal, dazu 109 Spiele in der zweiten Liga absolviert. Allerdings war er in Bochum zuvor nur Reservist und deshalb überhaupt für Dynamo zu haben - für eine Ablöse von geschätzt knapp einer halben Million Euro.

Peniel Mlapa ist eigentlich eine Frohnatur, aber bei Dynamo verging dem Stürmer aus Togo allzu schnell das Lachen.
Peniel Mlapa ist eigentlich eine Frohnatur, aber bei Dynamo verging dem Stürmer aus Togo allzu schnell das Lachen. © Robert Michael

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass Mlapa alles andere als der Wunschkandidat war, sondern sich die Dresdner zuvor einige Absagen eingehandelt hatten. "Wir haben lange nach einem passenden Stürmer gesucht, der Erfahrung mitbringt, Torgefahr entwickeln kann und als Typ in unser Spielsystem passt", erklärte der damalige Sportgeschäftsführer Ralf Minge zur Verpflichtung. "Peniel bringt eine hervorragende Athletik und Schnelligkeit mit. Er wird unser Angriffsspiel mit seinem wuchtigen Offensivdrang als Mittelstürmer bereichern."

Das schien zunächst zu passen. "Zu Beginn lief es gut", erinnert sich Mlapa jetzt, aber: "Nach einem verlorenen Spiel wurde ich auf die Bank gesetzt und die Fans haben angefangen, verbal auf mich zu schießen, mich richtig runterzumachen." Tatsächlich nahm Trainer Uwe Neuhaus den Stürmer nach einer 0:3-Niederlage bei Holstein Kiel aus der Startelf, saß er danach dreimal ohne Einsatz auf der Bank. Trotzdem bekam er wieder seine Chance, die er jedoch nicht überzeugend nutzen konnte.

Die Anfeindungen seien dann soweit gegangen, "dass ich auch in der Stadt die Abneigung einiger Anhänger zu spüren bekam". Es seien "fiese und dumme Kommentare von Leuten (gekommen), wenn ich ein Restaurant betrat", erzählt Mlapa. "Im Stadion dürfen die Fans natürlich auch ihrem Frust freien Lauf lassen, wenn es nicht unter die Gürtellinie geht. Aber für mich ist es nicht zu ertragen, wenn ich als Mensch beleidigt werde."

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten seien die Fans sehr emotional. "Wenn du gut spielst, bist du der allergrößte Fußballer überhaupt. Aber wenn du als Stürmer mal zwei Spiele hintereinander nicht triffst, sollst du den Verein am besten gleich verlassen, weil du den Ruf des Klubs beschädigst", sagt Mlapa über seine jetzige Station. "Das ist schon extrem. Hier hast du keine Zeit zur Eingewöhnung. Für mich war der Wechsel 2019 zu Ittihad aber vom ersten Moment an ein absoluter Glücksfall."

Kapitän bei seiner neuen Mannschaft

Im ersten Jahr hat Mlapa elf Tore geschossen, in dieser Saison steht er nach neun Spielen bereits bei vier Treffern. Es läuft also für ihn, er ist sogar Kapitän seines Teams. "Das macht mich total stolz. Ich genieße es, Verantwortung zu übernehmen und möchte meinen Kollegen mit meiner Erfahrung helfen. Ich identifiziere mich sehr mit den Klub. Deshalb lerne ich auch fleißig arabisch."

Florian Ballas (l.) scheint Peniel Mlapa nach der 1:2-Niederlage in Nürnberg im Oktober 2017 zu erklären, woran es gelegen hat. Mlapa hatte einen Elfmeter verwandelt und für das zwischenzeitliche 1:1 gesorgt.
Florian Ballas (l.) scheint Peniel Mlapa nach der 1:2-Niederlage in Nürnberg im Oktober 2017 zu erklären, woran es gelegen hat. Mlapa hatte einen Elfmeter verwandelt und für das zwischenzeitliche 1:1 gesorgt. © Robert Michael

Der krasseste Unterschied zu Europa sei, "dass das Leben hier erst gegen 17 Uhr beginnt". Wegen der Hitze von durchschnittlich mehr als 40 Grad schlafen die Menschen tagsüber viel. "Um 2 Uhr nachts sind die Straßen voller Menschen und auch Kinder spielen noch draußen. Das ist schon gewöhnungsbedürftig. Training ist wegen der klimatischen Bedingungen erst ab 17 Uhr möglich, sagt Mlapa und berichtet von einer einschneidenden Erfahrung: "Nur einmal vor dem Abflug ins Trainingslager haben wir vormittags trainiert. Als ich auf den Platz kam, dachte ich: Ich sterbe. Es war so heiß, dass meine Füße brannten wie Feuer. Das war ganz schlimm."

Als den wichtigsten Trainer seiner Karriere bezeichnet er Ralf Rangnick, der ihn 2010 von 1860 München zur 1899 Hoffenheim geholt hat. "Nach dem ersten Training sagte Rangnick: ,Wenn du wüsstest, welches Potenzial in dir steckt, würdest du durch die Decke gehen.`" Das hat dann jedoch auch bei seinen nächsten Stationen in Gladbach, Nürnberg und Bochum nicht so richtig geklappt. "In Deutschland steckte ich in der Schublade: gescheitertes Top-Talent. Da kam ich nicht mehr heraus", meint der Togoer. Zudem warfen ihn Verletzungen zurück. "Es war einfach der Wurm drin, ich habe es zu selten geschafft, meine Top-Leistung abzurufen. Dazu kam der belastende Druck nach dem Motto: Der trifft das Tor doch eh nicht…".

Dieser Druck war sicher mit entscheidend dafür, dass Mlapa in Dresden seine schwierigste Zeit hatte, wie er sagt. "Wir haben uns sportlich von ihm mehr erhofft, das muss man so sagen", räumte Minge bereits nach einem halben Jahr ein, er mahnte damals aber auch eine höhere Sensibilität von den Fans an. "Wir dürfen ihn nicht zum Sündenbock stempeln." Er verhalte sich korrekt und sei ein fester Bestandteil der Mannschaft. Diese Unterstützung bestätigt Mlapa auch in dem Interview mit der Sport-Bild: "Die Klub-Verantwortlichen haben mir zwar immer wieder Mut zugesprochen, aber dies half mir leider als Privatperson nicht."

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