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Die Reaktionen nach Dynamos Spektakel

Die Dresdner liegen gegen Kaiserslautern zweimal zurück, gewinnen aber mit 4:3. Die erste Analyse nach dieser wilden Fahrt, Stimmen - und die Tore im Video.

Dynamos Jubeltraube nach dem Treffer zum 4:3 durch Philipp Hosiner (Nummer 14). Die Dresdner gewinnen ein spektakuläres Spiel gegen Kaiserslautern.
Dynamos Jubeltraube nach dem Treffer zum 4:3 durch Philipp Hosiner (Nummer 14). Die Dresdner gewinnen ein spektakuläres Spiel gegen Kaiserslautern. © Jan Huebner

Dresden. Der Puls geht ganz langsam wieder runter. Was war da los im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion?! Und nicht nur Dynamos Doppel-Torschütze Philipp Hosiner stellt sich die Frage, was erst abgegangen wäre, wenn bei diesem Spiel 30.000 Zuschauer live hätten dabei sein können. Es ist eine wilde Fahrt, ein Hin und Her, ein Spektakel, ein Fußball-Festival mit sieben Toren - und dem erfolgreichen Ende für die Schwarz-Gelben.

"Wir haben ein Tor mehr geschossen als der Gegner, von daher bin ich sehr zufrieden", fasst Kapitän Sebastian Mai das turbulente Geschehen zusammen. Mit 4:3 (2:1) gewinnt der Spitzenreiter der 3. Fußball-Liga sein Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.

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Wie dieses torreiche Spiel lief: Hier ist unser Liveticker zum Nachlesen.

Auch Trainer Markus Kauczinski musste nach dem Abpfiff erst einmal durchschnaufen. "Das war wirklich wild", sagt Dynamos Trainer. "Es ging immer rauf und runter, war immer eine Mannschaft am Drücker." Sein Fazit in einem Satz: "Die Balance, gut zu stehen und trozdem gut nach vorne zu spielen, haben wir heute nicht so gut hinbekommen."

Der MDR twittert seine Zusammenfassung vom "Hosiner-Festival" in der Sendung "Sport im Osten":

Sächsische.de beantwortet die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Spiel:

Wie wichtig war dieser Sieg?

Nach dem 0:1 bei Türkgücü München und der unfreiwilligen Spielpause wegen der positiven Corona-Tests bei Kauczinski und einem Profi, wusste die Mannschaft nicht so richtig, wo sie steht. Weiter an der Tabellenspitze, klar, aber es war wichtig, jetzt auch gleich gut in die Rückrunde zu starten. "Es ist ein gutes Gefühl, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückgekommen sind", sagt Christoph Daferner, der mit seinem Sturm-Partner Philipp Hosiner nahezu perfekt harmonierte.

Vielleicht noch wichtiger ist die Erkenntnis, zweimal einen Rückstand weggesteckt und das umkämpfte Spiel am Ende gedreht zu haben. "Wir haben einen richtig großen Willen gezeigt, sind nach den Rückschlägen wieder aufgestanden und hartnäckig geblieben", meint Daferner - und der Trainer erklärt: "Es ist auch eine Qualität der Mannschaft, nie aufzugeben, nie weg zu sein."

Mit dem Sieg untermauert Dynamo seine Spitzenposition und Aufstiegsambitionen. Mai mahnt trotzdem: "Wir sollten ruhig bleiben. Es herrscht natürlich viel Druck, wir sind Erster und wollen das verteidigen. Das hört sich immer dumm an, aber es sind noch so viele Spiele, für uns ist noch nicht mal die Hinrunde zu Ende."

Wie fielen die Tore nach der Pause?

Das geht zu schnell und vor allem zu einfach. Nur 40 Sekunden nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit fällt das 2:2. Hercher mit Tempo über rechts, seine Eingabe von der Grundlinie landet über Pourié und Ehlers im Dresdner Tor. Letztendlich wird es als Eigentor des Dynamo-Verteidigers gewertet. Ihren nächsten Angriff schließen die Gäste dann zur erneuten Führung ab. Redondo trifft von der Strafraumgrenze zum 3:2 für Kaiserslautern (58.). Dynamo verpennt den Start im zweiten Durchgang.

