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Immer besonders: Dynamos Elb-Clasico mit dem Erzfeind

Dresden gegen Magdeburg - das ist für viele Fans mehr als nur Fußball. Diesmal treffen sich beide Traditionsvereine mit ganz eigenen Ansprüchen in Liga drei wieder.

Verbunden in herzlicher Abneigung: Die Rivalität zwischen Dynamo und Magdeburg lebt vor allem unter den Fans.
Verbunden in herzlicher Abneigung: Die Rivalität zwischen Dynamo und Magdeburg lebt vor allem unter den Fans. © Robert Michael

Dresden/Magdeburg. Schon der Eigenname zeigt die Besonderheit: "Elb-Clasico". Dass es sich dabei um das Duell zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg handelt - gehört zum fußballerischen Allgemeinwissen. Dass die als Hochsicherheitsspiel eingestuft wird, ist mittlerweile die Regel. Und auch wenn die Gästefans aus Sachsen-Anhalt an diesem Samstag, Anstoß 14 Uhr, keinen Zugang ins Rudolf-Harbig-Stadion haben, Brisanz ist mehr als genug in diesem Traditionsduell. 

Mit nur einem Punkt aus drei Drittliga-Partien ist der 1. FC Magdeburg, einziger DDR-Europapokalsieger (1974), deutlich angezählt. Doch auch in Dresden ist die Euphorie durch die Siege im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV sowie beim Liga-Auftakt in Kaiserslautern erst mal dahin. Dynamo darf sich nach der 0:3-Schlappe beim Titelverteidiger FC Bayern II selbst keinen weiteren Ausrutscher leisten, wenn man beim Vorhaben Wiederaufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga nicht gleich unter Druck geraten will.

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Dresden am 31. Oktober 2015: Mit einer riesigen Blockfahne, 350 Meter lang und 35 Meter hoch, sorgen Dynamos Ultras für Schlagzeilen. "Die Legende aus Elbflorenz - der Verein mit den besten Fans" steht darauf geschrieben.
Dresden am 31. Oktober 2015: Mit einer riesigen Blockfahne, 350 Meter lang und 35 Meter hoch, sorgen Dynamos Ultras für Schlagzeilen. "Die Legende aus Elbflorenz - der Verein mit den besten Fans" steht darauf geschrieben. © Robert Michael

Die letzten drei Duelle gingen alle unentschieden aus. Der bislang letzte Dynamo-Erfolg (3:2) gelang am 31. Oktober 2015 in Liga drei - verbunden mit Schlagzeilen, die den Dresdner Fans weltweite Beachtung bescherten. Kurz vor dem Anpfiff zogen die Ultras eine der größten Blockfahne der Welt, 350 Meter lang und 35 Meter hoch, im Stadion auf. "Die Legende aus Elbflorenz - der Verein mit den besten Fans" stand darauf.

Unvergessen auch die Szene im April 2016: Nach dem 2:2-Ausgleich durch Justin Eilers, der am Ende den Aufstieg in Liga zwei bedeutete, hatten Dynamo-Anhänger Leuchtraketen in den benachbarten Magdeburger Block geschossen. Als daraufhin die provozierten FCM-Fans eine Absperrung durchbrachen und Polizei aufmarschierte, musste Referee Manuel Gräfe die Partie unterbrechen. Dresdens damaliger Sportchef Ralf Minge, der am Donnerstag seinen 60. Geburtstag feierte, versuchte wie einige Dynamo-Spieler zu schlichten.

Magdeburg am 16. April 2016: Mit einem 2:2 macht Dynamo den Aufstieg in die zweite Liga perfekt. danach gibt es kein Halten mehr, wie der Jubel von Giuliano Modica, Michael Hefele und Fabian Müller zeigt.
Magdeburg am 16. April 2016: Mit einem 2:2 macht Dynamo den Aufstieg in die zweite Liga perfekt. danach gibt es kein Halten mehr, wie der Jubel von Giuliano Modica, Michael Hefele und Fabian Müller zeigt. © Robert Michael

Doch Minge, der an jenem Nachmittag in löchriger Jeansjacke und mit Dynamo-Kapuzenpullover selbst aussah wie ein Fan, wurde von Magdeburger Sicherheitskräften versehentlich abgeführt. In Erinnerung daran trugen bei Minges Abschied in diesem Sommer alle Dynamo-Spieler eine Jeansjacke mit seinem Konterfei und der Aufschrift: "Danke für alles Mingus!" 

