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Dynamo: Was das 0:0 im Top-Spiel bedeutet

Mit dem Unentschieden gegen Hansa Rostock verteidigen die Dresdner die Tabellenspitze. Der Trainer ist zufrieden - unter einer Bedingung. Die erste Analyse.

Dynamos Kevin Ehlers (l.) und Paul Will (r.) helfen Christoph Daferner wieder auf die Beine, nachdem er gefoult worden ist. Das Ost-Duell war von Zweikämpfen geprägt.
Dynamos Kevin Ehlers (l.) und Paul Will (r.) helfen Christoph Daferner wieder auf die Beine, nachdem er gefoult worden ist. Das Ost-Duell war von Zweikämpfen geprägt. © dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Viel Wind um nichts? So ließe sich das Spitzenspiel in der 3. Fußball-Liga einordnen, denn fußballerisch hatte das Ost-Duell zwischen Dynamo Dresden und Hansa Rostock am Ostersonntag wenig zu bieten. Das torlose Unentschieden ist also das logische Resultat - und wird von beiden Seiten auch genauso akzeptiert. Denn letztlich haben sie ihre Minimalziele in diesem direkten Aufeinandertreffen erreicht: Dynamo bleibt seit nun 16 Spieltagen in Folge Spitzenreiter mit einem Punkt vor Hansa, Rostock setzt seine Erfolgsserie als beste Mannschaft der Rückrunde fort.

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Vor allem aber: Beide haben den Vorsprung auf den Tabellendritten um genau diesen einen Punkt ausgebaut, nachdem der FC Ingolstadt bereits am Sonnabend gegen Magdeburg mit 0:2 verloren hatte.

Wieso blieb das Top-Spiel torlos?

Nach der torlosen ersten Halbzeit kommt Rostock entschlossener, zielstrebiger aus der Kabine, hat gleich eine richtig gute Chance: Den Schuss von Bentley Bexter Bahn pariert Kevin Broll (49.). "Der Ball ist noch abgefälscht, aber ich komme noch mit meiner Flosse hin. Das ist Glück, das du in so einer Situation brauchst", sagt Dynamos Torhüter zu der Szene - und fragt sich mit Blick auf seinen Kollegen Markus Kolke bei Hansa: "Ich weiß nicht, ob sein Trikot dreckig geworden ist."

In der zweiten Hälfte bleibt eher Hansa am Drücker, die Dresdner kommen offensiv selten durch und wenn, fehlt spätestens beim letzten Pass die Idee oder die Präzision. Insgesamt ist Dynamos Spiel zu statisch. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr klare Aktionen haben", sagt Trainer Markus Kauczinski. Vor allem in der Schlussphase habe man jedoch gemerkt, dass die Niederlage gegen 1860 in München noch im Kopf steckte. "Dort haben wir ein spätes Tor kassiert, nachdem wir wild geworden sind im Spiel nach vorne, unbedingt gewinnen wollten." Diesmal sei seine Mannschaft deshalb nicht das letzte Risiko gegangen. "Das ist dann auch in Ordnung."

Immerhin verhindert Kapitän Sebastian Mai mit seiner Grätsche gegen Rostocks Sturm-Riesen John Verhoek Schlimmeres (63.). Es herrscht die Angst vorm Verlieren, jedenfalls sind die Gäste näher dran, das Top-Spiel zu gewinnen. Jan Löhmannsröben per Hackenkick - knapp vorbei (83.).

Wie bewerten Spieler und Trainer das Ergebnis?

Das Fazit der Trainer nach dem Spiel könnte gegensätzlicher kaum sein, spiegelt aber den Spielverlauf exakt wider. "Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden", sagt Kauczinski: "Wir haben gut nach vorne gespielt, hatten drei, vier Möglichkeiten, bei denen auch mal ein Ball reingehen kann. Da hätten wir uns belohnen können für einen guten Auftritt." Sein Hansa-Kollege Jens Härtel sieht es genauso, nur ist er eben mit den zweiten 45 Minuten seiner Mannschaft zufrieden: "Wir haben weiter diszipliniert verteidigt und drei richtig gute Situationen gehabt, von denen ich sage: Da könnte auch mal einer reingehen."