Die Aufwachphase dauert, Torwart Kevin Broll verhindert gegen Pourié das 2:4 (67.). Erst danach finden die Dresdner zurück ins Spiel, Marvin Stefaniak verpasst zweimal den konsequenten Abschluss. Doch dann sind sie durch: Daferner auf Hosiner, der legt zuück zu Ransford-Yeboah Königsdörffer, der zum 3:3 trifft. Weiter. Zeit genug, das Spiel erneut zu drehen.

Und das gibt´s doch nicht! Hosiner zeigt nach einer Ecke einmal mehr seinen Torinstinkt, drückt den Ball über die Linie, sein achtes Saisontor. 82. Minute Dynamo wieder vorn.

Wie hat Dynamo auf den Rückstand in Hälfte eins reagiert?

Plötzlich liegen die Dresdner zurück. Dabei hatten sie die ersten Achtungszeichen gesetzt mit dem Kopfball von Hosiner (5./sicher gehalten), dem Schuss von Paul Will aus 25 Metern (7./knapp vorbei) und Daferners Abschluss nach Konter (13./vorbei). Kaiserslautern aber vollstreckt mit dem Konter über den starken Jean Zimmer auf der rechten Seite. Hussein Redondo nutzt nach der Eingabe den Freiraum in der Mitte, den er durch einen Ausrutscher von Mai bekommt.

"Ich habe den Blick für meinen Mann verloren im Zentrum, der Ball kommt in meinen Rücken und ich falle auch noch hin", schildert der Kapitän die Szene. "Das ist für einen Innenverteidiger natürlich schlimm, wenn er am Boden liegt, ist er ausgespielt."

Dynamo muss sich schütteln, braucht einige Minuten. Doch sie fangen sich. Die Flanke von Hosiner kommt perfekt, Daferner trifft mit einem wuchtigen Kopfball zum 1:1. Ausgleich nach gut einer halben Stunde. Kurz darauf die nächste Chance, diesmal trifft Daferner jedoch den Rücken des Lauterer Verteidigers Philipp Hercher (38.). Doch noch vor der Pause klappt die nächste Co-Produktion der beiden Stürmer: Diesmal legt Daferner zurück auf Hosiner, der aus elf Metern trifft.

Die Bilder des Spiels - hier durchklicken:

Der Schnee liegt nur noch hinter der Bande. Vor dem Spiel haben fleißige Helfer den Platz beräumt - das freut auch Dynamos Trainer Markus Kauczinski.
Der Schnee liegt nur noch hinter der Bande. Vor dem Spiel haben fleißige Helfer den Platz beräumt - das freut auch Dynamos Trainer Markus Kauczinski. © dpa/Robert Michael
Dynamo trifft gegen Kaiserslautern auf die erwartet harte Gegenweht: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) im Zweikampf mit Adam Hlousek.
Dynamo trifft gegen Kaiserslautern auf die erwartet harte Gegenweht: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) im Zweikampf mit Adam Hlousek. © dpa/Robert Michael
Christoph Daferner (2. v. l.) setzt sich gegen Kaiserslauterns Janik Bachmann (l.) und Adam Hlousek durch. Dynamos Angreifer trifft per Kopf zum Ausgleich.
Christoph Daferner (2. v. l.) setzt sich gegen Kaiserslauterns Janik Bachmann (l.) und Adam Hlousek durch. Dynamos Angreifer trifft per Kopf zum Ausgleich. © dpa/Robert Michael
Nach dem frühen Rückstand ist das Spiel gedreht: Dynamos Philipp Hosiner (2. v. r) erzielt kurz vor dem Pausenpfiff das Tor zum 2:1 für die Schwarz-Gelben.
Nach dem frühen Rückstand ist das Spiel gedreht: Dynamos Philipp Hosiner (2. v. r) erzielt kurz vor dem Pausenpfiff das Tor zum 2:1 für die Schwarz-Gelben. © dpa/Robert Michael
Doch dann jubeln wieder die Gäste: Kenny Prince Redondo (3. v. l) trifft zum 3:2 für die Pfälzer, er jubelt mit Janik Bachmann (v. l.), Adam Hlousek und Hikmet Ciftci.
Doch dann jubeln wieder die Gäste: Kenny Prince Redondo (3. v. l) trifft zum 3:2 für die Pfälzer, er jubelt mit Janik Bachmann (v. l.), Adam Hlousek und Hikmet Ciftci. © dpa/Robert Michael
Doch am Ende sind es die Dresdner, die sich über diese wichtigen drei Punkte freuen können.
Doch am Ende sind es die Dresdner, die sich über diese wichtigen drei Punkte freuen können. © dpa/Robert Michael
Der Wahnsinn in Schwarz und Gelb: Philipp Hosiner (3. v. l) lässt Dynamo mit seinem Tor zum 4:3 über einen wichtigen Heimsieg gegen Kaiserslautern jubeln.
Der Wahnsinn in Schwarz und Gelb: Philipp Hosiner (3. v. l) lässt Dynamo mit seinem Tor zum 4:3 über einen wichtigen Heimsieg gegen Kaiserslautern jubeln. © dpa/Robert Michael

