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Dynamos Ärger über die geringe Zuschauerzahl

Beim Heimsieg der Dresdner gegen Ingolstadt war das Stadion mit nur gut 7.000 Fans ausverkauft. Wie das zu erklären ist - die Hintergründe.

Auf dem Foto wegen der gelben Sitze kaum zu erkennen, aber die Dynamo-Fans mussten im Stadion auf Abstand gehen.
Auf dem Foto wegen der gelben Sitze kaum zu erkennen, aber die Dynamo-Fans mussten im Stadion auf Abstand gehen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Zuschauerzahl wird erst in der Nachspielzeit angesagt, als die Fans längst den Sieg feiern. 7.102 gibt der Verein offiziell an, weniger als erwartet und erhofft. Das trübt die Freude über Dynamos 3:0 gegen Ingolstadt nicht, zumal sich die Stimmung besser anfühlt. „Ich habe schon Stadien mit 15.000 oder 20.000 Leuten erlebt, in denen weniger Stimmung war“, meint Alexander Schmidt – und der Trainer ist überzeugt: „In Dresden ist es einer der großen Pluspunkte, dass die Fans voll mitgehen. Das hat Spaß gemacht.“

Dennoch wird seit Samstagabend in den sozialen Netzwerken, also an den Stammtischen des Internets, heftig diskutiert, warum in Dresden die vom Verein anvisierten 30 Prozent, also rund 9.600 Besucher, nicht erreicht worden sind, während in anderen Stadien deutlich mehr möglich war. In Aue dürfen am kommenden Sonntag gegen den FC St. Pauli rund 12.000 der 15.000 Plätze besetzt werden, also sogar 77 Prozent. Das Ostseestadion von Mitaufsteiger Hansa Rostock war mit 14.500 Zuschauer zu 50 Prozent ausgelastet.

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Solche Unterschiede seien „kaum noch plausibel zu vermitteln“, erklärt Jürgen Wehlend auf SZ-Anfrage. Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer betont zwar, dass sich alle über die Rückkehr der Fans gefreut und den Tag mit dem passenden Ergebnis genossen hätten. Er hatte jedoch bereits vorher angedeutet, dass es weniger Zuschauer sein werden als zum Beispiel die 10.053 beim 4:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV im September 2020.

"Berechtigte Hoffnung auf 16.000 Zuschauer"

Dabei habe man nach den Beschlüssen der Arbeitsgruppe der Bundesländer, die sich auf eine Auslastung von 50 Prozent und maximal 25.000 Besucher geeinigt hatte, „die berechtigte Hoffnung auf mindestens 16.000 Zuschauer“ gehabt. Das habe sich wegen der vom Dresdner Gesundheitsamt vorgegebenen Mindestabstände jedoch als Trugschluss erwiesen.

Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend hatte bereits bei der Pressekonferenz vor dem Saisonstart in der Gläsernen VW Manufaktur angedeutet, dass die Zuschauerzahl beim Spiel gegen Ingolstadt geringer sein wird als erhofft.
Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend hatte bereits bei der Pressekonferenz vor dem Saisonstart in der Gläsernen VW Manufaktur angedeutet, dass die Zuschauerzahl beim Spiel gegen Ingolstadt geringer sein wird als erhofft. ©  dpa/Robert Michael

Unter Berücksichtigung der Auflagen war das Rudolf-Harbig-Stadion ausverkauft. „Und dies bedauern wir wirklich sehr“, sagt Wehlend. Im vorigen Herbst war ein Sitz Abstand zwischen den sogenannten Infektionsgemeinschaften, also Gruppen, die mit der entsprechenden Kontaktnachverfolgung zusammensitzen oder -stehen durften, ausreichend.

