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Warum Dynamo den Sieg im Spitzenspiel verpasst

Der Tabellenführer hat erst hinten Glück, das am Ende vorne jedoch fehlt. So endet die Partie gegen Saarbrücken mit 1:1 - die erste Analyse mit den Reaktionen.

Dynamos Pascal Sohm erzielt den Treffer für Dynamo, danach vergeben die Dresdner noch drei gute Chancen - es bleibt beim 1:1 gegen Saarbrücken.
Dynamos Pascal Sohm erzielt den Treffer für Dynamo, danach vergeben die Dresdner noch drei gute Chancen - es bleibt beim 1:1 gegen Saarbrücken. © dpa/Robert Michael

Dresden. So richtig wissen sie nicht, was sie mit diesem Ergebnis anfangen sollen. Einerseits ist es gerecht, andererseits wäre mehr drin gewesen. Dynamo Dresden ist mit einem 1:1-Unentschieden gegen den 1. FC Saarbrücken in die „Wochen der Wahrheit“ gestartet, denn für den Tabellenführer der 3. Liga folgen drei weitere Spiele gegen Verfolger im Aufstiegsrennen.

Das zweite Spitzenspiel des Tages hat der FC Ingolstadt mit 2:1 beim SV Wehen Wiesbaden gewonnen und konnte dadurch den Rückstand zu den Dresdnern auf zwei Punkte verkürzen. Beide Treffer für den FCI erzielte Ex-Dynamo Stefan Kutschke. Hansa Rostock spielt am Montagabend bei Türkgücü München.

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Saarbrücken auf Platz vier hat weiterhin zehn Punkte und ein Spiel weniger. „Jetzt warten harte Brocken auf uns, die nächsten Spiele werden packend und uns alles abverlangen“, blickt Dynamos Pascal Sohm voraus. Der Stürmer, zur zweiten Halbzeit eingewechselt, hat den Schwarz-Gelben mit seinem Treffer den Punkt gerettet. Seine Erkenntnis: „Wir müssen auf unser Maximum kommen, sonst wird es schwer.“

Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum Spiel.

Wieso wäre für Dynamo mehr drin gewesen?

Es sind nicht einmal vier Minuten vergangen seit dem Gegentor, als sich die Dresdner zum ersten Mal überhaupt vor das Saarbrücker Tor kombinieren: Kevin Ehlers passt auf Ransford-Yeboah Königsdörffer, der endlich mal ins Dribbling geht und Marin Sverko abschüttelt. Nach seiner Eingabe steht Sohm im Fünfmeterraum frei und vollendet. Der Ausgleich verändert die Partie.

Hat Dynamo den Rückstand als Wachrüttler gebraucht? Jedenfalls sind sie jetzt zielstrebiger, engagierter. „Dann war Überlebenskampf für uns angesagt“, meint FSC-Trainer Lukas Kwasniok.

Ganz zufrieden ist Kapitän ist Sebastian Mai mit dem Ergebnis sicherlich nicht.
Ganz zufrieden ist Kapitän ist Sebastian Mai mit dem Ergebnis sicherlich nicht. © dpa/Robert Michael

Den Kopfball von Tim Knipping nach Ecke von Paul Will pariert FCS-Torwart Daniel Batz reaktionsschnell (72.), Julius Kade wird von Heinz Mörschl und Jonathan Meier perfekt in seine gesetzt, sein Abschluss aber geblockt (82.) und schließlich setzt sich Meier durch, wieder ist ein Saarbrücker dazwischen (87.).

„Man kann natürlich ein bisschen hadern“, meint Trainer Markus Kauczinski und denkt vor allem an die Chance von Kade: „Jule macht solche Dinger im Training fast blind rein.“ Aber weil eben nicht jeder Ball rein gehe, müsse man damit auch mal leben. Ein später Sieg, wie ihn Saarbrücken im Hinspiel feiern konnte, gelingt Dynamo nicht. Trotzdem mache er der Mannschaft keinen Vorwurf, betont der Chefcoach. „Wir haben heute alles versucht. Der Gegner hat gelauert, wir hatten wohl 80 Prozent Ballbesitz. Das war nicht einfach.​“

Wie schildert Dynamos Torschütze seinen Treffer?

Sohm kam zur zweiten Halbzeit für den diesmal glücklosen Philipp Hosiner - und erzielte mit dem 1:1 seinen vierten Treffer in dieser Saison. „So ein Tor wollte ich immer schon mal machen, einfach mal den Ball reinschieben“, erzählte der 29 Jahre alte Angreifer danach und schilderte die Szene so: „Ransi (Königsdörffer/d. Red.) hat es davor super gemacht. Direkt nach dem Tor habe ich zum Linienrichter geschaut, aber ich habe schon versucht, nicht im Abseits zu stehen.“

Pascal Sohm (r) haut sich in den Zweikampf gegen Saarbrückens Marin Sverko. Er belohnte sich für diesen kämpferischen Einsatz wenig später mit einem Tor.
Pascal Sohm (r) haut sich in den Zweikampf gegen Saarbrückens Marin Sverko. Er belohnte sich für diesen kämpferischen Einsatz wenig später mit einem Tor. © dpa/Robert Michael

Das Spiel hätte seiner Meinung nach danach in die eine wie die andere Richtung laufen können. Das Unentschieden sei jedoch gerechtfertigt. Seine Einschätzung: „Wir wissen um die Brisanz in den Duellen gegen direkte Kontrahenten. Mit der richtigen Einstellung können wir das wieder auf den Platz bringen. Wir sind aber auch keine Maschinen, sondern Menschen.​“

War zu sehen, dass Dynamo etwas gutzumachen hatte?