Das ist letztlich nicht passiert und das 0:0 auch aus Sicht von Broll durchaus leistungsgerecht. "Das Quäntchen Glück hat auf beiden Seiten gefehlt, dass der Ball über die Linie rollt", meint der Torwart, der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass bei Dynamo in dieser Saison bereits zum 13. Mal hinten die Null steht.

Das ist auch für Verteidiger Kevin Ehlers, für den es ein Familienduell war, besonders wichtig. Sein Vater Uwe ist Co-Trainer bei Hansa. "Für mich war es ein normales Spiel, wie jedes andere auch. Dass es gegen meine Jugendliebe geht, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht", meint Ehlers junior. "Es war viel Kampf drin, jeder war giftig in den Zweikämpfen. Deswegen war es schwer, sich durch zu kombinieren. Jeder hatte einen Gegenspieler im Rücken", analysiert der 20-Jährige.

Und Kauczinski konzentriert sich auf das Wesentliche: "Wir sind weiter vorne und haben es geschafft, die anderen auf Distanz zu halten. Das ist okay für den Moment, wenn wir gleichzeitig im Kopf haben: Jetzt geht es erst richtig los", sagt Dynamos Chefcoach und verweist auf das nächste Spiel beim Tabellenletzten Unterhaching.

Das Ost-Duell in Bildern - hier durchklicken:

Dynamo-Stürmer Philipp Hosiner (r.) hat die scheinbar beste Chance für die Dresdner, aber bei seinem Kopfball nach einer halben Stunde wird der Winkel zu spitz. Rostocks Damian Roßbach (M.) kann durchatmen. Fotos: dpa/Robert Michael
Dynamo-Stürmer Philipp Hosiner (r.) hat die scheinbar beste Chance für die Dresdner, aber bei seinem Kopfball nach einer halben Stunde wird der Winkel zu spitz. Rostocks Damian Roßbach (M.) kann durchatmen. Fotos: dpa/Robert Michael ©  dpa/Robert Michael
Mit dem langen Bein versucht Heinz Mörschel vor dem Rostocker Nico Neidhar an den Ball zu kommen. Beide Mannschaften schenken sich nichts in diesem Spitzenspiel.
Mit dem langen Bein versucht Heinz Mörschel vor dem Rostocker Nico Neidhar an den Ball zu kommen. Beide Mannschaften schenken sich nichts in diesem Spitzenspiel. © dpa/Robert Michael
Rostocks Jan Löhmannsröben rutscht aus, Dynamos Jonathan Meier erobert den Ball.
Rostocks Jan Löhmannsröben rutscht aus, Dynamos Jonathan Meier erobert den Ball. © dpa/Robert Michael
Christoph Daferner (l.) - hier gegen Rostocks Nico Neidhart - arbeitet wieder viel, aber bei seiner Schusschance kurz vor der Pause verzieht Dynamos bislang erfolgreichster Stürmer deutlich.
Christoph Daferner (l.) - hier gegen Rostocks Nico Neidhart - arbeitet wieder viel, aber bei seiner Schusschance kurz vor der Pause verzieht Dynamos bislang erfolgreichster Stürmer deutlich. © dpa/Robert Michael

Warum gab es bis zur Pause kaum Chancen?

Es ist am Anfang sehr viel Kampf und wenig Spiel mit mehr Fouls und Nicklichkeiten als Torchancen. Je ein harmloser Kopfball von Ehlers für Dynamo (5.) und Damian Roßbach für Hansa (22.) sind sichere Beute für die Torhüter. Schiedsrichter Patrick Ittrich aus Hamburg lässt sich von der Hektik nicht anstecken, ermahnt Mai und Verhoek, ihre Privatfehde schnell zu beenden. "Es ist ein bisschen nervös, man sieht: Es geht um was", sagt Marco Hartmann zur Pause bei Magenta-TV.

