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Dynamos harter Kampf mit Hartmann

Die Dresdner gewinnen gegen 1860 München mit 2:1, der Ex-Kapitän vermittelt dabei Sicherheit und Selbstbewusstsein. Die Analyse mit den Reaktionen.

Kevin Broll hat den Ball sicher. Und mitten im Getümmel: Dynamos Abwehrchef Marco Hartmann, der bei seinem Comeback überzeugen konnte.
Kevin Broll hat den Ball sicher. Und mitten im Getümmel: Dynamos Abwehrchef Marco Hartmann, der bei seinem Comeback überzeugen konnte. © Sampics

Dresden. Es gibt einige Geschichten für dieses Spiel, der schlechte Zustand des Rasens im Rudolf-Harbig-Stadion zum Beispiel. „Wir haben Mitte November. Ich weiß gar nicht, wie es im Dezember, Januar werden soll“, meint Markus Kauczinski. Dynamos Cheftrainer führt die Schwierigkeiten, die seine Mannschaft am Sonntag zu Beginn des Heimspiels gegen 1860 München hatte, auch darauf zurück, dass sie erst herausfinden musste, was fußballerisch auf dem Boden überhaupt möglich ist.

Genau genommen ist das wenig, was zweifellos auch am Platz liegt, mehr aber daran, dass sich beide Teams auf die auf einem so tiefen und holprigen Spielfeld erst recht entscheidenden Grundtugenden konzentrieren. Und so fällt das Fazit der Trainer hinterher nahezu wortgleich aus. Von einem höchst intensiven Spiel ist die Rede, das extrem umkämpft war und in dem beide Mannschaften um jeden Zentimeter gekämpft haben. Die Dresdner setzen sich am Ende mit 2:1 durch.

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Es wäre falsch, den Sieg als glücklich zu bezeichnen. Er ist letztlich verdient, auch wenn Gäste-Trainer Michael Köllner der großen Chance von Sascha Mölders in der 48. Minute nachtrauert. „Da kann das Spiel seinen Verlauf für uns nehmen“, sagt er. Was sich nicht beweisen lässt, zumindest einmal hat 1860 zuvor eine Führung aus der Hand gegeben. Die fällt mit dem ersten Abschluss im Spiel überhaupt, und auch der kommt noch eher zufällig zustande.

Dynamos Trainer Markus Kauczinski kann sich über den wichtigen Heimsieg freuen. Er hatte früh die Idee, taktisch und personell umzustellen. Das habe sich schon im Training gut angefühlt, berichtet Torschütze Yannick Stark. Foto: dpa/Robert Michael
Dynamos Trainer Markus Kauczinski kann sich über den wichtigen Heimsieg freuen. Er hatte früh die Idee, taktisch und personell umzustellen. Das habe sich schon im Training gut angefühlt, berichtet Torschütze Yannick Stark. Foto: dpa/Robert Michael ©  dpa/Robert Michael

Der Ball scheint schon abgewehrt zu sein, als er Linksverteidiger Philipp Steinhart an der Strafraumgrenze auf seinen schwächeren rechten Fuß fällt und er ihn perfekt trifft. Erst nach dem 0:1 in der 27. Minute traut sich Dynamo mehr, wobei das erst einmal nur auf einen zutrifft: Yannick Stark, einer von fünf Ex-Münchnern bei den Schwarz-Gelben. „Ich sehe, dass die Gegenspieler auf das Abspiel spekulieren, habe mir aber relativ viel Platz verschafft, meinen Mut zusammengenommen und einfach mal Richtung Tor geschossen“, schildert er seinen Treffer aus 18 Metern, der vieles verändert, vor allem im Selbstbewusstsein. „Wir haben schon etwas Gegenwind, deshalb geht nicht alles einfach von der Hand“, sagt Kauczinski zur Findungsphase zuvor.

Plötzlich aber geht was. Sebastian Mai trifft per Kopf die Latte, den Kopfball von Philipp Hosiner hält 1860-Torwart Marco Hiller. Wenn man die Köllner-Spekulation über ein mögliches 2:1 für die Münchner kurz nach der Pause aufgreift, hätte es davor auch 3:1 für Dynamo stehen können. Letztlich trifft nur noch einer: Ransford-Yeboah Königsdörffer für die SGD; diesmal können die Münchner nicht klären, Mölders legt quasi auf.

