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Urteil in Dynamos Bier-Streit: Landgericht weist Klage ab

Feldschlößchen hat den Verein verklagt – wegen Radeberger. Die einstweilige Verfügung wurde nun aufgehoben. Nur ist das Problem damit nicht gelöst.

Dynamos Trainer Alexander Schmidt bereitet die Mannschaft auf den Zweitliga-Start vor, und im Hintergrund tobt der Bier-Streit. Feldschlößchen hat den Verein verklagt - wegen Radeberger.
Dynamos Trainer Alexander Schmidt bereitet die Mannschaft auf den Zweitliga-Start vor, und im Hintergrund tobt der Bier-Streit. Feldschlößchen hat den Verein verklagt - wegen Radeberger. © Lutz Hentschel

Dresden. Der Bier-Streit bei Dynamo Dresden ist entschieden, zumindest vorläufig. Das Landgericht Dresden hat am Mittwochmittag die einstweilige Verfügung der Feldschlößchen Vertriebsgesellschaft mbH aufgehoben. Die Dresdner Brauerei, langjähriger Biersponsor und Exklusivpartner von Dynamo, hatte am 12. Juli zunächst erwirkt, dass der Verein weiter allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen muss und zudem keinen Vertrag mit einem anderen Anbieter abschließen darf.

Daraufhin legte Dynamo Widerspruch ein, der diesen Montag verhandelt wurde. Zwei Tage später sprach Richter Fred Prade nun sein Urteil – und wies die einstweilige Verfügung zurück. Damit hat Dynamo keine vertraglichen Verpflichtungen mehr gegenüber Feldschlößchen zu erfüllen und darf sich einen neuen Biersponsor suchen.

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Begründung: Dynamos Werbevertrag mit Feldschlößchen ist zum 30. Juni regulär ausgelaufen, weil die am 18. Mai vonseiten der Brauerei gezogene Option auf Vertragsverlängerung um zwei Jahre nicht rechtswirksam ausgeübt wurde. „Das ist juristisch nicht sauber gelaufen“, erklärte der Richter auf Nachfrage von Sächsische.de, kritisierte aber, dass die Auseinandersetzung zweier Geschäftspartner, die seit zehn Jahren zusammenarbeiten, nicht geräuschlos und einvernehmlich geklärt werden konnte. „Ich finde es sehr schade, dass sich man sich überhaupt vor Gericht treffen musste“, sagte Prade bei der Urteilsverkündung.

Radeberger bietet 100.000 Euro mehr

Allerdings sprach der Richter auch von einer schwierigen Situation für beide Seiten und einer insgesamt sehr komplizierten Sache mit vielen rechtlichen Unwägbarkeiten. So verwies er unter anderem auf die Corona-Situation, in der für Dynamo einige Verpflichtungen nicht so umsetzbar waren wie vertraglich vereinbart. Andererseits hat der Verein der Brauerei angekündigt, dass auch Angebote anderer regionaler Anbieter vorliegen. Gemeint ist Radeberger.

Die Brauerei will die durch den Rückzug des Konsums frei gewordene Position als Namensrechte-Inhaber des Rudolf-Harbig-Stadions übernehmen, knüpft das aber auch an ein exklusives Bier-Ausschankrecht im Stadion. Nach Informationen von Sächsische.de hat Radeberger dem Verein ein um 100.000 Euro über dem bisherigen Feldschlößchen-Vertrag liegendes Angebot gemacht.

In so einem Fall sieht Dynamos Vertrag mit Feldschlößchen ein Sonderkündigungsrecht vor mit genau beschriebenen Szenarien für die erste, zweite und dritte Liga vor. Von dieser Ausstiegsklausel machte der Verein am 17. Juni Gebrauch – und informierte Feldschlößchen davon per Einschreiben.

Feldschlößchen kann noch in Berufung gehen

Allerdings, und jetzt wird es noch komplizierter, besitzt Feldschlößchen ein sogenanntes Matching Bid Right, wonach Feldschlößchen über jedes neue Angebot informiert werden muss und dann binnen zwei Wochen selbst ein neues Angebot mit veränderten Konditionen abgeben kann. Richter Prade bezeichnet das als „eine faire Vereinbarung“, und so ist es dann wohl auch geschehen. Nur waren inzwischen die Vertragsverhandlungen mit Radeberger abgeschlossen und alle Beteiligten – Verein, Unternehmen und der Vermittler Sportfive – längst handelseinig. Zudem akzeptierte Dynamo weder die von Feldschlößchen gezogene Option der Vertragsverlängerung noch das neuerliche Angebot, was schließlich zur Klage führte.

Der Richter regte in der Verhandlung einen Kompromiss an, der allerdings jetzt in der Kürze der Zeit nicht möglich war, und äußerte seine Hoffnung, „dass die Partien noch zusammenfinden“. Denn mit dem Urteil, das betonte Prade, sei nun eine Entscheidung gefallen, jedoch kein Rechtsfrieden geschaffen. „Alle Beteiligten wollen doch in erster Linie den sportlichen Erfolg für Dynamo, das muss im Vordergrund stehen“, sagte er.

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Feldschlößchen kann vor dem Oberlandesgericht in Berufung gehen, dann würde aus dem Eilverfahren ein Hauptsacheverfahren samt Zeugenvorladung. Eine diesbezügliche Nachfrage blieb bislang unbeantwortet. Und auch Dynamo hat noch nicht erklärt, welches Bier am Samstag beim Heimspielauftakt gegen Ingolstadt ausgeschenkt werden soll. Darüber hinaus müssten in den nächsten Tagen auch sämtliche Feldschhlößchen-Werbetafeln im Stadion ausgetauscht werden. Der Bier-Streit ist also fürs Erste beendet, aber noch nicht ausgestanden.

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