Nachdem es beide Mannschaften verstanden haben, ihre Aggressivität zu kanalisieren, wird es ein offenes Spiel - allerdings zumeist zwischen den Strafräumen.

Die Dresdner kommen nach einer halben Stunde zur ersten klaren Möglichkeit. Nach einem langen Pass von Yannick Stark leitet Christoph Daferner direkt per Kopf weiter, doch für Philipp Hosiner wird der Winkel zu spitz, sein Kopfball geht vorbei. "Ich hatte schon gejubelt. Aber es war schwerer, als es live aussah", sagt Hartmann - und der verletzte Ex-Kapitän meint: "An so einem Tag wie heute musst du die Chancen nutzen."

Dynamo wird vor der Pause noch zweimal gefährlich: durch einen Schuss von Stark, den Hansa-Torwart Markus Kolke pariert (40.), sowie den Abschluss von Daferner, der deutlich zu hoch angesetzt ist (45.).

Wie haben die Fans das Ost-Duell begleitet?

Gähnende Leere auf den Rängen, aber die Botschaften sind gut platziert: Am Stadion-Eingang: "Nehmt Euer Herz in die Hand: Für uns, für Euch, fürs Dynamoland!" Vor der Westtribüne: "Grundsteinlegung für Liga 2 - Hansa ins Steuerrad greifen". Und natürlich am K-Block: "100 % für Dynamo, die Fans und den Aufstieg!"

Dynamos aktive Fanszene hatte mit Spruchbändern ihre Unterstützung, aber auch ihre Erwartungshaltung bereits in der Woche vorher deutlich gemacht. Einige Dynamo-Ultras waren sogar nach Rostock gefahren, um mit Transparenten am Ostseestrand ihre Rivalität zu Hansa zu demonstrieren. Für Rostocks Trainer Härtel war die Plakat-Aktion ein "Anzünden". Dadurch habe seine Mannschaft mitbekommen, "was für uns und die Fans auf dem Spiel steht".

Die Polizei war allerdings nicht deshalb rund um das Rudolf-Harbig-Stadion so präsent wie lange nicht mehr, sondern weil vermutet wurde, dass sich Anhänger der Schwarz-Gelben in größeren Gruppen versammeln und dabei die Corona-Regeln verletzen könnten. Offenbar gab es jedoch keine nennenswerten Vorkommnisse.

Nach dem 3:1-Sieg am 21. November 2020 in Rostock hatten Dynamos Fans der Mannschaft bei ihrer Rückkehr nach Dresden mit einer Pyro-Show einen leuchtenden Empfang bereitet.

Warum hat der Trainer seine Startelf verändert?

Auf zwei Positionen ändert Kauczinski seine Startelf im Vergleich zum 0:1 bei 1860 München vor zwei Wochen: Mit Stark und Hosiner rücken zwei der ältesten Spieler aus dem Kader ins Team, nachdem Dynamo zuletzt mit einer sehr jungen Mannschaft gespielt hatte. "Das ist immer ein Abwägen, hat gar nicht so viel mit jung oder erfahren zu tun, sondern mit dem Moment, wie einer drauf ist", meint der Chefcoach.

Stark gehörte nach seiner Schulterverletzung zwar seit vier Spielen bereits zum Kader, war aber wohl noch nicht bereit für einen Einsatz über 90 Minuten. "Yannick hat seine Probleme überwunden, das merkt man im Training", berichtet Kauczinski nun. "Deshalb ist er ein wichtiger Spieler für uns, weil er ein guter Fußballer ist und eine gewisse Kontrolle mitbringt, die in so einem Spiel gut sein kann."

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Den Liveticker vom Ost-Klassiker gibt es hier zum Nachlesen.

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