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Bielefeld: Warum Neuhaus gefeuert wurde

Die Arminia entlässt im Abstiegskampf der Bundesliga scheinbar überraschend den Trainer. Das sind die Hintergründe für den Rauswurf, der gar nicht so plötzlich kam.

Der frühere Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus ist mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufgestiegen - jetzt ist man dort mit seiner Philosophie nicht mehr einverstanden und hat ihn entlassen.
Der frühere Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus ist mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufgestiegen - jetzt ist man dort mit seiner Philosophie nicht mehr einverstanden und hat ihn entlassen. © dpa-POOL

Von Holger Schmidt

Bielefeld. Auf den warmen Empfang, den potenzielle Retter bei ihrer Ankunft beim neuen Verein normalerweise bekommen, musste Frank Kramer nicht nur aus Corona-Gründen verzichten. Dem neuen Trainer von Arminia Bielefeld schlägt bei seinem Amtsantritt beim Fußball-Bundesligisten große Skepsis der Fans entgegen. Die trotz der bisher bescheidenen Bilanz des 48-Jährigen im Profi-Fußball aber nur bedingt gegen ihn gerichtet ist. Grund für den Fan-Frust ist vielmehr der Ärger über die für viele unverständliche Beurlaubung des beliebten Aufstiegstrainers Uwe Neuhaus.

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Wie jetzt bekannt geworden ist, war die bereits seit längerem beschlossene Sache, sollte aber ursprünglich erst zum Saisonende vollzogen werden. Die Geschäftsführer Samir Arabi und Markus Rejek wirkten bei der Vorstellung des Nachfolgers nach schwierigen Stunden durchaus angeschlagen. Dass eine Trennung von Neuhaus eine unpopuläre Entscheidung sein würde, war ihnen vorher klar. Mit einer solchen Wucht der Empörung hatten sie aber offenbar nicht gerechnet.

Offiziell drückten beide ihr "volles Verständnis" für die Reaktionen der Fans aus. "Aber wir treffen unsere Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Klubs. Und nicht nach irgendwelchen Meinungen in Foren oder im Netz", sagte Arabi. Rejek betonte, man habe die Entscheidung gegen Neuhaus einstimmig getroffen. "Wir wissen, dass es ein mutiger Schritt ist", sagte er: "Aber wenn wir nicht mehr den Mut hätten, wichtige Entscheidungen für den Verein zu treffen, würden wir unsere Aufgaben nicht mehr wahrnehmen und wären nicht mehr die richtigen Leute."

Mit Nachfolger Kramer schon im Dezember einig

Eigentlich sollte Kramer zum 1. Juli übernehmen, angesichts der jüngsten Ergebnisse - bei denen das 3:3 gegen Rekordmeister Bayern München positiv herausragte - haben sich die Verantwortlichen der Arminia entschlossen, den Wechsel auf der Trainerbank sofort zu vollziehen.

Hier feiert Uwe Neuhaus (l.) mit Angreifer Andreas Vogelsammer den 4:0-Sieg gegen Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga im Juni 2020. Am Ende der ersten Saison unter Corona-Einfluss stieg der Trainer mit Arminia Bielefeld auf, die Dresdner dagegen ab.
Hier feiert Uwe Neuhaus (l.) mit Angreifer Andreas Vogelsammer den 4:0-Sieg gegen Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga im Juni 2020. Am Ende der ersten Saison unter Corona-Einfluss stieg der Trainer mit Arminia Bielefeld auf, die Dresdner dagegen ab. © dpa/Friso Gentsch

Bereits im Dezember 2018 habe er den Ex-Trainer der SpVgg Greuther Fürth und von Fortuna Düsseldorf holen wollen und nicht den wenige Wochen zuvor bei Dynamo Dresden entlassenen Neuhaus, verriet Arabi. Damals habe es nicht funktioniert, weil Kramer beim Deutschen Fußball-Bund nicht aus dem Vertrag kam. Im Dezember schließlich, als Kramer auf dem Markt war, gab es den entscheidenden Kontakt. Man habe dabei ausgelotet, "ob es für beide Seiten vorstellbar ist", sagte Kramer. Seitdem habe er die Arminia-Spiele aufmerksam verfolgt und sich Notizen gemacht. Einfluss auf Winter-Zugänge habe er aber nicht gehabt.

Kramer soll bei der Arminia den Ausbildungsgedanken mehr in den Vordergrund rücken und eigenen Nachwuchsspielern zum Sprung in den Profibereich verhelfen. Für diese Philosophie stand Neuhaus nach Ansicht der Entscheidungsträger nicht. Als Chefcoach bei Dynamo hatte er unter anderem Talente wie Marvin Stefaniak und Niklas Hauptmann gefördert, die dem Verein mit ihren Wechseln zum VfL Wolfsburg beziehungsweise 1. FC Köln Rekord-Ablösesummen brachten.

Auf jeden Fall "die Wunschlösung"

Bielefeld hat sich nun mit Kramer jemanden geholt, der in der Vergangenheit sein Profil als Nachwuchsfachmann schärfte. Er trainierte unter anderem die U18, U19 und U20 des DFB. Zuletzt arbeitete er als Nachwuchschef bei Red Bull Salzburg in Österreich. Der neue Trainer beginnt mit zwei Heimspielen gegen Union Berlin und Werder Bremen, mit denen sich der derzeit auf Rang 16 stehende Aufsteiger auf einen Nichtabstiegsplatz vorarbeiten kann. Emotional scheinen sie derzeit mehr Gefahr als Chance zu sein. Verbucht Kramer nicht sofort Erfolge, wird das Murren noch lauter. Holt er Punkte, wird die allgemeine Meinung wohl lauten, dass Neuhaus das auch geschafft hätte.

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Angst davor, dass Kramer durch einen Abstieg nachhaltig beschädigt werden könnte und das als langfristig geplante Projekt, sich mit dem erfahrenen Nachwuchs-Coach zum Ausbildungsverein zu entwickeln, noch schwerer zu vermitteln sein wird, hat Geschäftsführer Arabi jedoch nicht. "Wenn wir davor Angst hätten, hätten wir es beim 1.7. belassen müssen und hätten jetzt einen Feuerwehrmann geholt", sagte er.
Kramer sei auf jeden Fall "die Wunschlösung". (dpa, mit sid)

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