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Dynamo-Chef verurteilt Randale beim Derby in Aue: „Asoziale Zerstörungswut“

Am Rande des Duells zwischen Aue und Dresden muss die Polizei einschreiten - unter anderem in der Toilettenanlage. Zwei Tage danach entschuldigt sich der Geschäftsführer.

Von Daniel Klein
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Nach dem Führungstreffer kochten die Emotionen im Auer Fanblock über. Bei einem Eckball muss Patrick Weihrauch einem fliegenden Bierbecher ausweichen.
Nach dem Führungstreffer kochten die Emotionen im Auer Fanblock über. Bei einem Eckball muss Patrick Weihrauch einem fliegenden Bierbecher ausweichen. © dpa/Robert Michael

Aue. Derbys zwischen Aue und Dynamo Dresden sind immer hochemotional. Einige Anhänger beider Fanlager überschritten die Grenzen am Sonntag im Erzgebirgsstadion jedoch deutlich. Die Polizei, die mit 560 Einsatzkräften vor Ort war, musste eingreifen und nahm Ermittlungen auf.

Noch vor dem Anpfiff der Partie traf laut Polizeibericht ein Zuschauer aus dem Gästeblock "mit einem Hartplastikgegenstand" einen Aue-Fan. Der 61-Jährige wurde leicht verletzt und musste ambulant behandelt werden. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung laufen. Dynamos Geschäftsführer hat sich nun in einem Statement auf der Vereinshomepage für die Vorfälle entschuldigt.

„Genauso verurteilen wir den zunehmenden Einsatz von Wurfgeschossen jeglicher Art auf das Schärfste und entschuldigen uns in aller Form bei dem am Wochenende getroffenen Fan des FC Erzgebirge, der laut unseren Informationen glücklicherweise mit einer leichten Verletzung davongekommen ist", wird Wehlend zitiert. „Im Namen der gesamten Sportgemeinschaft wünsche ich ihm eine schnelle Genesung und gute Besserung.“

Es war jedoch nicht der einzige Vorfall am Sonntag. Während der ersten Halbzeit versuchten einige der 2.000 angereisten Dynamo-Anhänger dann im benachbarten Pufferblock ein lila-weißes Graffito mit gelber Farbe zu übersprühen. Die Polizei schritt ein und drängte aufgebrachte Aue-Fans in ihren Zuschauerbereich zurück.

Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen

In der Halbzeitpause stellten die Beamten fest, dass in den Toiletten unterhalb des Gästeblocks sämtliche Armaturen beschädigt worden waren, "sodass eine weitere Nutzung der Toilettenanlage nicht möglich war", wie es im Bericht heißt. Die Schadenshöhe ist noch nicht bekannt, Ermittlungen wegen Sachbeschädigung wurden aufgenommen.

Wehlend erklärte am Dienstag dazu: „Die SG Dynamo Dresden verurteilt jedwede Form von Gewalt, Bedrohung, Diskriminierung und Vandalismus – sei es im Stadion oder abseits davon. Hinsichtlich der Vorkommnisse am vergangenen Sonntag dauert die vollumfängliche Auswertung noch an. Dabei geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“

Jürgen Wehlend bezeichnete die Vorfälle beim Derby gegen Aue als „sinnlose und asoziale Zerstörungswut“.
Jürgen Wehlend bezeichnete die Vorfälle beim Derby gegen Aue als „sinnlose und asoziale Zerstörungswut“. © dpa/Picture Alliance/Robert Michael

Man werde die Ereignisse in Zusammenarbeit mit Erzgebirge Aue und den entsprechenden Sicherheitsstellen aufarbeiten und alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um gegen die Urheber der Vergehen vorzugehen, versprach Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer.

„Sinnlose und asoziale Zerstörungswut“

Das Zerstören der Toilettenanlage in Aue durch Dynamo-Anhänger hat offenbar eine unheilvolle Tradition. Im Mai 2018 hatten Fans in dem gerade erst fertiggestellten neuen Erzgebirgsstadion Waschbecken, Fließen und Lampen zerstört, Lüftungsrohre von der Decke gerissenen, Klotüren eingetretenen sowie Wände beschmiert. Zudem wurde eine mit Papier gefüllte Mülltonne in der Toilette angezündet.

Dynamo bot damals an, die Kosten des Sachschadens, der im fünfstelligen Bereich lag, komplett zu übernehmen. Ob solch ein Angebot auch diesmal gemacht wird, ist unklar. Der Verein äußerte sich dazu nicht. Wehlend sprach in seinem Statement von einem ähnlichen Vorfall beim letzten Aufeinandertreffen in Dresden im Mai 2022.

„Das ist eine extrem nervige Unart, die sich leider bei einigen Unverbesserlichen vieler Fanlager – auch unserem – in den vergangenen Jahren eingebürgert hat, wie auch wir beispielweise beim letzten Aufeinandertreffen mit dem FC Erzgebirge im Rudolf-Harbig-Stadion schmerzlich feststellen mussten“, sagte er. „Diese gleichermaßen sinnlose und asoziale Zerstörungswut schadet dabei jedes Mal nicht nur finanziell dem gastgebenden Verein, sondern auch sämtlichen Gästefans selbst, die dadurch während des Spiels weder ihre Notdurft verrichten können noch Zugang zu fließendem Wasser haben.“

Als Dynamo am Sonntag durch Christian Conteh in der 85. Minute mit 1:0 in Führung ging und Dynamos stellvertretender Pressesprecher Marcel Devantier auf der Medientribüne kurz jubelte, brannten bei einem in der Nähe sitzenden Aue-Fan die Sicherungen durch. Lautstark forderte er Devantier minutenlang auf, sofort das Stadion zu verlassen und wollte das offenbar auch körperlich durchsetzen. Mehrere Ordner versuchten, diesen und weitere sich einschaltende Zuschauer zu beruhigen und zurückzudrängen. Schließlich wurde Devantier von Ordnern geschützt von der Tribüne geleitet.