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Investor? Dynamo ist aus Erfahrung klug

Die Fans lehnen für Dresden ein Modell wie bei Türkgücü München kategorisch ab - und das aus gutem Grund, kommentiert Sportredakteur Sven Geisler.

© Fotostand

Dynamos Trainer ist vorsichtig. In dieser Kulturdebatte könne man an einen Punkt kommen, sagt Markus Kauczinski, an dem man gucken müsse: Wie geht es weiter? Die Debatte um den Kommerz im Profi-Fußball hat längst die 3. Liga erreicht, spätestens seit bei einigen Vereinen Investoren eingestiegen sind wie bei Türkgücü München, dem nächsten Gegner der Dresdner.

Als der große Geldgeber angekündigt hatte, sich zurückzuziehen, drohte dem Klub die Pleite. Nun bleibt er doch, die Diskussion geht weiter. Und wie immer gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß. Wenn die Dynamo-Fans solche Modelle verurteilen, resultiert das auch aus der eigenen Erfahrung. Denn in der jüngeren Vergangenheit hat sich der Verein mehrmals allzu abhängig gemacht von einem vermeintlichen Retter in der Not.

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Der hessische Bauunternehmer Rolf-Jürgen Otto wurde bei seiner Wahl zum Präsidenten 1992 gefeiert, weil er Millionen versprach – und hinterließ 1995 einen Schuldenberg von umgerechnet mehr als neun Millionen Euro. Dynamo wurde die Lizenz entzogen, nach dem sportlichen Abstieg aus der Bundesliga ging es direkt runter bis in die drittklassige Regionalliga. Beim verzweifelten Versuch, wieder aufzusteigen, verkaufte der Verein 1999 seine audiovisuellen Rechte an den Medienunternehmer Michael Kölmel, der zudem mit einem Darlehen von bis zu zehn Millionen Mark winkte.

Der Erfolg blieb jedoch aus, das Geld wurde verschleudert. Ohne die Unterstützung der Anhänger, den Mut des Geschäftsführers Volkmar Köster und die Aufbauarbeit von Trainer Christoph Franke wäre Dynamo kurz nach der Jahrtausendwende am Ende gewesen. Aus Erfahrung wird man bekanntlich klug. Die Ablehnung eines Investoren-Modells für Dresden ist folgerichtig – und gut so.

Wenn andere jedoch andere Wege gehen, sollte man das respektieren. Entscheidend ist, so sagt es Kauczinski, dass eine Idee dahintersteckt und es eine langfristige Perspektive gibt. Ob das der Fall ist, wenn Investoren mitten in einer Saison, die von der Corona-Krise geprägt ist, ihren Rückzug ankündigen, darf und muss allerdings bezweifelt werden.

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