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Deshalb trennt sich Dynamo von Geschäftsführer Born

Der Aufsichtsrat stellt den Manager nach vier Jahren in Dresden frei. Gründe sind atmosphärische Störungen und strategische Versäumnisse - eine Analyse.

Den Blick gesenkt. Michael Born muss Dynamo nach gut vier Jahren als Geschäftsführer verlassen.
Den Blick gesenkt. Michael Born muss Dynamo nach gut vier Jahren als Geschäftsführer verlassen. © Robert Michael

Dresden. Das ist ein Paukenschlag. Vier Tage vor dem ersten Pflichtspiel der Saison hat sich Dynamo vom kaufmännischen Geschäftsführer getrennt. Michael Born sei „mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden“ worden, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins. Der 52 Jahre alte Manager wurde vom Aufsichtsrat am Donnerstagnachmittag in einem persönlichen Gespräch von der Entscheidung informiert. Der Beschluss ist nach Informationen der SZ jedoch schon vor zwei Wochen gefasst worden.  Zu einer einvernehmlichen Trennung ist es offenbar nicht gekommen.

Der Freistellung von Born sei "eine umfangreiche Analyse des Aufsichtsrates  in den zurückliegenden Monaten vorangegangen", erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Heinig in der Pressemitteilung und begründet die Entscheidung mit einer "strategischen Neuausrichtung der Geschäftsführung".

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Ziel des Aufsichtsrates  sei es, Dynamo in allen Teilbereichen zukunftsfähig  zu machen. „Veränderungen bieten auch im Fußballgeschäft immer die Möglichkeit, Prozesse und Abläufe für die Zukunft neu zu gestalten und zu optimieren“, betont Heinig – und weiter: Nach erfolgreicher Zusammenarbeit sei man an einem Punkt angekommen, „an dem eine Veränderung aus unserer Sicht der Entwicklung des Vereins gut tun wird.“ Born wird das jedoch nicht zugetraut.

„Mit dieser Entscheidung stellen wir weitere wichtige Weichen für eine strategische Neuausrichtung der Geschäftsführung des Vereins für die Zukunft", erklärte Jens Heinig in der Pressemitteilung des Verein. Der Aufsichtsratschef weiter: "Der Freistellung des kaufmännischen Geschäftsführers ist eine umfangreiche Analyse des Aufsichtsrates, die in der Konsequenz nun die Beurlaubung von Michael Born nach sich gezogen hat.“

Der Zeitpunkt mag verstörend erscheinen, schließlich lenkt diese Personalie ab vom sportlichen Neustart mit dem Spiel gegen den Hamburger SV am Montagabend im DFB-Pokal. Wirklich überraschend kommt diese Nachricht jedoch nicht. Sie hat vielmehr eine lange Vorgeschichte und ist das Ergebnis eines seit drei Jahren schwelenden Konflikts, einer latenten Unzufriedenheit mit Born. Bereits im Sommer 2019 sollte er deshalb entlassen werden, damals war der Führungsstreit eskaliert, der bereits ein Jahr zuvor offen ausgebrochen war, als einige Führungskräfte den damaligen Sportchef Ralf Minge entmachten

Das Betriebsklima in der Geschäftsstelle ist seit Jahren angespannt. Bereits im Spätsommer 2017 habe er wegen atmosphärischer Störungen den Finger gehoben, sagte Minge in einem Interview mit der SZ im November 2018.

Mitarbeiter beklagen fehlendes Miteinander

Wenige Wochen zuvor hatte er einen internen Machtkampf gewonnen. Einige der ehrenamtlichen Führungskräfte wollten Minge loswerden, die Ultras machten den internen Zwist öffentlich, als sie im K-Block plakatierten: „Ralf Minge – unantastbar!“ Das war ein deutliches Signal, wenig später traten sechs Gremienmitglieder, darunter alle drei aus dem Präsidium, zurück.

Im Zuge dieser personellen Turbulenzen kam bereits ans Licht, dass sich zwölf Mitarbeiter des Vereins beim Aufsichtsrat über die Arbeitsweise von Born und dessen Führungsstil beschwert und „fehlendes respektvolles Miteinander“ beklagt hatten. Minge berichtete zudem, einen von ihm angeschobenen Mediationsprozess habe der kaufmännische Geschäftsführer „nach drei Vierteln der Strecke“ abgebrochen. Born erklärte die Missstimmungen bei der Mitgliederversammlung dann unter anderem mit der Auszeit von Minge, der wegen eines Burn-outs von Februar bis Juli 2018 pausieren musste. In dieser Zeit hatte auch der Teammanager Martin Börner gekündigt, ein enger Vertrauter von Minge, der ihn wieder zurückholte.

