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Warum Dynamo plötzlich doch das Tor trifft

Die Dresdner gewinnen mit 3:0 gegen Meppen. Dabei waren sie in der 3. Liga zuvor viel zu harmlos. Was jetzt anders ist - eine Analyse.

Und sie jubeln doch: Ransford-Yeboah Königsdörffer (r.) hat sein erstes Profi-Tor für Dynamo geschossen – und die Mitspieler freuen sich mit ihm.
Und sie jubeln doch: Ransford-Yeboah Königsdörffer (r.) hat sein erstes Profi-Tor für Dynamo geschossen – und die Mitspieler freuen sich mit ihm. ©  dpa/Matthias Rietschel

Dresden. Das gibt’s doch nicht! Dynamo schießt plötzlich wieder Tore, so viele in einem Spiel wie seit dem 14. September nicht mehr. Damals hatte die Saison für die Dresdner spektakulär begonnen mit dem 4:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV. Doch nur sechs Wochen später und nach zwei Niederlagen in Folge schien der offensive Zauber bereits verflogen zu sein. Lediglich fünf Treffer hatten sie in sieben Spielen in der 3. Liga zustande gebracht, nur Duisburg war bis dato noch harmloser.

„Wir haben schon ein bisschen Druck gespürt, die Spieler sich einen Kopf gemacht“, räumt Markus Kauczinski ein. Der Trainer ist auch nach dem 3:0-Sieg gegen den SV Meppen nicht rundum zufrieden mit seiner Abteilung Attacke. „Das ist man nie“, meint der 50-Jährige. Allerdings hat er diesmal deutlich weniger zu meckern, und sein Kapitän findet sogar: „Wir haben es vielen Kritikern gezeigt, dass wir offensiv sehr, sehr gefährlich sein können, dass wir nicht nur ein laues Lüftchen sind“, sagt Sebastian Mai.

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Die nachhaltige Bestätigung dafür steht allerdings aus, es wäre genauso falsch, jetzt gleich wieder alles rosarot zu sehen, wie vorher nicht alles schwarz war. Die nahezu komplett neu zusammengestellte Mannschaft steht in ihrem Findungsprozess erst am Anfang, was in gewisser Weise auch für den Trainer gilt. Kauczinski hat einen klaren Plan, verfolgt eine Idee, sucht aber noch nach Lösungen, wie diese mit den vorhandenen Spielern am besten umzusetzen ist. Eine hat er nun am Samstag gefunden und auf den Platz gebracht.

Zwei Stürmer auf dem Platz, aber nicht zwei Spitzen

Wenn eine Mannschaft harmlos bleibt, wird meist die taktische Umstellung auf eine Doppelspitze als das Nonplusultra favorisiert. Und es schien so, als würde nun auch Kauczinski auf diese Variante setzen. Schließlich standen mit Philipp Hosiner und Christoph Daferner zwei Mittelstürmer in der Startelf. „Unser Plan war es, torgefährliche Spieler auf den Platz zu bekommen“, wiederholt der Chefcoach hinterher, was er bereits vorher angekündigt hatte. Allerdings greift Daferner über die linke Außenbahn an, wobei es entscheidend gewesen sein dürfte, dass die Offensivkräfte die Positionen tauschen. So taucht jeder immer mal woanders auf, wodurch man für die Defensive des Gegners weniger leicht auszurechnen ist.

Fans dürfen noch mal ins Stadion, aber es kommen nur 820 statt der vom Gesundheitsamt genehmigten 999. Nun gibt es wieder Geisterspiele, ein gruseliges Szenario.
Fans dürfen noch mal ins Stadion, aber es kommen nur 820 statt der vom Gesundheitsamt genehmigten 999. Nun gibt es wieder Geisterspiele, ein gruseliges Szenario. ©  dpa/Matthias Rietschel

Einer ist das sowieso nur schwer: Philipp Hosiner. Der Österreicher steht geradezu sinnbildlich für den Prozess, den Dynamo nach Abstieg und Neustart zwangsläufig durchmachen muss. Mit der Empfehlung von 19 Toren in der Vorsaison für den Chemnitzer FC gekommen, hat er in der Vorbereitung nicht getroffen, war zunächst nur Reservist und erzielte sein erstes Dynamo-Tor erst am fünften Spieltag beim 1:0 in Lübeck. Kurz zuvor war Daferner eingewechselt worden.

