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Der Führungswechsel bei Dynamo ist richtig

Nach dem Sport- muss auch der Finanzchef gehen. Von Chaos kann trotzdem keine Rede sein, kommentiert SZ-Sportredakteur Sven Geisler.

Michael Born ist nicht mehr Geschäftsführer von Dynamo Dresden. SZ-Sportredakteur Sven Geisler kommentiert die Entscheidung,
Michael Born ist nicht mehr Geschäftsführer von Dynamo Dresden. SZ-Sportredakteur Sven Geisler kommentiert die Entscheidung, © Foto: Jürgen Lösel

Schon wieder also. Die ständigen Führungswechsel gehören mittlerweile fast genauso zur Tradition von Dynamo Dresden wie die Erfolge zu DDR-Zeiten. Erst wurde der Vertrag mit Sportchef Ralf Minge nicht verlängert, nun musste der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born gehen. Die operative Spitze wurde also binnen drei Monaten komplett ausgewechselt.

Und doch sind diese Entscheidungen nicht zu vergleichen mit den personellen Turbulenzen vergangener Jahre, die das Bild vom Chaos-Verein geprägt haben. Vielmehr sind sie - völlig unterschiedlich gelagert - auf der Basis einer sachlichen Analyse erfolgt. Bei Minge fehlte nach dem sportlichen Abwärtstrend der vergangenen drei Jahre mit dem Rückfall in die 3. Liga als Tiefpunkt auf beiden Seiten das Vertrauen, gemeinsam noch einmal wie 2014 den Aufschwung zu schaffen. Die Verdienste der Vereinsikone bleiben davon unberührt und unbestritten.

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Bei Born liegt es etwas anders, war die Trennung sogar überfällig. Man muss nicht auf jeden Beschwerdebrief von Mitarbeitern mit der Entlassung des Chefs reagieren, dann hätte der Aufsichtsrat bereits vor zwei Jahren gehandelt. Aber wenn Mediationen abgebrochen werden und sich das Betriebsklima nicht verbessert, gibt es keine andere Wahl. Wenn man dem Kontrollgremium etwas vorwerfen kann und muss, dann seine zögerliche Haltung in der Frage. Man könnte es aber auch positiv auslegen, dass eben versucht wurde, die Kontinuität in der Geschäftsführung zu wahren.

Es fällt schwer, Borns Leistung für Dynamo zu bewerten. In seiner Amtszeit wurde immerhin der vorher angeschobene Neubau des Trainingszentrums umgesetzt, die Sponsoring-Einnahmen haben sich extrem positiv entwickelt, der Verein hat jedes Jahr ein ordentliches Plus erwirtschaftet. Der 52-Jährige kann also nicht alles falsch gemacht haben. Aber vielleicht zu wenig richtig.

Vor allem konnte er auf der einzigen Großbaustelle, die ihm sein Vorgänger Robert Schäfer im Mai 2016 übergeben hatte, keinen sichtbaren Fortschritt erzielen. Die Verträge über die Nutzung des Stadions und fürs Catering haben sich stattdessen automatisch verlängert. Es gehörte - und gehört weiter - zweifellos zu den schwierigsten Herausforderungen für Dynamos Verhandlungsführer, bessere Konditionen zu erzielen. Aber der Aufsichtsrat hatte offenbar den Eindruck, Born habe sich dafür nicht ausreichend ins Zeug gelegt.

Außerdem war das Kontrollgremium unzufrieden mit seinen Vorschlägen, wie die Folgen der Corona-Pandemie für den Verein abgefedert werden sollen. Letztlich fehlte das Vertrauen in Born als Krisen-Manager.

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Die Trennung ist deshalb konsequent und richtig, weil sie - so hat es der Aufsichtsratschef Jens Heinig auch begründet - Dynamo tatsächlich die Chance bietet, sich strategisch neu auszurichten. Ob das gelingt, hängt jedoch davon ab, ob ein neuer Geschäftsführer gefunden wird, der Lösungen für die Probleme anbieten kann. Mit Ralf Becker, der unverzüglich als Minge-Nachfolger vorgestellt wurde, hat der Aufsichtsrat bewiesen, dass er nicht planlos handelt. Von Chaos kann also diesmal wirklich keine Rede sein.

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