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Was Dynamos Sieg gegen Aue wirklich bedeutet

Der Zweitliga-Absteiger gewinnt das Prestigeduell mit dem Erzgebirgs-Rivalen. Viel wichtiger sind die Erkenntnisse danach.

„Ich musste ihn ein bisschen festhalten“, sagte Dynamos Torwart Kevin Broll danach zu der Szene mit Dimitrij Nazarov. Den fälligen Elfmeter des aserbaidschanischen Nationalspielers wehrte er ab.
„Ich musste ihn ein bisschen festhalten“, sagte Dynamos Torwart Kevin Broll danach zu der Szene mit Dimitrij Nazarov. Den fälligen Elfmeter des aserbaidschanischen Nationalspielers wehrte er ab. ©  dpa/Robert Michael

Dresden/Lößnitz. Am Ende waren sich alle einig, die Gewinner genauso wie die Verlierer. „Testspiele soll man jetzt nicht so hochjubeln“, sagte Dynamo Dresdens Torwart Kevin Broll de facto stellvertretend für alle Beteiligten, die da am Samstagnachmittag auf dem einsamen Platz im beschaulichen erzgebirgischen Lößnitz das letzte Testspiel in dieser Sommervorbereitung bestritten. 

Dass es sich bei dem Aufeinandertreffen um ein Prestigeduell handelte, konnte bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Und ausdrücklich ebenfalls, dass der Neu-Drittligist Dynamo den Weiterhin-Zweitligist Aue mit 1:0 besiegte. „Das bedeutet nix“, legte Cheftrainer Markus Kauczinski gleich danach unmissverständlich fest.

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Andere Dinge, auch da herrschte übergreifende Einigkeit, waren wichtiger. Bei den Details gingen die Meinungen dann aber nicht zuletzt ergebnisbedingt weit auseinander. Broll zum Beispiel freute sich am meisten, „das erste Spiel jetzt auch zu null" gespielt zu haben. In den fünf Testpartien zuvor kassierte man zusammen neun Gegentreffer. Dynamos Nummer eins nahm das als Beleg für „die stabile Defensive, die wir jetzt fast schon haben“.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit konkreten, weit über die Corona-Maßnahmen hinaus gehenden Regeln fand Dynamos letzter Test im erzgebirgischen Lößnitz statt.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit konkreten, weit über die Corona-Maßnahmen hinaus gehenden Regeln fand Dynamos letzter Test im erzgebirgischen Lößnitz statt. ©  dpa/Robert Michael

Eine sehr korrekte Einordnung, in der selbst das Wörtchen „fast“ seine Berechtigung hatte. Insgesamt aber war das gegen den höherklassigen Gegner „ein Testspiel auf Augenhöhe“, wie Kauczinski anmerkte. Dynamo präsentierte sich vor allem in den ersten 30 Minuten in einer respektablen Frühform: sehr präsent und aggressiv in den Zweikämpfen, mit zunehmend besser funktionierenden offensiven Abläufen und einer klaren Spielidee – und einer zentralen Achse mit den Innenverteidigern Sebastian Mai und Tim Knipping sowie den Mittelfeldspielern Marco Hartmann und Yannick Stark, die sich immer mehr als neues Prunkstück erweist.

Den einen oder anderen Lapsus erlaubte sich die Hintermannschaft dennoch, Broll eingeschlossen. „Doof gelaufen und falsch spekuliert“, kommentierte er die Situation in der 82. Minute, als der Torwart nach fehlerhaftem Zuspiel von Kapitän Mai in Bedrängnis geriet und Aues Angreifer Dimitrij Nazarov nur noch elfmeterreif festhalten konnte. 

Der Schiedsrichter, gestand Broll, hätte ihm dafür die Rote Karte zeigen müssen, er habe also doppelt Glück im Unglück gehabt. Denn mit starker Parade wehrte Broll anschließend nicht nur den von Nazarov an sich gut getretenen Strafstoß ab („Einfach in die rechte Ecke gesprungen und mich lang gemacht“), sondern auch den Nachschuss.