Mit seinem dritten Saisontor sorgt Hosiner für Dynamos Führung gegen Meppen nach einem Standard; eine Option, die den Dresdnern seit dem Siegtor von Mai am ersten Spieltag in Kaiserslautern gefehlt hatte. Marvin Stefaniak bringt den Eckball auf den ersten Pfosten, Ransford-Yeboah Königsdörffer verlängert per Kopf, und Hosiner steht nicht nur richtig, sondern reagiert am schnellsten. „Bei ihm hatte ich immer das Gefühl, wie er sich bewegt, in welche Räume er geht: Sobald er richtig fit ist, wird er Tore machen“, meint Kauczinski.

Meppen-Torwart Plogmann in Dresden operiert

„Ich hätte davor auch schon einen machen können“, räumt Hosiner ein. Allerdings verhinderte Meppens Ersatztorwart Eric Domaschke mit einer starken Reaktion das frühere 1:0. Der gebürtige Leipziger war für Luca Plogmann gekommen, dem bei einer unglücklichen Aktion rechts die Kniescheibe rausgesprungen war. Dabei riss er sich die Patellasehne und wurde in Dresden sofort erfolgreich operiert, jetzt fällt er aber mehrere Monate aus.

Schreckmoment für Meppen: Torwart Luca Plogmann muss von Sanitätern vom Platz getragen werden, ihm war bei einer unglücklichen Aktion rechts die Kniescheibe rausgesprungen. Dabei riss die Patellasehne. Er musste in Dresden operiert werden und fällt mehrer
Schreckmoment für Meppen: Torwart Luca Plogmann muss von Sanitätern vom Platz getragen werden, ihm war bei einer unglücklichen Aktion rechts die Kniescheibe rausgesprungen. Dabei riss die Patellasehne. Er musste in Dresden operiert werden und fällt mehrer ©  dpa/Matthias Rietschel

Für Dynamo war dann das 1:0 quasi mit dem Halbzeitpfiff der erhoffte Befreiungsschlag oder eben „Dosenöffner“, wie es Stefaniak formuliert. Der Rückkehrer bringt seine Stärken immer besser ein, wovon auch Hosiner profitiert. „Marvin will immer den Ball haben und geht viele unangenehme Wege für den Gegner“, sagt der Angreifer. Als Mannschaft betreiben die Schwarz-Gelben wieder jenen Aufwand, für den man letztlich belohnt wird.

„Wir wissen, dass wir gut sind, spielerisch jedem Gegner überlegen sein können“, meint Kapitän Mai – und fügt hinzu: „Wenn wir uns trauen und bereit sind, viele Wege zu gehen, die vielleicht unnötig erscheinen, aber die Lücken für die Mitspieler schaffen.“ Sie setzen Meppen permanent unter Druck, weshalb sich die Frage nicht stellt, ob der Gegner einfach zu schwach war. Sie lassen den Gästen keine Chance, stärker zu sein. Vor dem 2:0 erobert Daferner den Ball, behält die Übersicht und passt perfekt auf Königsdörffer. Das 19 Jahre alte Stürmer-Talent erzielt sein erstes Tor als Profi. Erst am Donnerstag hatte er seinen Vertrag bei Dynamo vorzeitig bis 2023 verlängert. „Das ist eine perfekte Woche für mich, zumal wir die drei Punkte eingefahren und dabei als Team eine tolle Leistung gezeigt haben“, sagt er.

Deckel drauf: Julius Kade (Nr. 20) erzielt in der Nachspielzeit das 3:0 für Dynamo gegen Meppen.
Deckel drauf: Julius Kade (Nr. 20) erzielt in der Nachspielzeit das 3:0 für Dynamo gegen Meppen. ©  dpa/Matthias Rietschel

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Zum 3:0 trifft dann einer, der bisher kaum aufgefallen ist: Julius Kade. „Er ist ein mutiger Spieler, will immer den Ball haben, hat kaum eine Szene, in der er abschaltet“, lobt der Trainer den Neuzugang. „Er kommt aus einem Jahr bei Union Berlin, in dem er wenig gespielt hat. Es ist normal, dass er etwas braucht, in den Rhythmus zu finden.“
Und was für Kade gilt, trifft auch auf die Mannschaft zu. Der verdiente wie überzeugende Sieg ist dieser oft zitierte Schritt in die richtige Richtung. Der Weg zur Konstanz ist aber ein langer.

Den Liveticker vom Spiel zum Nachlesen gibt es hier.

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