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Die fünf Gründe für Dynamos neue Stabilität

Der dritte Sieg in Folge basiert auf einer starken Defensive, aber wie kommt diese zustande? Eine Analyse.

Abklatschen nach dem Sieg: Dynamos neue Mannschaft findet sich immer besser, Rückkehrer Marco Hartmann (M.) ist dabei eine zentrale Figur.
Abklatschen nach dem Sieg: Dynamos neue Mannschaft findet sich immer besser, Rückkehrer Marco Hartmann (M.) ist dabei eine zentrale Figur. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Mit den Fußball-Weisheiten ist das so eine Sache. Sie passen meist besonders gut, wenn man sie für sich deuten kann. Das wäre jetzt zum Beispiel bei Dynamo jene, wonach eine gute Offensive zwar Spiele gewinnt, es für Titel aber eine starke Defensive braucht. Vor ein paar Wochen hat man das noch ganz anders ausgelegt, da wurden die Dresdner nach drei 1:0-Siegen für mangelhafte Torgefahr kritisiert. Allerdings war die Mannschaft tatsächlich alles andere als konstant, fast in jedem Spiel gab es schwächere Phasen, dazu regelrechte Einbrüche wie beim 0:3 gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern.

Inzwischen spricht einiges dafür, dass sich Dynamo stabilisiert hat. Das 2:0 gegen Unterhaching am Mittwochabend war nicht nur der dritte Sieg in Folge, sondern zum dritten Mal das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Die wiederum, das ist offensichtlich, beruht auf einer sicheren Defensive. Fünf Gründe, warum es für die Schwarz-Gelben jetzt besser läuft – die Analyse der SZ:

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Mannschaftlich stabilisiert

Der personelle Umbruch nach dem Abstieg war extrem: 21 Spieler weg, 15 neue da. Nach dem sensationellen Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV und dem erfolgreichen Kampf zum Start in die Liga beim 1:0 in Kaiserslautern schien es, als habe sich das Team bereits gefunden. Das war nicht mal ein falscher Eindruck, wenn es um den Zusammenhalt geht. Aber auf dem Platz gehört mehr dazu. Es muss sich eine Stammformation herauskristallisieren, damit Abläufe automatisiert werden können.

Zudem, und darauf hatte Trainer Markus Kauczinski öfter hingewiesen, hatten einige Neuzugänge in der vorigen Saison wenig Spielpraxis wie zum Beispiel Patrick Weihrauch bei Arminia Bielefeld. Nach starkem Beginn fiel der 26-Jährige ab, zeigt sich jetzt aber in bester Form. „Zwischendurch waren immer mal einzelne Leistungen nicht gut. Jetzt haben wir es geschafft, dass alle nah an ihr Leistungslimit kommen“, meint der Chefcoach. „Dann kann man auch eine geschlossene Mannschaftsleistung abliefern.“ Ein Grund dafür ist wiederum, dass sich personell ein Gerüst bildet, was einzelne Wechsel in der Startelf sogar erleichtert, wenn es ein funktionierendes Gefüge gibt.

System umgestellt

Die Dreierkette ist allein deshalb jetzt die richtige Wahl, weil Marco Hartmann als zentrale Figur der Mannschaft Orientierung und Sicherheit gibt. „Er nimmt defensiv alle Kopfbälle weg und ist offensiv auch eine Waffe für uns“, sagt Hosiner anerkennend über den 32-Jährigen. Auch Kauczinski ist froh über den „richtig guten Lauf“, den der Ex-Kapitän hat. „Mit seiner Erfahrung und dem, was er der Mannschaft gibt, ist er enorm wichtig.“

Die letzte Reihe bildet das Fundament für die beste Defensive der Liga. Aufsteiger SC Verl hat zwar auch erst elf Gegentreffer kassiert, allerdings zwei Spiele weniger absolviert. „Wir haben eine gute Abwehr, aber das reicht nicht“, betont Kauczinski. „Es verteidigen alle gut, übers Mittelfeld bis nach vorne geben alle Gas.“

Auch das ist so eine simple Fußball-Weisheit: Die Abwehr fängt im Angriff an. Der lauf- und zweikampfstarke Christoph Daferner und der ballsichere Instinktstürmer Philipp Hosiner ergänzen sich als Doppelspitze. Sie setzen die gegnerischen Verteidiger bereits beim Spielaufbau unter Druck und gewinnen oft den sogenannten zweiten Ball.

Mischung gefunden

In dem taktischen System können sie zudem ihre fußballerische Qualität sehr gut ausspielen, weil es durch die zwei offensiveren Außenverteidiger mehr Optionen im Angriffsspiel gibt. Die Tore von Ransford-Yeboah Königsdörffer in Rostock und Hosiner gegen Unterhaching waren exzellent herauskombiniert.

Das, meint Hartmann, trauen sie sich noch nicht immer. „Es ist aber richtig, ein gewisses Mittelmaß zu finden, mal einfache Bälle zu spielen“, sagt der Routinier. Allein mit Schönspielerei geht wenig, erst recht in der 3. Liga. Die Mischung macht’s.

„Das ist das, was wir zeigen wollen: den Dynamo-Kampfgeist. Leidenschaftlich Fußball spielen und die Qualität auf den Platz bringen“, meint Hosiner.

Torwart verbessert

Das sind die Momente, in denen ein Spiel kippen kann, doch Kevin Broll pariert den Schuss von Unterhachings Dominik Stroh-Engel – und verhindert den Anschlusstreffer in der 54. Minute. „Ich muss auch meinen Teil dazu beitragen, nicht nur die Jungs vor mir, die das sensationell gut gemacht haben“, sagt Dynamos Torwart.

Zuvor hatte er für die Internetseite des Vereins selbstkritisch eingeräumt: „Ich habe in manchen Partien nicht wirklich geglänzt und hatte auch ein paar Patzer drin.“ Doch gegen Unterhaching bleibt Broll zum fünften Mal ohne Gegentor, „ein schöner Zwischenstand“, wie er meint. In dieser Statistik liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem Ex-Kollegen Tim Boss, der im Sommer nach Wiesbaden gewechselt ist. Auch für ihn stand beim 1:0 seiner Mannschaft gegen Meppen zum fünften Mal die Null, insgesamt hat er fünf Treffer mehr kassiert als Broll. „Ich bin absolut zufrieden mit meiner Truppe vor mir, wir agieren sehr gut zusammen“, sagt Dynamos Nummer eins.

Selbstvertrauen gewonnen

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