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Dynamos unerwartet lange Verletztenliste

Nur 22 Zweitliga-Profis sind mit ins Trainingslager nach Heilbad Heiligenstadt gereist. Der Trainer denkt deshalb über Konsequenzen nach.

Der Trainer geht vornweg: Alexander Schmidt ist zum ersten Mal für ein Trainingslager im Eichsfeld, Dynamo schon zum fünften Mal.
Der Trainer geht vornweg: Alexander Schmidt ist zum ersten Mal für ein Trainingslager im Eichsfeld, Dynamo schon zum fünften Mal. © Lutz Hentschel

Heilbad Heiligenstadt. Eigentlich müssten die Sorgenfalten bei Alexander Schmidt groß sein. Doch Dynamos Cheftrainer huschte bei der Ankunft am 4-Sterne-Superior-Hotel am Vitalpark in Heilbad Heiligenstadt, wo sich der Zweitliga-Aufsteiger seit Donnerstag im Trainingslager befindet, sogar ein leichtes Lächeln über das Gesicht. Er freut sich auf die kommende Trainingswoche. Innerlich dürfte er dennoch ins Grübeln kommen angesichts der Verletztenliste, die Dynamo bereits hat.

Lediglich 22 Spieler sind mit ins Eichsfeld gefahren, ursprünglich sollten es 30 sein. Neben Patrick Wiegers, Marco Hartmann und Robin Becker (alle Aufbautraining) sind auch fünf Verletzte oder angeschlagene Spieler in Dresden geblieben und trainieren unter Anleitung von Physiotherapeut Tobias Lange.

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Was sind die besten Schnäppchen?

Das sind Kevin Ehlers (Muskelfaserriss im Hüftbeuger), Agyemang Diawusie und Patrick Weihrauch (beide Muskelfaserriss im Oberschenkel), Sebastian Mai (Muskelfaserriss in den Adduktoren) sowie Panagiotis Vlachodimos (Magen-Darm-Infekt). Sie alle fehlten auch am Mittwoch beim 3:1-Testspielsieg gegen Jablonec.

Dass nach anderthalb Wochen Vorbereitung bereits vier Spieler mit Muskelfaserrissen ausfallen, wirft zumindest Fragen auf. „Man kann es nicht immer genau klären, warum und weshalb“, sagt Schmidt und sucht dennoch nach Antworten. „Vielleicht ist es Pech, vielleicht sind es Kleinigkeiten wie die Schuhauswahl. Wir haben vom Training sehr dosiert gearbeitet.“

Besonders ärgerlich sei es bei Ehlers, so Schmidt. Er habe ihm am Samstag beim Testspiel gegen Hertha II signalisiert, dass er weiterspielen könne. Nach 31 Minuten musste der Innenverteidiger dann doch verletzt ausgewechselt werden. „Vielleicht wäre es besser gewesen, dass man ihn rausnimmt. Aber wenn ich natürlich das Zeichen bekomme, dass es geht, ist das für mich auch schwierig“, gesteht Schmidt.

Schwer wiegt außerdem der Ausfall von Weihrauch, der nach seiner Verletzung am rechten Sprunggelenk wieder ins Training eingestiegen war. Er wurde gegen Hertha in der 65. Minute und gegen Jablonec in der 59. Minute eingewechselt. Schmidt sagt nun: „Mir wurde kommuniziert, er kann im ersten Spiel 25 Minuten und im zweiten 30 Minuten ran. Wir haben uns an die Vorgaben gehalten. Doch im zweiten Spiel hat er sich nach zehn Minuten etwas zugezogen und dann weitergespielt. Ich kann nicht in die Spieler reinschauen, sondern muss mich auf sie verlassen. Wenn es irgendwo zwickt, müssen sie ein Zeichen geben und rausgehen.“

Comeback auf dem Platz: Ransford-Yeboah Königsdörffer beim Individualtraining mit Assistenzcoach Heiko Scholz.
Comeback auf dem Platz: Ransford-Yeboah Königsdörffer beim Individualtraining mit Assistenzcoach Heiko Scholz. © Lutz Hentschel

Umso vorsichtiger ist Schmidt nun bei Ransford-Yeboah Königsdörffer, der nach seiner Außenmeniskus-Operation am rechten Knie und anschließender Reha wieder trainieren kann. Er absolvierte unter Anleitung von Co-Trainer Heiko Scholz bereits erste Torschussübungen. Dennoch sagt Schmidt: „Wir sind jetzt natürlich sensibilisiert, und da warte ich lieber drei Tage länger, auch wenn die Empfehlung ist, dass er schon trainieren kann.“

Zur 22-köpfigen Dynamo-Reisegruppe gehört auch Probespieler Meissa Diop, der bei den beiden bisherigen Tests jeweils zu Kurzeinsätzen kam. „Wenn wir einen Spieler aus Afrika verpflichten, dann müsste er wesentlich besser sein, als die Spieler, die bei uns sind. Und um das herauszufinden, reichen nicht zwei, drei Einheiten“, erklärt Schmidt. Deshalb darf der Senegalese mit ins Camp.

Diop kennt im Gegensatz zum Großteil seiner Mitspieler den Ort des Trainingslagers noch nicht. Vor einem Jahr war das Team schon einmal in die 300 Kilometer von Dresden entfernt liegende 17.000-Einwohner-Stadt in Nordthüringen gereist. Trainiert wird im Stadion am Gesundbrunnen, dass nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Dennoch fuhr die Mannschaft zu ersten Trainingseinheit bei leichtem Nieselwetter mit dem Bus.

Schmidts Baustellen: Athletik und Fitness

Bei den Einheiten will Schmidt einen Schwerpunkt auf Athletik und Fitness legen, gerade nach den vielen Verletzten in den ersten beiden Trainingswochen. „Die Leistungsdiagnostik hat gezeigt, dass wir da noch einige Baustellen haben, an denen wir arbeiten müssen“, sagt der Trainer, und er erklärt: „Für das, was wir spielen wollen, brauchen wir eine Top-Kondition. Je fitter man beim Anlaufen und aggressiven Vorwärtsverteidigen ist, umso leichter tut man sich da.“

Zudem stehen Feinarbeiten an der Taktik und den Standard auf dem Programm, am Samstag dann das dritte Testspiel, diesmal gegen Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig. Als Teambuilding-Maßnahme bestreiten die Spieler ein Wettrennen auf der Go-Kart-Bahn.

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Für Dynamo ist es bereits der fünfte Trip ins katholisch geprägte Eichsfeld. Stets nahm die Saison danach ein gutes Ende. Nach dem Camp im Juni 2010 stiegen die Dresdner unter Trainer Ralf Loose in die 2. Bundesliga auf. Im März 2015 fuhr Peter Nemeth für vier Tage nach Teistungen, um den Abstieg aus der 3. Liga zu vermeiden, was klappte.

Nur drei Monate später war Uwe Neuhaus mit der Mannschaft da – und stieg mit ihr später auf. Genauso wie im Vorjahr Markus Kauczinski. Schmidt wiederum dürfte in der zweiten Liga bereits beim Klassenerhalt wieder lächeln.

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