Hartmann gibt Startelf-Debüt als Abwehrchef

Das passiert in der 70. Minute – und danach nicht mehr viel. Das ist keinesfalls negativ gemeint, sondern als Lob für Dynamos Defensive. Immerhin war 1860 mit dem Schrecken der torhungrigsten Offensive der 3. Liga angereist, hatte zuletzt Halle gleich sechs Treffer eingeschenkt. Dass die Dresdner in der Schlussphase nicht in Bedrängnis geraten und auch sonst wenig zulassen, ist die eigentliche Geschichte dieser Partie. Es ist die Geschichte von Marco Hartmann. Der Ex-Kapitän ist für die Stabilität hinten nicht etwa alleine zuständig, es ist und bleibt Teamarbeit.

Aber mit ihm bietet sich Kauczinski die Option, taktisch umzustellen: auf Dreierkette und Doppelspitze. Hartmann gibt sein Startelf-Debüt in dieser Saison nämlich als Abwehrchef zwischen Mai und Tim Knipping – und erklärt die Trainer-Entscheidung selbst so: „Wir wussten, dass mit Sascha Mölders vorne jemand spielt, der körperlich sehr präsent ist und seiner Mannschaft viele Möglichkeiten verschafft, indem er die Bälle gut festmacht und weiterleitet“, sagt Hartmann, und er stellt fest: „Das konnten wir in Dreierkombination komplett unterbinden.“

"„Wir haben eine gute Energie versprüht"

Was die Robustheit seines Gegenspielers betrifft, meint er: „Ich bin auch relativ groß und nicht ganz leicht. Es ist schon meine Stärke, am Mann zu arbeiten, Kopfballduelle zu gewinnen.“ Mancher erinnere sich vielleicht nicht mehr daran, sagt Hartmann in Anspielung auf seine Krankenakte. Es macht wirklich keinen Spaß, darin zu blättern. Wichtig ist auch für den 32-Jährigen erst mal nur, dass er wieder zur Verfügung steht – und nicht mehr ausfällt.

Da lächelt er schon ein wenig spitzbübisch: Ransford-Yeboah Königsdörffer hat eine unverhoffte Chance genutzt und den Siegtreffer für Dynamo beim 2:1 im Heimspiel gegen 1860 München erzielt. Dabei musste er auf der rechten Außenbahn sehr viel defensiv arb
Da lächelt er schon ein wenig spitzbübisch: Ransford-Yeboah Königsdörffer hat eine unverhoffte Chance genutzt und den Siegtreffer für Dynamo beim 2:1 im Heimspiel gegen 1860 München erzielt. Dabei musste er auf der rechten Außenbahn sehr viel defensiv arb ©  dpa/Robert Michael

„Marco ist ein erfahrener Spieler, der schon viel erlebt hat und auf viel Wissen im taktischen Bereich zurückgreifen kann. Er bezieht die anderen mit ein, hat Lösungen. Mit seiner Erfahrung ist er wichtig“, betont Kauczinski. Er habe überlegt, Hartmann auf seiner einstigen Position im defensiven Mittelfeld zu bringen, aber dort hätte er die kraftraubenden 90 Minuten womöglich nicht durchgehalten. So war es „ein perfekter Einstand für ihn“, den der Trainer vorher schon in Ausicht gestellt hatte.

Als Organisator in der letzten Reihe kann der Routinier Sicherheit ausstrahlen und Selbstbewusstsein vermitteln. Seine eigene Leistung schätzt Hartmann als „ganz ordentlich“ ein, wichtiger ist die der Mannschaft. „Wir haben eine gute Energie versprüht im gesamten Spiel, und wenn man sich die entscheidenden Szenen in den Strafräumen anschaut, waren wir auch klar besser“, sagt er.

Der Sieg sei „brutal wichtig“, denn: „Das ist schon ein kleiner Knackpunkt, in welche Richtung die Gefühls- und Gemengelage sich entwickelt.“ Sein Blick geht bereits voraus auf das nächste Spiel am Samstag in Rostock. „Natürlich ist es wichtig, wenn wir oben dabei sein wollen – und das müssen wir auch –, dass wir nachlegen. Wir müssen jetzt Konstanz in das bringen, was wir heute gezeigt haben.“

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Ob er weiter auf die veränderte taktische Ausrichtung setzt, lässt Kauczinski indes offen. Es spricht aber einiges dafür – vor allem das Ergebnis. „Mit einem gewonnen Spiel ist es immer leichter, das auszubauen“, meint der Trainer selbst.

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