Der Stachel aus dem Hinspiel saß tief: das Gegentor in der Nachspielzeit, die 1:2-Niederlage. Diesmal wollten sie den Spieß umdrehen. Das hatte Knipping gesagt - und er setzt gleich ein Zeichen. Allerdings mit einem Foul, für das er bereits in der vierten Minute die Gelbe Karte sieht.

Ansonsten aber sind die Gäste aggressiver, attackieren früh und haben Pech. Mit einem Lupfer von Ex-Dynamo Tobias Jänicke ist die Dresdner Defensive überspielt, Julian Günther-Schmidt kann flanken, Sebastian Jacob kommt aus kurzer Distanz frei zum Abschluss - der Ball prallt von der Lattenunterkante vor die Linie (7.).

Es war ein umkämpftes Spiel, in dem sich Dynamo lange schwer tat. Das kann man auch im gesicht von Paul Will sehen.
Es war ein umkämpftes Spiel, in dem sich Dynamo lange schwer tat. Das kann man auch im gesicht von Paul Will sehen. © dpa/Robert Michael

„Das 1:1 ist über die 90 Minuten leistungsgerecht, aber der Spielverlauf hätte auch etwas anderes hergegeben“, sagt Saarbrückens Trainer Kwasniok. „Wenn du nach sieben Minuten in Führung gehst, kann das anders laufen.“

Dynamo kommt nicht ins Spiel, ist offenbar beeindruckt von der Gegenwehr. Dresden ist zu passiv und auf dem ramponierten Rasen zu ungenau, es fehlt die Entschlossenheit und mangelt an der Körpersprache. „Saarbrücken braucht den Sieg, um oben dran zu bleiben und wir, um den Abstand groß zu halten. Deswegen weiß ich nicht, bei wem der Druck größer ist“, meinte Kevin Ehlers vorab.

In der ersten Halbzeit kommt Saarbrücken offenbar besser damit zurecht. Dynamo ist chancenlos. Bis in die Nachspielzeit, als Hosiner nach einem Freistoß von Will den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor bringt, aber Keeper Batz ist da. „Wir waren mit der ersten Hälfe unzufrieden, weil wir uns wenig Chancen erspielt haben“, erklärt Kauczinski. „Wir hätten mehr und zielstrebiger nach vorn spielen können. Das kann man auch, ohne die Absicherung zu verlieren. Im Spiel nach vorne müssen wir zulegen."

Wie reagiert Kauczinski auf die harmlose erste Hälfte?

Zumindest sind die Schwarz-Gelben früher zurück aus der Kabine. Mit Sohm bringt der Trainer einen neuen Stürmer, Hosiner muss für ihn weichen. An der taktischen Formation ändert sich also nichts, wichtiger wäre auch eine andere Überzeugung im Dresdner Spiel. „Wir wollten abgesicherter sein und trotzdem mutig nach vorn spielen“, erklärt Kauczinski den Plan.

Zur Halbzeit musste Philipp Hosiner für Pascal Sohm Platz machen. Der Österreicher agierte in der ersten Hälfte diesmal glücklos.
Zur Halbzeit musste Philipp Hosiner für Pascal Sohm Platz machen. Der Österreicher agierte in der ersten Hälfte diesmal glücklos. © dpa/Robert Michael

Während er personell alle Optionen hat, fehlt seinem Kollegen Lukas Kwasniok nicht nur Nicklas Schipnoski, der mit elf Toren und zehn Vorlagen beste Scorer der 3. Liga, sondern gleich sieben Profis. Deshalb bleibt bei Saarbrücken sogar ein Platz auf der Ersatzbank frei. Doch trotz der Ausfälle tritt die Mannschaft erstaunlich abgeklärt auf, setzt Nadelstiche: Broll sicher gegen Minos Gouras (55.).

Dagegen wirkt der Auftritt der Dresdner weiter bemüht - und inkonsequent. Das 0:1 ist die logische Folge: Nach einem Eckball von Jänicke kommt Manuel Zeitz gegen die Dresdner Recken Mai, Knipping und Mörschel zum Kopfball, keine Chance für Broll (58.).

Warum hat Kauczinski die gleiche Startelf aufgestellt?

Kauczinski stellt die gleiche Startelf auf wie beim 4:0-Sieg in Meppen. „Es gab keinen Grund, etwas zu verändern. Wir haben zuletzt gut gespielt“, sagte er vor dem Anstoß bei Magenta-Sport. Zudem waren auch Christoph Daferner, der einen Schlag aufs Knie bekommen hatte, und Kevin Broll einsatzbereit. Der Torwart hatte in dieser Woche wegen Beschwerden an der Wirbelsäule nicht alle Trainingseinheiten absolviert, der Trainer aber bereits am Freitag zur Pressekonferenz Entwarnung gegeben: „Kevin spielt auf jeden Fall.“

Allerdings verwies Kauczinski bereits auf die anstehende englische Woche mit den nächsten Spitzenspielen gegen den SV Wehen Wiesbaden am Mittwoch und bei 1860 München am Montag, dem 22. März. „Es ist natürlich eng, gerade im Sturm“, erklärte Kauczinski und meinte den Konkurrenzkampf zwischen Hosiner und Sohm.

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Weitere mögliche Alternativen für eine Rotation wären Yannick Stark, der nach Schulterverletzung wieder fit ist, Marvin Stefaniak, der trotz Reservistenrolle keinen Stunk machen will, Leroy Kwadwo, der in Abwesenheit von Kapitän Sebastian Mai stark gespielt hat, Niklas Kreuzer, der sich nach der Rückkehr gut reingefunden hat, und Luka Stor, der seine Schnelligkeit bei Kurzeinsätzen einbringen konnte.

So lief das Spiel - den Liveticker gibt es hier zum Nachlesen.

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