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Warum Dixie Dörner für Dynamos Tradition steht

Er ist der Rekordhalter als Spieler und Kapitän, sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat. Zum Spiel gegen Halle wird die Vereinslegende besonders gewürdigt.

Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner hat Dynamo als Spieler geprägt und auch in schwierigen Zeiten nie mit dem Verein gebrochen. Jetzt wird er besonders geehrt.
Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner hat Dynamo als Spieler geprägt und auch in schwierigen Zeiten nie mit dem Verein gebrochen. Jetzt wird er besonders geehrt. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Ein Dokumentarfilm über ihn und ein Stück Sportgeschichte, eine Sonderbriefmarke und eine Kollektion von Fanartikeln mit seinem Bild, die limitierte Gold-Version der „Dixie-Dörner-Münze“ in sieben Minuten ausverkauft: Hans-Jürgen Dörner ist stolz, derart gewürdigt zu werden, auch wenn er weit davon entfernt ist, so etwas wie einen Personenkult zuzulassen. „70 Jahre Dixie Dörner“ lautete das Motto der Themenwoche bei Dynamo, und der Geehrte gibt zu: „Natürlich erinnert mich das an mein Alter, aber die 70 steht nun mal.“

Im Januar hat er den runden Geburtstag im familiären Kreis gefeiert, der Verein und seine Fans hätten gerne eine große Party veranstaltet. Daraus wird nichts, aber immerhin kann der offizielle Festakt nun nachgeholt werden. Der war eigentlich zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg geplant, das wegen der beiden Corona-Fälle im Team verschoben werden musste. Nach Quarantäne und Einzeltraining darf das Team von Cheftrainer Markus Kauczinski wieder zusammen trainieren und am Samstag gegen den Halleschen FC spielen.

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Mit vollem Einsatz wie hier gegen Zwickau mit Roland Stemmler (am Boden) in einem Punktspiel 1979 und fußballerischer Klasse: So haben die Fans „Dixie“ Dörner als Spieler in bester Erinnerung.
Mit vollem Einsatz wie hier gegen Zwickau mit Roland Stemmler (am Boden) in einem Punktspiel 1979 und fußballerischer Klasse: So haben die Fans „Dixie“ Dörner als Spieler in bester Erinnerung. © Frank Kruczynski

Vor dem Anpfiff wird es „feierlich“, wie es Dynamo per Pressemitteilung angekündigt hatte. Eines bedauert Dörner vorab. „Es ist schade, dass keine Zuschauer dabei sein dürfen.“ Er nimmt die persönliche Auszeichnung stellvertretend für die bislang erfolgreichste Generation in der seit Montag voriger Woche 68-jährigen Geschichte der Sportgemeinschaft. „Mit diesem Traditionstag werden die 1970er- und 1980er-Jahre angesprochen, in dieser Zeit waren auch andere Spieler prägend, die Dynamo die Erfolge verschafft haben.“ Er ist einer von derzeit acht Ehrenspielführern.

Nur Häfner spielte genauso oft im Europapokal

Trotzdem ist Dörner eine Symbolfigur für den „Dresdner Kreisel“, mit dem die Schwarz-Gelben die Konkurrenten in der DDR oft schwindlig gespielt, in seiner Zeit je fünf Meistertitel und Pokalsiege errungen sowie im Europacup für manche Überraschung gesorgt haben. „Wir waren eine spielerisch starke Mannschaft, darauf hat uns Trainer Walter Fritzsch getrimmt. Er hatte auch die Spielertypen dafür.“ Eben solche Fußball-Feingeister wie ihn, der als Libero von hinten heraus das Kombinationsspiel eröffnete und sich mit nach vorn einschaltete. 101 Tore sind für einen, der ausputzen soll, eine herausragende Bilanz.

Mit Schlips, Krawatte und Blumenstrauß: Dynamos Olympiasieger von 1976 Dresden Hartmut Schade, Reinhard Häfner, Hans-Jürgen Dörner, Gert Heidler, Dieter Riedel, und Gerd Weber (v. l.).
Mit Schlips, Krawatte und Blumenstrauß: Dynamos Olympiasieger von 1976 Dresden Hartmut Schade, Reinhard Häfner, Hans-Jürgen Dörner, Gert Heidler, Dieter Riedel, und Gerd Weber (v. l.). © Archivfoto: SZ

„Dixie“ ist Rekordspieler der SGD: 867 Spiele, davon 396 als Kapitän, 65 Europapokal-Einsätze hat außer ihm nur noch der 2016 verstorbene Reinhard Häfner. Trotz seiner beeindruckenden Karriere, in der Dörner mit dem Olympiasieg 1976 und 100 Länderspielen auch in der DDR-Nationalelf erfolgreich war, ist ein Wunsch offengeblieben. „Mir wäre es schon lieb gewesen, wenn ich als Spieler mit Dynamo international mal einen Schritt weitergekommen wäre.“

Im Europapokal war spätestens im Viertelfinale Schluss, an solche Niederlagen wie bei Rapid Wien 1985 (0:5 nach 3:0 im Hinspiel) und in Uerdingen ein Jahr später (3:7 nach 2:0 zu Hause und 3:1-Pausenführung) erinnert er sich ungern. An einem Traditionstag dürfen solche dunklen Kapitel ausgeblendet werden, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass man sich auch der glanzvollen Vergangenheit bei Dynamo nicht jederzeit so bewusst gewesen ist.

