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Muss Dynamo jetzt um den Aufstieg zittern?

Die Dresdner verpassen den Heimsieg im Spitzenspiel gegen Saarbrücken, und die Konkurrenz bleibt hartnäckig dran. Und nun folgen die Wochen der Wahrheit.

Fast eine Stunde lang geht bei den Dresdnern offensiv sehr wenig, auch der laufstarke Angreifer Christoph Daferner hat keine Torchance und ist enttäuscht.
Fast eine Stunde lang geht bei den Dresdnern offensiv sehr wenig, auch der laufstarke Angreifer Christoph Daferner hat keine Torchance und ist enttäuscht. ©  dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Es ist nur ein Nebensatz, aber Markus Kauczinski erwähnt, was dieses scheinbar unbefriedigende Unentschieden am Ende wert sein kann. Dynamo hat einen Konkurrenten um die Aufstiegsplätze in der 3. Fußball-Liga auf Distanz gehalten. „Zu uns“, sagt der Trainer deshalb, „sind es zehn Punkte, das ist schon viel.“ Saarbrücken steht auf Platz vier, also dort, wo die Dresdner auf keinen Fall landen wollen. Die Konstellation ist also weiter komfortabel, aber sie bleibt auch gefährlich.

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„Ich glaube, dass die ersten fünf, sechs Mannschaften ein Wörtchen mitreden werden bis zum Schluss“, meint Kauczinski, denn: „Eine Serie von fünf, sechs Spielen kann noch mal was auf den Kopf stellen.“ Dynamo hat seine Serie ausgebaut, ist seit nun sieben Spielen ungeschlagen. Allerdings sollte sie anhalten, denn nun stehen die Wochen der Wahrheit an mit den nächsten direkten Duellen gegen die Mitbewerber SV Wehen Wiesbaden am Mittwoch, bei 1860 München am 22. März und nach der Länderspielpause am Ostersonntag gegen Hansa Rostock.

„Die nächsten Aufgaben werden nicht leichter“, betont Kauczinski, denkt dabei aber nicht nur an die Top-Teams. „Die anderen Mannschaften spielen gegen den Abstieg, da wird auch mit dem Messer zwischen den Zähnen gekämpft.“ Es lässt sich also auf einen einfachen Nenner bringen: Wer eine Liga rauf will, darf sich keine längere Schwächephase erlauben.

Dynamo dreht erst nach dem 0:1 richtig auf

Die der Dresdner dauert gegen Saarbrücken 58 Minuten, denn bis zum 0:1, das Manuel Zeitz per Kopf nach einem Eckball von Ex-Dynamo Tobias Jänicke erzielt, ist von der zuletzt so starken Offensive kaum etwas zu sehen, ein einziger Abschluss vor der Pause durch Philipp Hosiner nicht der Rede wert. „Wir haben erst nach dem Gegentreffer aufgedreht, was wir schon vorher hätten machen sollen“, räumt Jonathan Meier ein. Er hat die letzte von drei sehr guten Chancen, die sich die Schwarz-Gelben in der Schlussphase herausspielen. Sein Schuss wird zur Ecke geblockt wie zuvor der Versuch von Julius Kade, den Kopfball von Tim Knipping pariert FCS-Torwart Daniel Batz überragend.

Pascal Sohm jubelt nach seinem Treffer zum 1:1. Nach dem Ausgleich hat Dynamo gute Chancen, es bleibt aber beim Unentschieden gegen Saarbrücken.
Pascal Sohm jubelt nach seinem Treffer zum 1:1. Nach dem Ausgleich hat Dynamo gute Chancen, es bleibt aber beim Unentschieden gegen Saarbrücken. ©  dpa/Robert Michael

„Damit kann man hadern, aber es geht nun mal nicht jeder Ball rein“, meint Kauczinski. So bleibt es an diesem Samstagnachmittag bei dem einen Treffer, mit dem Pascal Sohm nur vier Minuten nach dem Rückstand ausgleicht. Dynamo zeigt damit nicht nur die Widerstandsfähigkeit, Rückschläge wegzustecken, sondern auch die fußballerische Klasse. Nach dem Zuspiel von Kevin Ehlers setzt sich Ransford-Yeboah Königsdörffer im Dribbling durch, und nach seiner Eingabe muss der Torschütze „den Ball einfach nur über die Linie drücken“, wie Sohm es beschreibt.

Danach habe man „brutal nach vorne gespielt mit offenem Visier“. Die Frage, warum nicht schon eher, mag sich aufdrängen, aber sie lässt sich leicht beantworten. Saarbrücken hatte bis dato 47 Tore erzielt, viele davon nach Kontern. „Wir mussten auf diese Umschaltsituationen gefasst sein, sind deshalb nicht volles Risiko gegangen“, erklärt Kauczinski, sagt aber auch: „Trotzdem hätten wir mutiger sein können.“ So aber verpasst Dynamo den Sieg im Spitzenspiel.

Die richtige Mischung zu finden, darauf wird es ankommen, um die Spitzenposition in den verbleibenden elf Spielen zu verteidigen. So eng wie in dieser Saison war es beim Aufstieg 2016 jedenfalls nicht, damals hatte Dynamo nach 27 Spielen nur zwei Punkte mehr als jetzt geholt, aber die Konkurrenz abreißen lassen: Erzgebirge Aue lag auf Platz zwei bereits zehn Zähler zurück, der Tabellenvierte sogar 16.

Ex-Dynamo Kutschke schießt Ingolstadt zum Sieg

Diesmal bleiben die Verfolger hartnäckig dran: Ingolstadt hat sich von der 0:4-Klatsche in Dresden gut erholt, dank der zwei Tore von Ex-Dynamo Stefan Kutschke gegen Wiesbaden gewonnen und den Rückstand auf zwei Punkte verkürzt. Hansa Rostock kann mit einem Sieg bei Türkgücü München am Montagabend sogar auf einen Zähler heranrücken, hat dann aber ein Spiel mehr absolviert. „Es bleibt spannend bis zum Schluss, oben gibt sich kaum einer eine Blöße“, meint Sohm. „Wir müssen die nächsten Spiele so angehen, als wären es Endspiele, weil es Endspiele werden gegen die direkten Konkurrenten.“ Vor allem die Teams ab Platz vier sollten sie nicht näher an sich herankommen lassen, auch Platz drei und damit die Relegation gegen den Drittletzten der zweiten Liga sollte besser vermieden werden.

„Das ist alles keine Selbstverständlichkeit“, mahnt Kauczinski, „das ist hart erarbeitet. Wir müssen ans Limit kommen. Wenn uns das nicht gelingt, wird es schwer.“ Und auch Sohm ist sich bewusst: „Wir müssen wieder an unsere 100 Prozent kommen“, aber: „Wir sind keine Maschinen, sondern auch bloß Menschen.“

Doch muss man sich tatsächlich Sorgen machen und einen Einbruch von Dynamo fürchten? Die Stimmung war nach dem 1:1 gegen die zweite Mannschaft von Bayern München vor gut zwei Wochen ähnlich, es folgten die klaren Siege im Spitzenspiel gegen Ingolstadt und in Meppen.

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„Nach einem Unentschieden ist man nicht euphorisch“, sagt Heinz Mörschel, aber der Mittelfeldspieler meint auch: „Das ist kein Beinbruch. Ein Punkt, Saarbrücken auf Distanz gehalten. Weiter geht’s!“ Und das eben schon am Mittwochabend im nächsten Top-Spiel gegen Wiesbaden.

So lief das Spiel gegen Saarbrücken - der Liveticker zum Nachlesen.

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