Sie hatten nach eigenen Aussagen ein professionelles Arbeitsverhältnis, aber zwischen dem ehemaligen Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und dem Finanzchef Michael Born gab es Spannungen.
Sie hatten nach eigenen Aussagen ein professionelles Arbeitsverhältnis, aber zwischen dem ehemaligen Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und dem Finanzchef Michael Born gab es Spannungen. © Lutz Hentschel

„Ich gebe gerne zu, dass die fünf Monate ohne Ralf auch für mich nicht einfach waren“, sagte Born – und räumte Fehler ein. „Ja, wir haben uns den Themen in der Geschäftsstelle nicht mit dem Nachdruck gewidmet, der notwendig gewesen wäre.“ Das ist fast zwei Jahre her – und Born hat sein Versprechen offenbar immer noch nicht eingelöst. „Ich kann zusagen, dass wir uns diesem Thema intensiv annehmen.“ Dafür sei es aber auch notwendig, dass alle wieder einen Schritt aufeinander zugehen. Warum diese Annäherung nicht geklappt hat, wer daran welche Schuld trägt, sei dahingestellt. An dem gestörten Verhältnis seien sicher beide Seiten beteiligt gewesen, heißt es aus Dynamos Führungskreis, aber: Der Chef trägt letztlich die Verantwortung.

Und Born ist dieser nach Ansicht der Aufsichtsräte unzureichend nachgekommen. Er habe die Arbeit der Geschäftsstelle weder strukturell noch inhaltlich weiterentwickelt. Wahrscheinlich unbewusst hat darauf auch der neue Sportgeschäftsführer und Minge-Nachfolger Ralf Becker am Dienstag beim ersten „Dynamo-Talk im Panometer“ hingewiesen, als er nach der Struktur ums Team gefragt worden war. „Wir haben wahnsinnig fleißige Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren unheimlich viel machen, mehrere Bereiche bearbeiten mussten“, erklärte Becker.

Versäumnisse in der strategischen Arbeit

Seine Einschätzung nach zehn Wochen bei Dynamo: Das sei in der Zeit vor sechs Jahren entstanden, als der Verein finanziell am Boden lag und wenige viel leisten mussten. Nun gehe es darum, eine Struktur zu schaffen, „in der nicht jeder Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit wahnsinnig ausgebrannt sein muss, weil es so intensiv ist“. Deshalb müsse man sich auf einigen Positionen breiter aufstellen.

Born werden zudem Versäumnisse in der konzeptionellen und strategischen Arbeit vorgeworfen. So hat Dynamo seit anderthalb Jahren die Möglichkeit, den Nutzungsvertrag fürs Stadion sowie fürs Catering neu auszuhandeln. Stattdessen hat er sich zu gleichen Konditionen verlängert. Man sei nicht einen Millimeter vorangekommen. An dieser Stelle geht es um viel Geld – und da hört die Freundschaft auf.

Vor zehn Wochen trat Ralf Becker (r.) bei Dynamo die Nachfolge von Ralf Minge an. Bei seiner Vorstellung war auch Finanzgeschäftsführer Michael Born dabei - eine Zusammenarbeit wird es nun nicht mehr geben.
Vor zehn Wochen trat Ralf Becker (r.) bei Dynamo die Nachfolge von Ralf Minge an. Bei seiner Vorstellung war auch Finanzgeschäftsführer Michael Born dabei - eine Zusammenarbeit wird es nun nicht mehr geben. © Foto: dpa/Robert Michael

Zudem fehle ein stichhaltiger Plan, wie der Verein wirtschaftlich auf die Corona-Krise reagieren will, heißt es. Was der nun ehemalige Geschäftsführer an Lösungsvorschlägen unterbreitet habe, sei unbefriedigend gewesen. Positiv dagegen steht die Entwicklung der Einnahmen, an der Born maßgeblich beteiligt war. So hat Dynamo in der Saison 2018/19 zum ersten Mal mehr als zehn Millionen Euro aus dem Sponsoring erzielt. Zudem hat er den Bau der Trainingsakademie mit umgesetzt.

Bereits im Sommer 2019 über Entlassung abgestimmt

Dennoch traut der Aufsichtsrat ihm nicht zu, den Verein unter schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen voranzubringen. Allerdings muss sich der Aufsichtsrat hinterfragen lassen, warum er für seine Entscheidung so lange gebraucht hat. Man habe sich in der Sache nicht mit Ruhm bekleckert, wird eingeräumt. Dabei sollte Born bereits zum 30. Juni 2019 freigestellt werden. Eine Probeabstimmung im Kontrollgremium soll damals mit 9:0 ausgegangen sein, aber ausgerechnet Minge sein Veto eingelegt haben. Er hat das anschließend bestritten: „Das steht mir gar nicht zu, irgendwelche Kommentare zu Personalien abzugeben.“ Mehrere Aufsichtsräte haben es anders in Erinnerung.

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Diesmal habe man so lange gewartet, weil eben nach dem Abschied von Minge als Sportgeschäftsführer erst einmal wieder etwas Ruhe einkehren sollte, soweit davon bei Dynamo jemals die Rede sein kann. Born war seit 14. Juni 2016 im Amt, sein Vertrag wurde 2018 um drei Jahre bis 27. Mai 2021 verlängert. Die Stelle wird ausgeschrieben und soll möglichst zeitnah neu besetzt werden, interimsweise übernimmt der Abteilungsleiter Finanzen, Enrico Kabus, die Aufgaben. Auch das war 2019 schon so geplant.

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