Am Rande der damaligen Partie vor knapp 22.000 Zuschauern in der MDCC-Arena kam es zu Ausschreitungen zwischen Dresdner Fans und der Polizei, weil 700 der 2.000 Dynamo-Fans wegen ihrer "aggressiven Grundstimmung" nicht ins Stadion gelassen wurden.

Die Szene, die den Mythos Mingus bei Dynamo manifestiert. Beim Versuch, die aufgebrachten Fans zu beruhigen, wird der damalige Sportchef von den Ordnern unsanft aufgehalten. Sie hatten Minge in seiner Jeansjacke nicht erkannt.
Die Szene, die den Mythos Mingus bei Dynamo manifestiert. Beim Versuch, die aufgebrachten Fans zu beruhigen, wird der damalige Sportchef von den Ordnern unsanft aufgehalten. Sie hatten Minge in seiner Jeansjacke nicht erkannt. © Robert Michael

Die Rivalität beider DDR-Klubs begründet sich vor allem mit der ruhmreichen Historie. Kaum ein anderes Duell elektrisierte Fußball-Fans zu Zeiten der ehemaligen DDR mehr wie dieses. Zwischen 1971 und 1978 machten die beide die Meisterschaft unter sich aus. Am Ende reichte es für den FCM zu drei Titeln und drei FDGB-Pokalsiegen. Dresden feierte fünf DDR-Meisterschaften und zwei Pokalsiege. 

Gleich zweimal (1974 und 1975) krönte sich Magdeburg in Dresden zum Meister, Dresden (1977) gelang das an der Börde einmal. Einen weiteren Höhepunkt bot das Pokalfinale 1978 auf neutralem Boden, dass der FCM mit 1:0 für sich entschied.

Nach der politische Wende stürzte der 1. FC Magdeburg in die Bedeutungslosigkeit und musste 2002 nach einer Insolvenz aus der Regionalliga zwangsabsteigen, ehe mit einem Neuaufbau erst 2018 mit Trainer Jens Härtel der Sprung in die 2. Bundesliga gelang. Dynamo dagegen stürmte 1991 in die Bundesliga, wurde 1995 aber wegen einer Lizenzverweigerung aufgrund immenser Schulden in die Regionalliga zurückgestuft. 

Dresden am 6. Oktober 2020: Marvin Stefaniak ist zurück. Nach seinem ersten Training stellt er klar: "Derby ist Derby, also alles reinhauen."
Dresden am 6. Oktober 2020: Marvin Stefaniak ist zurück. Nach seinem ersten Training stellt er klar: "Derby ist Derby, also alles reinhauen." © dpa/Robert Michael

Seit 2002 pendelt der Verein nun schon zwischen zweiter und dritter Liga, beansprucht in seinem Leitbild aber einen Status quo für sich: "Wir sind die Nummer eins im Osten".

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Nun trifft man sich also in Liga drei wieder. Dynamo-Rückkehrer Marvin Stefaniak war beim letzten Drittligasieg vor fünf Jahren dabei. Der Mittelfeldspieler, der am Montag als Neuzugang präsentiert wurde, kennt die Gesetze beim ewigen Duell. "Wir müssen es ziehen. Derby ist Derby, also alles reinhauen. Ich werde die Jungs pushen", sagte er im Interview mit Sächsische.de.  FCM-Trainer Thomas Hoßmang, der selbst viele Jahre in Dresden aktiv war, zählt Dynamo zu den Aufstiegsfavoriten. Dennoch wolle er "in Dresden den Widerstand brechen. Wir müssen es aufsaugen, dass 10.000 Zuschauer gegen uns sein werden und selbst auch präsent sein."

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