Es sei ein Gefühl gewesen, dass Dimitrij Nazarov den Elfmeter in die vom Torwart aus rechte Ecke schießt, erklärte Kevin Broll. Und alles andere dann offenbar ein Kinderspiel: abspringen und lang machen.
Es sei ein Gefühl gewesen, dass Dimitrij Nazarov den Elfmeter in die vom Torwart aus rechte Ecke schießt, erklärte Kevin Broll. Und alles andere dann offenbar ein Kinderspiel: abspringen und lang machen. ©  dpa/Robert Michael

Aufkommende Euphorie wiesen Broll und alle anderen Dresdner allerdings kategorisch zurück, auch wenn Agyemang Diawusies Gesichtsausdruck etwas anderes vermittelte. Doch Dynamos Neuzugang ist vielmehr ein grundpositiver Mensch - und war zudem der Schütze des Siegtreffers. Der Außenstürmer erzielte wie schon am vergangenen Mittwoch beim 5:1-Testspielsieg gegen den dänischen Zweitligisten Köge das erste Tor, diesmal war es das entscheidende. Da ist die Freude nur zu verständlich.

Nach einem Ballgewinn in der Defensive ging es in der siebenten Minute ganz schnell. Über Knipping, Hartmann, Dynamos Ex-Auer Christoph Daferner und Patrick Weihrauch landete der Ball bei Diawusie, der ihn am aus seinem Tor herausstürmenden Schlussmann Martin Männel vorbeispitzelte. 

Ein mustergültiger, lehrbuchreifer Angriff und zugleich Paradebeispiel dafür, wie es auch in den Punktspielen funktionieren soll.„Wir sind sehr glücklich, dass wir unser letztes Testspiel erfolgreich gestalten konnten“, betonte Diawusie, der vor sechs Wochen vom neuen Ligakonkurrenten Ingolstadt nach Dresden kam und sich nun zu den Gewinnern der Vorbereitung zählen kann. Gegen Aue gehörte der 22-Jährige wieder zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz. „Ich denke, dass auch Drittliga-Spieler ganz gut kicken können“, erklärte Diawusie, das Grinsen war mittlerweile aus seinem Gesicht gewichen. 

Die spielentscheidende Szene im Test gegen Aue: Agyemang Diawusie spitzelte den Ball an Aues Torwart Martin Männel vorbei.
Die spielentscheidende Szene im Test gegen Aue: Agyemang Diawusie spitzelte den Ball an Aues Torwart Martin Männel vorbei. © dpa/Robert Michael

Auch er wusste Spiel und Ergebnis einzuordnen und betonte zudem: „Natürlich kann jeder von uns noch eine Schippe drauflegen, ich selber auch. Da wird auf jeden Fall noch einiges kommen.“ Das Zusammenspiel dieser komplett neuen Mannschaft mit den 20 Ab- und 13 Neuzugängen werde immer besser, bekräftigte Diawusie. Weil dieser Prozess naturgemäß längst noch nicht abgeschlossen sein kann, warb er aber trotz allem um Geduld und Zeit.

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„Füße auf dem Boden halten und gucken, wie es weitergeht“, gab Broll als Devise für die nächsten Tage und Wochen aus. Vor dem DFB-Pokalspiel am kommenden Montag gegen Hamburg, wieder ein Zweitligist, wenngleich deutlich ambitionierter und besser aufgestellt als Aue, sind Ausgangs- und Stimmungslage durchweg positiv. „Auf diesem Spiel können wir aufbauen: abgezockt gewesen, Ruhe bewahrt, Nerven behalten trotz der Nicklichkeiten, gute Leistung abgeliefert“, meinte Broll. Sportchef Ralf Becker sprach ebenfalls von einem guten Gefühl nach dem großen Umbruch, doch „das müssen wir jetzt in den Spielen bestätigen“.

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