Diesmal mussten laut Hygienekonzept mindestens 1,50 Meter frei gehalten werden, was zwei Sitzreihen entspricht. Dabei galt grundsätzlich die GGG-Regel, also nur geimpfte, genesene oder negativ auf das Coronavirus getestete Personen erhielten Zugang. Die Ultras kritisierten die Auflagen des Gesundheitsamtes mit einem Transparent am spärlich besetzten K-Block: „Gemeinsam steigen wir ab und auf, ohne Einfluss auf den Inzidenzverlauf. Jetzt sind wir seit Wochen unter zehn – trotzdem darf kaum einer ins Stadion geh'n?!“ Und schwarz auf gelb die Frage: „Stadt Dresden – GGGeht's noch?“

Auch Wehlend fragt, warum man in der sächsischen Landeshauptstadt weniger Zuschauer ins Stadion bekommt als vor einem Jahr, als es noch keine Impfungen und wenig Test-Möglichkeiten gab. „Wie geht das zusammen? Und was soll in den Herbst- und Wintermonaten werden?“ Der Dynamo-Manager fordert deshalb „klare Perspektiven und lebensnahe Entscheidungen aus Politik und Verwaltung“.

"So schnell wie möglich das Stadion voll auslasten"

Eine so geringe Auslastung wie zum Spiel gegen Ingolstadt könne man bei Dynamo „nicht mehr nachvollziehen“. Auch unter dem Eindruck der EM-Spiele im Juni stelle man sich mittlerweile ernsthaft die Frage: „Wann wollen und können auch wir als Gesellschaft eigentlich zur Normalität zurückkehren, wenn nicht jetzt, wo wir über eine Inzidenz von rund 10 in Dresden sprechen?“ Wehlend äußert die Erwartung, dass die Richtlinien und Bestimmungen angepasst werden, „damit wir so schnell wie möglich wieder unser Stadion voll auslasten können“. Unter den GGG-Voraussetzungen, wie er betont.

Fakt ist aber auch, dass die Inzidenz der Infektionen pro 100.000 Einwohner in der Woche in Dresden zuletzt mehrmals über zehn lag, am Montag bei 10,8. Wäre das an fünf Tagen in Folge so, würden wieder strengere Regeln gelten.

Das Gesundheitsamt verweist auf „die einzuhaltenden Mindestabstände zwischen Käufergruppen“ als Erklärung für die limitierten Plätze beim Dynamo-Spiel. Aussagen zu Hygienekonzepten treffe man generell nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass keine konkrete Zuschauerzahl vorgegeben war, sondern sich diese eben aus dem Kaufverhalten der Fans ergab: Einzeltickets gingen demnach wegen der Abstandsregeln zulasten der Kapazität.

Gesundheitsamt sieht Eingänge als Problemzone

Das Gesundheitsamt kontrollierte vor Ort die Einhaltung des Hygienekonzeptes und bewertet es als tragfähig. Als eine Problemzone erwiesen sich die Eingänge, an denen es zu größeren Ansammlungen von Menschen ohne Maske und/oder ohne Abstand gekommen ist.

„Zum Einlassmanagement wird man sich daher nochmals eng mit dem Verein in den bereits angesetzten Auswertungsgesprächen abstimmen, um die Erfahrungen vom Wochenende auszutauschen und zu bewerten“, erklärt Amtsleiter Frank Bauer. Die Fans hätten weitgehend verständnisvoll auf die Maßnahmen reagiert und die Hinweise der Ordner befolgt, etwa wenn die Maske nicht korrekt saß. Ein Mund-Nasen-Schutz musste beim Verlassen des Platzes getragen werden.

Dynamo hatte für sich entschieden, auch Gäste-Fans zuzulassen, etwa 100 aus Ingolstadt waren dabei. Die Vereine hatten sich darauf geeinigt, ab dem dritten Spieltag fünf statt der vor der Corona-Pandemie üblichen zehn Prozent der Karten an die Anhänger des Gegners abzugeben.

Es liege im Ermessensspielraum, dies schon früher zu tun, meint Wehlend. „Für uns sind Gäste-Fans fester Bestandteil einer lebendigen Fußballfankultur, die unseren Sport zu etwas Einzigartigem macht“, betont der Geschäftsführer. Wenn es nach Bewertung der Situation keine Gründe gebe, die den Besuch von Gäste-Fans ausschließen, „muss man sich unserer Meinung nach zwingend dafür einsetzen, dass Fans von anderen Vereinen auch immer als Gast bei den Spielen im Stadion dabei sein können“.

Beim Hamburger SV, wo Dynamo am Sonntag das zweite Saisonspiel austrägt, hat man sich dagegen entschieden. Von den 57.000 Plätzen im Stadion im Volkspark dürfen zwar gut 17.000 besetzt sein, aber die Tickets werden nur an HSV-Fans verkauft.

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