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Dynamo: Versteckspiel um Wunschspieler Traoré

Die Verhandlungen mit Dynamos möglichem Neuzugang ziehen sich. Der Trainer wird langsam ungeduldig - und äußert sich zum Boykott der Ultras.

Kommt er oder kommt er nicht zu Dynamo? Beim Auswärtsspiel am Sonntag gegen den FC St. Pauli ist Ibrahima Traoré auf jeden Fall nicht dabei.
Kommt er oder kommt er nicht zu Dynamo? Beim Auswärtsspiel am Sonntag gegen den FC St. Pauli ist Ibrahima Traoré auf jeden Fall nicht dabei. © Fotostand

Natürlich wird Alexander Schmidt zum Sonntagsgegner befragt, dem Tabellenzweiten FC St. Pauli. Auch zu dessen Stürmer Simon Makienok, der vergangenes Jahr eine halbe Saison in Dresden war, soll er sich äußern. Und über die Einsatzchancen des lange verletzten Kevin Ehlers. Was man eben so wissen will vor einem Zweitliga-Duell.

Eine andere Frage wurde Dynamos Trainer in den vergangenen Tagen schon öfter gestellt, auch am Freitag kommt er um die nicht herum. Schmidt antwortet freundlich und bleibt sich seiner Linie treu, auf Floskeln weitgehend zu verzichten. Doch wenn man genau hinhört, ahnt man, dass ihn das Thema zunehmend nervt: die mögliche Verpflichtung von Ibrahima Traoré. Vergangene Woche war der Ex-Gladbacher einige Tage zum Probetraining in Dresden, seitdem wird mit dem 33-Jährigen verhandelt. Und Schmidt allmählich ungeduldig.

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Dass er aus rein sportlicher Sicht sein Okay gegeben hat, wiederholt der Trainer. Und auch, dass es in allen Bereichen passen müsse, betont er erneut. Im Bereich Finanzen passt es offensichtlich nicht. Oder noch nicht. „Wir dürfen unser Gehaltsgefüge nicht total sprengen“, warnt Schmidt. „Da müssen wir bestimmte Maßstäbe einhalten.“ Auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, gestaltet sich offenbar schwieriger als gedacht. Einerseits ist Traoré in einem – für Fußball-Profis – fortgeschrittenen Alter, andererseits hat er die vergangenen 14 Jahre in der Bundesliga verbracht. Und da gewöhnt man sich an ein gewisses Gehaltsniveau. Abstriche muss der Offensivspieler bei einem Zweitliga-Aufsteiger natürlich akzeptieren, doch wie hoch dürfen die für ihn ausfallen?

Am Dienstag war er beim Test gegen den Bischofswerdaer FV nicht dabei und auch nicht bei den Einheiten in dieser Woche. „Er arbeitet zwar mit einem Privattrainer zusammen, das kann aber niemals ein Mannschaftstraining ersetzen“, erklärt Schmidt. „Deshalb tut uns jede Einheit, die er nicht mitmacht, weh. Wenn, dann brauche ich ihn jetzt sofort und nicht in drei oder vier Wochen.“ Dann nämlich könnte Brandon Borrello allmählich zurückkommen, der sich gleich zwei Knochen im Fuß gebrochen hatte und der Dynamo-Offensive ebenso fehlt wie Panagiotis Vlachodimos nach dessen Kreuzbandriss.

Am Sonntag beim FC St. Pauli also wird Traoré auf jeden Fall nicht spielen, womöglich – was immer wahrscheinlicher wird – wechselt er gar nicht zu Dynamo. Für Ehlers kommt ein Einsatz wohl noch zu früh, die Verletzung am Hüftbeuger „zieht sich und ist hartnäckig“, wie Schmidt erklärt. „Die blockiert ihn immer mal wieder.“ Endgültige Entwarnung konnte offenbar auch nach einem Kontroll-MRT am Mittwoch nicht gegeben werden.

Schmidt: Wir spüren genau, wenn die Ultras fehlen

Es sind nicht die einzigen ungünstigen Vorzeichen beim Gastspiel am Hamburger Kiez. Die Dynamo-Ultras rufen zum Boykott der Partie auf, weil St. Pauli lediglich Geimpften oder Genesenen den Zutritt erlaubt, also auf die 2G-Regelung setzt. Dynamo dagegen will weiter an 3G festhalten, dadurch haben auch Getestete die Möglichkeit, ins Stadion zu kommen. Lediglich 300 Dynamo-Anhänger werden deshalb am Sonntag bei St. Pauli erwartet.

Dynamo-Trainer Alexander Schmidt fordert eine schnelle und einheitliche Lösung bei der Fanrückkehr in die Stadien.
Dynamo-Trainer Alexander Schmidt fordert eine schnelle und einheitliche Lösung bei der Fanrückkehr in die Stadien. © dpa-Zentralbild

Es sei wichtig, dass die Fans im Stadion sind, betont Schmidt: „Und das ist keine Floskel. Wir haben genau gespürt, als in Rostock die Ultras nicht da waren, und spüren genau, wenn der K-Block bei uns in Dresden nicht voll ist.“ Das könnte aber zu einer Art Dauerzustand werden, wenn immer mehr Zweitligisten auf 2G setzen, um die Ränge wieder komplett füllen zu können, Dynamo aber an 3G festhält und damit nur die Hälfte der Kapazität nutzen darf. „Es wäre für uns ganz bitter, wenn nicht bald eine Lösung gefunden würde“, so Schmidt.

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Verteidiger Robin Becker freut sich trotzdem auf die Stimmung am Millerntor. „Das ist eine Kultstätte. Wenn man da reinkommt, riecht es nach Bier und Bratwurst. Und die Pauli-Fans sind dafür bekannt, dass sie richtig gute Stimmung machen.“ Womöglich bekommt die Schmidt in Sachen Traoré auch noch – irgendwann.

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