Das 2:1 zur Pause ist ein wenig glücklich, aber nicht unverdient aufgrund der klareren Chancen - und der Effektivität, die zuletzt beim 0:1 in München gegen Tükrgücü gefehlt hatte.

Wie waren die Platzverhältnisse nach dem Schneefall?

Am Vormittag schien das Spiel wegen des starken Schneefalls sogar in Gefahr zu sein, kurz vor 10 Uhr lag der Platz unter einer dicken Schneedecke. Doch fleißige Helfer, Mitarbeiter des Vereins, Jugendspieler und Freiwillige, die sich spontan am Rudolf-Harbig-Stadion gemeldet hatten, beräumten die gesamte Spielfläche, immerhin 8.000 Quadratmeter.

12.52 Uhr meldete Dynamo via Twitter: "Das Schiedsrichtergespann hat soeben das Spielfeld inspiziert und entschieden: Es wird gespielt." Bis auf ein paare kleine weiße Flecken war der Rasen wieder schön grün, die Linien mit roter Farbe gezogen.

Für den Einsatz gibt es Dank und Lob sogar vom Gegner. "Der Platz sah sehr schlimm aus heute Morgen mit viel Schnee. Es braucht viel Kraft, Mut und Ehrgeiz, den zu bereinigen. Vielen Dank dafür, dass wir bei so guten Bedingungen spielen konnten", erklärt Kaiserslauterns Trainer Jeff Saibene.

"Wir wollten spielen. Vielen Dank an alle, die geholfen haben", sagt Kauczinski. "Als ich 10 Uhr selber im Stadion war, hatte ich das Gefühl, es könnte schwer werden. Kompliment an Fans", ergänzt Sportgeschäftsführer Ralf Becker. "Es ist unheimlich krass, was hier passiert", sagt Sebastian Mai - und der Kapitän ergänzt: "Umso trauriger ist es, dass die Fans nicht ins Stadion dürfen. Es ist unfassbar schade, dass nach der Leistung, die die Leute hier vollbracht haben, niemand ins Stadion darf."

Natürlich war der Untergrund rutschig, aber gut bespielbar. Dynamo setzte dabei auf lange Bälle, Kaiserslautern auf Konter und schnelle Abschlüsse auch aus der Distanz.

Wie hat Kauczinski nach den Ausfällen aufgestellt?

Gleich vier potenzielle Stammspieler fehlen den Schwarz-Gelben länger. Nach Marco Hartmann und Chris Löwe (beide Knie) sowie Patrick Weihrauch (Sprunggelenk) hatte es erst am Freitag die nächste Hiobsbotschaft gegeben: Für Robin Becker ist die Saison nach einem Kreuzbandriss vorzeitig beendet. Kauczinski musste seine Startelf also notgedrungen ändern - und stellte dabei auch taktisch um. Kevin Ehlers an seinem 20. Geburtstag, Mai und Tim Knipping bildeten die Dreierkette in der Abwehr. Für Mai war es das Comeback nach seiner Knieverletzung. "Es ist für uns wichtig, dass er wieder dabei ist", betont Kauczinski.

Davor sollten Königsdörffer auf rechts sowie Jonathan Meier auf links sowohl defensiv absichern als auch offensiv agieren. Dazu zwei defensive Mittelfeldspieler mit Yannick Stark und Will sowie dem offensiven Stefaniak und das Sturm-Duo Hosiner und Daferner.

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