Zu Beginn der 1990er-Jahre zählten die Idole der DDR-Zeit plötzlich wenig im Verein. „Es sind Leute nach Dresden gekommen, die mit Tradition nichts am Hut hatten und haben uns außen vor gelassen“, sagt Dörner und meint vor allem den damaligen Präsidenten Rolf-Jürgen Otto und dessen hessische Mitbringsel. Dabei soll Dörner damals öfter bei Dynamo im Gespräch gewesen sein, zumindest berichteten das die Zeitungen. „Ich wurde mal als Präsident, mal als Trainer gehandelt“, erinnert er sich. „Aber man hat den Namen Dörner nur vorgeschoben. Wenn es hätte konkret darum gehen müssen, einen Vertrag zu machen, ist es im Sande verlaufen.“

Idole zählten im Verein plötzlich nicht mehr

Erst mit dem Absturz in den Amateurfußball zur Jahrtausendwende besinnen sich Verantwortliche im Verein auf die „alten Herren“, sind sie als Ehrengäste wieder willkommen. Dörner hatte nie gebrochen mit dem Verein, zu dem er 1967 aus Görlitz gekommen war. „Natürlich habe ich mich über die Ignoranz geärgert“, gibt er zu, aber: „Ich habe bei Dynamo fast 20 Jahre aktiv Fußball gespielt, bin auch danach Mitglied geblieben. Diese Verbindung bleibt – unabhängig von gerade handelnden Personen. Ich war immer daran interessiert, dass es für Dresden nach oben geht.“

Zwei Ehrenspielführer fachsimpeln auf der Tribüne: Hans-Jürgen "Dixie" Dörner (l.) und Ulf Kirsten.
Zwei Ehrenspielführer fachsimpeln auf der Tribüne: Hans-Jürgen "Dixie" Dörner (l.) und Ulf Kirsten. © Robert Michael

Seit 2011 ist er wieder eingebunden, zunächst als sportlicher Berater, ab November 2013 im Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium rückt meist dann in den Fokus, wenn es sportlich kriselt. So war das auch nach der 0:2-Niederlage in Unterhaching, Dynamos bislang letztem Spiel in der 3. Liga. Man habe sich mit dem Sportgeschäftsführer Ralf Becker ausgetauscht, bestätigte Dörner unmittelbar danach, es gebe jedoch kein Ultimatum an den Trainer, auch wenn eine Falschmeldung im Umlauf war. „Wir sind überzeugt, dass es Markus Kauczinski wieder auf den richtigen Weg bringt.“

Allerdings sind er und das Team dabei ausgebremst worden durch die positiven Corona-Tests von Ransford-Yeboah Königsdörffer und Pascal Sohm sowie die daraus resultierende Quarantäne: drei Tage nur Kraftübungen zu Hause, seit Montag Einzeltraining, lediglich ein Mannschaftstraining am Freitag, 11 Uhr, vor dem Ost-Duell gegen Halle. Das sei nicht optimal, erklärt Sportchef Becker, es gelte jetzt aber, „diese Nebengeräusche vollkommen auszublenden und den Blick voller Optimismus nach vorne zu richten“.

Dixie fordert mehr Tiefe und mehr Tempo

Das sieht Dörner genauso. Es sei wichtig, schnellstmöglich zu spielen. „Dafür muss man ein gewisses Risiko eingehen, da man nicht weiß, wo man steht. Aber die Mannschaft wird sich reinkämpfen.“ An seiner Erwartungshaltung ändert die Zwangspause jedenfalls nichts. Legende „Dixie“ fordert: mehr Tiefe, mehr Tempo, mehr Entschlossenheit. Seine Analyse: „Wir haben Stürmer, die Tore machen können, haben sie aber zuletzt nicht mehr in den Strafraum bekommen, also dorthin, wo sie gefährlich werden können, sondern drumherum gespielt.“

Dynamos Ehrenspielführer Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner präsentiert die Sonderbriefmarke, mit der er zum 68. Vereinsgeburtstag gewürdigt wird.
Dynamos Ehrenspielführer Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner präsentiert die Sonderbriefmarke, mit der er zum 68. Vereinsgeburtstag gewürdigt wird. © SGD/Dennis Hetzschold

Die Spieler müssten sich wieder mehr zutrauen, auch wenn sie die Tabellenführung an Rostock verloren haben und von Ingolstadt auf Platz drei verdrängt worden sind. „Das war doch abzusehen, wenn man selbst tatenlos zuschauen muss, während die anderen spielen“, sagt Dörner. „An der Ausgangslage hat sich nichts geändert: Dynamo hat es weiter in der eigenen Hand.“

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Ein Sieg gegen Halle wäre das passende Zeichen, erst recht an einem Traditionstag zu Dixie Dörner.

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