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Ein besonderer Grabstein für einen Dynamofan

Auf der letzten Ruhestätte eines verstorbenen Fans in Bautzen liegt jetzt ein Stein mit dem Dynamo-Logo. Wie es dazu kam und was die Witwe dazu sagt.

Jacqueline Sitter und Gerd Matejo legen auf dem Bautzener Taucherfriedhof gemeinsam die Grabplatte mit dem Dynamo-Logo auf die letzte Ruhestätte von Thomas Sitter, der wie sie großer Dynamo-Fan war.
Jacqueline Sitter und Gerd Matejo legen auf dem Bautzener Taucherfriedhof gemeinsam die Grabplatte mit dem Dynamo-Logo auf die letzte Ruhestätte von Thomas Sitter, der wie sie großer Dynamo-Fan war. © Steffen Unger

Bautzen. Vielleicht sind sie ja in der Menge der Dynamofans im Dresdner Stadion schon mal aneinander vorbei gelaufen. Aber bewusst gesehen haben sich Jacqueline Sitter und Gerd Matejo noch nie. Und doch erkennen sie sich sofort - aber das ist nicht schwer: Sie trägt ein Dynamo-Trikot mit vielen original Unterschriften von Spielern der jüngsten Jahre. Er hat in der einen Hand ein frisches Blumengebinde, in der anderen eine Grabplatte mit dem schwarz-gelben Logo ihres gemeinsamen Lieblingsvereins. Beide sind ein paar Minuten früher da als vereinbart.

Sie treffen sich am Eingang des Bautzener Taucherfriedhofs und gehen zusammen zum Grab von Thomas Sitter. Ein Bett aus bunten Blumen - es würde ihm gefallen, weiß Jacqueline Sitter, die Witwe. Und natürlich gefiele ihm auch der Wimpel von Dynamo Dresden, der zusammen mit einem Maskottchen und lauter kleinen Herzen am hölzernen Kreuz hängt. Thomas Sitter war Dynamofan durch und durch, das kann jeder sehen.

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Der Schenker hat den Verstorbenen nicht gekannt

Das liebevoll gestaltete Grab war Gerd Matejo aufgefallen, als er vor einigen Wochen Blumen zur letzten Ruhestätte seiner Mutter auf den Taucherfriedhof brachte. Tage später stand Thomas Sitters Grab in einer Zeitungsmeldung: Unbekannte hatten von dort eine Dynamo-Postkarte aus Metall im Wert von 20 Euro gestohlen.

"Zutiefst traurig" habe ihn die Grabschändung gemacht, sagt Gerd Matejo, Dynamofan seit seiner Kindheit. Der Bautzener überlegte sich eine Geste zur Ehrung des Toten, den er nicht persönlich gekannt hat: Er bestellte bei einem befreundeten Steinmetz eine Grabplatte mit eingraviertem Dynamo-Logo. "Ich hab' ihn angerufen, und er war sofort dabei."

Bald hielt er die fertige Platte mit dem Dynamo-D in seiner Hand. „Sie hat die richtige Größe für den Friedhof, da habe ich mich extra erkundigt“, sagt Matejo. Die Kosten dafür übernahm er selbst, "aber über das Geld reden wir mal nicht", sagt der 43-Jährige. "Ich konnte nicht anders, ich musste einfach was tun."

Dann musste er aber noch die Hinterbliebenen des verstorbenen Fans finden. Dabei half die Redaktion von Sächsische.de, die Anfang August über Gerd Matejos Aktion berichtete. "Eine Freundin hat mich angerufen und gesagt: ,Das musst Du lesen, da geht's doch um das Grab von Thomas'", erzählt Jacqueline Sitter. Als sie den Artikel gelesen hatte, meldete sie sich in der Redaktion, wo Gerd Matejo seinen Kontakt hinterlassen hatte. Dann ging alles ganz schnell. Telefonisch verabredeten sie sich zu einem Treffen auf dem Friedhof.

Dynamo ist eine große Familie

Nun legen die Witwe und der Spender zusammen den schweren Granitstein auf das Grab - und hoffen inständig, dass er dort auch bleibt. Mit dabei sind auch die beiden Töchter der Sitters, Emely-Johanna und Celina. Gemeinsam stellen sie ein paar Blumentöpfe so, dass die Grabplatte richtig zur Geltung kommt.

Niemand kann und will in diesem Moment seine Rührung verbergen. "Dynamo ist anders. Wir sind alle eben wirklich eine große Familie", sagt Gerd Matejo. Jacqueline Sitter nickt: "Wer es nicht glaubt - das hier ist der Beweis!" Dann drücken sich die beiden Dynamofans. Und sind sich einig, dass im nächsten Spiel wieder drei Punkte her müssen.

Zurück vom Friedhof, schreibt Jacqueline Sitter einen öffentlichen Dank auf Facebook: "Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei Gerd, einem mega-tollen Dynamofan. Durch dich kann mein Mann in Ruhe weiter schlafen. Er wäre mega-stolz und dankbar für dein tolles, dynamisches Geschenk."

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