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Deshalb hat Dynamo keinen Grund zur Panik

Die Dresdner bleiben nach dem 0:0 gegen Rostock der Tabellenführer. Fünf Gründe, die jetzt erst recht für Dynamo sprechen – eine Analyse.

Zum Verzweifeln: Philipp Hosiner hat Dynamos beste Chance im Ost-Duell gegen Hansa Rostock, doch sein Kopfball aus spitzem Winkel geht vorbei. Ist das schon eine Krise?
Zum Verzweifeln: Philipp Hosiner hat Dynamos beste Chance im Ost-Duell gegen Hansa Rostock, doch sein Kopfball aus spitzem Winkel geht vorbei. Ist das schon eine Krise? ©  dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Das Spektakel ist ausgeblieben. Nach dem Ost-Kracher zu Ostern ist die Stimmung zwiegespalten. Einerseits können sowohl Dynamo Dresden als auch Hansa Rostock mit dem torlosen Unentschieden gut leben. Andererseits hatten sich beide mehr erhofft, erst recht, nachdem der FC Ingolstadt als Mitbewerber um den direkten Aufstieg in die zweite Liga gepatzt hatte. Den großen Schritt haben also beide verpasst, ihre Position trotzdem um eben diesen einen Punkt verbessert.

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Bei Dynamo ist die Erwartungshaltung jedoch eine andere, bei jedem kleinen Wackler wird befürchtet, die Mannschaft könnte im Schlussspurt doch noch stolpern. Vor dem 0:0 gegen Rostock hatte sie schließlich bei 1860 München mit 0:1 verloren. Zwei Spiele in Folge ohne eigenen Treffer? „Da sind wir, da bin ich gefordert, im Spiel nach vorne Lösungen zu finden“, sagt Markus Kauczinski, betont aber zugleich: „Ich bin weit davon entfernt, eine Krise auszurufen.“ Die SZ nennt fünf Gründe, warum der Trainer Recht hat.

Weiter Spitzenreiter

Mit einem 0:0 zu Hause gegen Uerdingen hat sich Dynamo am 14. Spieltag an die Spitze der Tabelle in der 3. Liga gesetzt – und diesen Platz nun mit dem 0:0 gegen Rostock verteidigt. „Wir sind immer noch Erster und das bedeutet, dass wir alles in der eigenen Hand haben“, sagt Kauczinski – und auch für Yannick Stark ist das die wichtigste Erkenntnis: „Jetzt bleiben wir weiterhin oben und die Nummer Eins, sind nicht auf fremde Hilfe angewiesen.“ Das ist auch ein Signal an die Konkurrenz: Selbst wenn es bei den Dresdnern nicht optimal läuft, lassen sie sich nicht verdrängen.

Positive Erkenntnis

Es mag abwegig klingen, aber das Ergebnis bringt sogar eine positive Erkenntnis. Chancen für den Sieg hatten beide Teams: Dynamo vor der Pause durch Philipp Hosiner, dessen Kopfball aus spitzem Winkel vorbeigeht. Rostock hatte, streng genommen, genau eine Möglichkeit mehr. Den abgefälschten Schuss von Bentley Baxter Bahn in der zweiten Halbzeit pariert Torwart Kevin Broll mit einem starken Reflex, der Hackenkick von Jan Löhmannsröben geht knapp am Tor vorbei. Unter dem Strich ist das 0:0 ein leistungsgerechtes Ergebnis, auch weil beide am Ende nur ein kalkuliertes Risiko gehen.

„Da bin ich bei der Mannschaft“, erklärt Kauczinski. Er habe überlegt, Kapitän Sebastian Mai mit seinen 1,95 Metern in der Schlussphase nach vorn zu beordern. Aber man habe gemerkt, dass die Niederlage bei 1860 München vor zwei Wochen „ein bisschen im Kopf“ steckte. „Dort haben wir ein spätes Tor kassiert, nachdem wir wild geworden sind nach vorne, unbedingt gewinnen wollten.“ Diesmal ging es zuerst darum, dieses direkte Duell nicht zu verlieren. „Mit der Erfahrung von München war es für uns wichtig, zu sehen, wir können so ein Spiel über die Bühne bringen.“

Qualität in der Offensive

Man könnte thematisieren, dass Dynamo zum 13. Mal in dieser Saison ohne Gegentreffer geblieben ist. „Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, die Jungs vor mir ihren Job auch richtig gut gemacht“, analysiert es Broll aus der Torwart-Perspektive. Oder eben das zweite Spiel in Folge ohne eigenes Tor in den Fokus rücken, was insgesamt zum siebenten Mal passiert ist. „Wir waren nicht sicher genug, um nach vorn zu kombinieren, sondern hatten viele unsaubere Aktionen, haben nicht mutig in die Lücken gespielt, sondern oft nach hinten, sind wieder beim Torwart gelandet“, listet Kauczinski die Mängel im Offensivspiel speziell in der zweiten Halbzeit auf. „Da hätte ich mir mehr klare Aktionen gewünscht.“

Das hat allerdings auch immer etwas mit der Gegenwehr zu tun, immerhin stellt Hansa nach Dynamo die zweitbeste Defensive der Liga. „Rostock hat gut gegen den Mann agiert, wir waren nicht so robust vorne, die Bälle zu halten und zu verarbeiten“, erklärt der Chefcoach. Zudem fehlten im Ost-Duell aus dem Mittelfeld die Ideen und der Mut Einzelner, nach vorn etwas Überraschendes zu initiieren. So kam Heinz Mörschl als Spielmacher nicht zur Geltung. „Es liegt nie an einem allein“, meint Kauczinski. „Wir haben das Tempo manchmal verschleppt und das Spiel langsam gemacht. Daran müssen wir arbeiten.“

Konzentration auf den Endspurt

Bereits vorher war klar, dass nach diesem Spiel nichts entschieden sein wird. Es sind noch acht Spiele, also 24 Punkte zu vergeben. Und im Endspurt gibt es erfahrungsgemäß oft Überraschungen. Die Niederlage von Ingolstadt in Magdeburg war bereits so eine, nun muss Hansa gegen den unter Trainer Christian Titz wieder erstarkten FCM ran. Zudem treffen die Verfolger am 4. Mai in Rostock aufeinander.

Auch angesichts der Ausgangslage war das Remis gegen Rostock für Kauczinski okay, wie er sagt, aber: „Wir müssen nur kapieren, dass Spiele wie gegen Unterhaching die entscheidenden werden, und dafür noch mal alles zünden.“ Am Sonntag tritt Dynamo beim Tabellenletzten an, insgesamt geht es für die Schwarz-Gelben jetzt viermal gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Für Broll gibt es nur eine Devise: „Keine Sekunde nachlassen! Es gilt, mit voller Konzentration und ganzem Herzen das Ding anzunehmen. Da zählt jeder Millimeter, jeder Grashalm.“

Notfalls Relegation

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1860 München auf Platz vier hat mit dem Sieg in Uerdingen zwar weiter Boden gutgemacht und den Rückstand zu Dynamo auf acht Punkte verkürzt. Trotzdem glaubt wohl niemand, dass die Dresdner sich noch aus der Aufstiegszone verdrängen lassen. Was droht, ist Platz drei und damit die Relegation – und die kann Dynamo. 2011 und 2013 setzte man sich jeweils gegen den VfL Osnabrück durch, der auch diesmal ein möglicher Gegner sein könnte. Das ist ja schon mal gut zu wissen – für den Notfall.

Das Spitzenspiel gibt es hier im Liveticker noch einmal zum Nachlesen.

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