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Bier-Streit bei Dynamo: Sponsor verklagt den Verein

Dynamo hat eine Brauerei gefunden, die mehr Geld zahlt als Feldschlößchen bisher. Die Firma aus Dresden verweist auf einen laufenden Vertrag. Die Hintergründe.

Ein Bild aus vergangenen Zweitliga-Zeiten: In der Saison 2017/18 war Feldschlößchen nicht nur Bierpartner, sondern zudem Trikotsponsor. Inzwischen ist der Schriftzug ein anderer und auch der Ausrüster hat gewechselt.
Ein Bild aus vergangenen Zweitliga-Zeiten: In der Saison 2017/18 war Feldschlößchen nicht nur Bierpartner, sondern zudem Trikotsponsor. Inzwischen ist der Schriftzug ein anderer und auch der Ausrüster hat gewechselt. © Robert Michael

Dresden. Die Eskalation im Farbenstreit hat Dynamo Dresden gerade noch abwenden können. Statt eines dunklen Blaus tragen die Spieler auch abseits des Platzes weiter Schwarz und Gelb – nachdem es massive Proteste aus der Fanszene gab. Bei der Entscheidung, welches Bier künftig bei den Heimspielen des Fußball-Zweitligisten ausgeschenkt wird, ist das nicht gelungen. Darüber muss jetzt das Landgericht Dresden entscheiden. Die Feldschlößchen Brauerei – seit zehn Jahren exklusiver Biersponsor und zudem einer von neun Exklusivpartnern des Vereins – hat Dynamo verklagt.

Es muss also einen gravierenden Vorfall gegeben haben, zumal beide Seiten noch vor gut einem Monat gemeinsam eine Sonderedition Aufstiegsbier präsentiert haben. Dynamo und, wie es die Fans nennen, Feldi schienen zusammenzugehören wie Dresden und die Frauenkirche.

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Radeberger kommt ins Spiel

Wie es zum offensichtlichen Bruch gekommen ist mit dem in Dresden ansässigen Unternehmen? Die Antwort ist auf den ersten Blick ganz simpel. Dynamo hat einen neuen Bierpartner gefunden: Radeberger. Wobei zurückgefunden in diesem Fall die treffendere Formulierung wäre. Bereits von 2006 bis 2011 war die Brauerei, die mittlerweile zur in Frankfurt/Main angesiedelten Radeberger Gruppe zählt und eine Tochtergesellschaft der Oetker AG ist, schon einmal Biersponsor bei Dynamo. Sogar als Namenssponsor für das 2009 neu eröffnete Rudolf-Harbig-Stadion war Radeberger im Gespräch.

Danach wendete sich das Unternehmen vom Sportsponsoring ab, um nun also die Kehrtwende zu vollziehen. Und da wird die Sache etwas komplizierter – und stellt sich nach SZ-Informationen so dar:

Der Konsum, bis zuletzt neben Sachsen Energie der Namensrechte-Inhaber des Stadions, ist ausgestiegen. Daraufhin bemühte sich das mit Dynamos Sponsoring-Angelegenheiten betraute Unternehmen Sportfive um einen Ersatz und fand den mit Radeberger auch. Nur wollte die Brauerei nicht allein mit ihrem Logo an der Stadionfassade unter dem großen Schriftzug Rudolf-Harbig-Stadion stehen, sondern auch die Ausschankrechte im Stadion haben – die bei Feldschlößchen liegen. Dieser Vertrag wiederum enthält aber den Passus, dass eine Brauerei mit höher dotiertem Angebot jederzeit den Zuschlag erhält, wenn Feldschlößchen den neuen Preis nicht zahlen will. Dabei soll es sich konkret um 100.000 Euro handeln, die Radeberger über dem bisherigen Feldschlößchen-Vertrag liegt.

Auch Feldschlößchen würde mehr zahlen

Sportfive, Dynamo und Radeberger waren sich also handelseinig und dem Vernehmen nach soll sich das Stadionschild schon in Arbeit befinden – bis Feldschlößchen von der Sache erfuhr und entschied, bereit zu sein, den neuen Preis zu zahlen. Seitdem ist der Bier-Streit so weit verfahren, dass der Fall vor Gericht landete.

Konkrete Nachfragen ließen alle Beteiligten bis Dienstagabend unbeantwortet. Radeberger erklärte, grundsätzlich keine Marktgerüchte zu kommentieren. Ganz unabhängig von einem offiziellen Sponsoring gelte jedoch: „Wir waren, sind und bleiben Fans des Fußballsports und damit auch von Dynamo Dresden.“ Und Feldschlößchen teilte zumindest mit, dass man mit Dynamo ein bestehendes Vertragsverhältnis für die aktuelle Saison habe. Zur Klage kein Wort.

Welches Bier wird am Samstag ausgeschenkt?

Am Montag fand die erste Verhandlung statt. Feldschlößchen will eine einstweilige Verfügung erwirken, die es Dynamo verbietet, beim Heimspiel-Auftakt am Samstag gegen Ingolstadt Radeberger auszuschenken. Erstmals seit Oktober 2020 werden dann wieder Zuschauer im Stadion sein, mit rund 10.000 wird gerechnet.

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Dass Feldschlößchen von Dynamo aus einem bestehenden Vertragsverhältnis gedrängt wird, ist indes so neu nicht. Vor drei Jahren zog sich die Brauerei mehr oder weniger freiwillig als Trikotsponsor zurück, weil der Verein bzw. Sportfive mit dem Internetseitenbetreuer All-inkl.com einen deutlich zahlungskräftigeren Partner gefunden hatte. Bei Feldschlößchen sprach man etwas blumig von einer gemeinsamen Entscheidung innerhalb der vertrauensvollen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

Diesmal liegt die Sache offenbar anders, ein Urteil des Landgerichtes soll es am Mittwoch geben. Doch ob der Bier-Streit damit ein Ende hat?

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