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Das ist die große Gefahr bei Dynamos Spielstil

Alexander Schmidt setzt auf hohe Intensität – auch im Training. Aber steigt dadurch auch das Risiko für Verletzungen? Was der Chefcoach dazu sagt.

Bei Dynamo geht es auch im Training zur Sache wie in diesem Zweikampf zwischen Christoph Daferner (unten) und dem derzeit verletzten Brandon Borrello.
Bei Dynamo geht es auch im Training zur Sache wie in diesem Zweikampf zwischen Christoph Daferner (unten) und dem derzeit verletzten Brandon Borrello. © Lutz Hentschel

Dresden. Dynamo liegt auf Platz drei. In der Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga genauso wie in der Statistik nach Laufleistung. Das ist kein Zufall, sondern die Strategie von Alexander Schmidt. Der Trainer will, dass seine Mannschaft aktiv ist, den Gegner früh attackiert, zielstrebig nach vorn spielt. Ballgeschiebe in der letzten Reihe oder träger Spielaufbau im Mittelfeld sind dem 52-Jährigen ein Gräuel.

Auf diese hohe Intensität richtet er seine Arbeit aus. „Wir gehen jedes Training an, als wenn es ein Punktspiel wäre, mit der gleichen Konzentration“, sagt Schmidt – und meint auch die gleiche Intensität. Das Risiko ist einkalkuliert. Patrick Wiegers mit Kreuzbandriss in der Vorsaison, Luca Herrmann (Stauchung im Knie), Brandon Borrello (Mittelfußbruch) und zuletzt Sebastian Mai mit einer glücklicherweise leichten Knieprellung haben sich im Training verletzt.

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„Natürlich birgt das eine Gefahr“, räumt der Chefcoach ein, sieht aber in den konkreten Fällen keinen direkten Zusammenhang. „Die Spieler waren nicht müde. Bei Mai ist es zum Beispiel in einer mittleren Belastung passiert. Er hat mit seinem Knie jedoch schon öfter Probleme gehabt.“ Mai musste nur kurz aussetzen, konnte gegen Paderborn spielen.

"Dann hätten wir nicht so viele Punkte"

Der von ihm favorisierte Spielstil sei körperlich zweifellos anspruchsvoll, weil die Spieler immer an die Grenze gehen müssen. „Andererseits“, sagt Schmidt, wenn man sich für etwas anderes entscheidet, hätten wir nicht so viele Punkte.“ Gemeinsam mit Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Kaderplaner Kristian Walter hat er die Mannschaft so zusammengestellt, dass sie die Anforderungen erfüllt, wie die statistischen Daten bisher belegen.

591,96 Kilometer sind die Dresdner als Team in den bislang fünf Spielen gerannt, nur der Hamburger SV (595,32) und Heidenheim (593,19), wo Dynamo an diesem Sonntag spielt, waren mehr unterwegs.

Au Backe? Dynamos Chefcoach Alexander Schmidt führt die Verletzungen, die bisher im Training passiert sind, auf unglückliche Situationen zurück.
Au Backe? Dynamos Chefcoach Alexander Schmidt führt die Verletzungen, die bisher im Training passiert sind, auf unglückliche Situationen zurück. © Lutz Hentschel

„Die Gesamtleistung ist wichtig, aber im heutigen Fußball nicht mehr so entscheidend“, erklärt Schmidt. Der Fußball sei dynamischer geworden, es komme darauf an, wie oft man sprinten kann und wie schnell man sich erholt. „Als Basis braucht man dafür aber weiterhin eine gute Grundlagenausdauer, sonst wird man sich beim schnellen Laufen verletzen.“

Damit sind nicht die Aktionen gemeint, die im Spiel passieren können wie bei Tim Knipping im Ost-Duell in Rostock oder im Training wie bei Borrello, der einen Tritt auf den Fuß bekommen hat. „Das war alles sehr unglücklich“, sagt der Chefcoach. „Wenn in jedem Training eine Muskelverletzung passieren würde, müssten wir uns hinterfragen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir nach der ersten Woche in der Vorbereitung noch eine hatten.“

Damals hatten sich mit Mai, Patrick Weihrauch, Agyemang Diawusie und Kevin Ehlers gleich vier Spieler Muskelfaserrisse zugezogen. Schmidt räumte danach ein, den ersten Testpartner mit der zweiten Mannschaft von Hertha BSC vielleicht zu stark gewählt zu haben, allerdings habe zum Beispiel Ehlers seine Probleme unterschätzt und zunächst weitergespielt, bevor er doch ausgewechselt werden musste. Nach dem offenbar komplizierten Muskelfaserriss im Hüftbeuger ist Ehlers noch im Aufbautraining, sein Comeback unsicher.

Längere Verletzungen tun der Mannschaft weh

Insgesamt aber ist die Krankenakte bei Dynamo im normalen Bereich, auch wenn die schweren Fälle von Knipping, Borrello und Weihrauch, der sich erneut am verletzten Sprunggelenk operieren und Narbengewebe entfernen lassen musste, zweifellos besonders wehtun. Verletzungen im Zweikampf lassen sich nicht ausschließen, das Risiko von Ermüdungsfolgen aber minimieren durch die Trainingssteuerung. „Ich sorge für eine andere Energiebereitstellung, wenn ich näher ans Spiel angepasst trainiere“, sagt Schmidt.

Christoph Daferner (r.), der hier mit Panagiotis Vlachodimos jubelt, ist nicht nur Dynamos bester Scorer mit drei Treffern und einer Vorlage. Der Stürmer hat die meisten Kilometer aller Zweitliga-Profis zurückgelegt.
Christoph Daferner (r.), der hier mit Panagiotis Vlachodimos jubelt, ist nicht nur Dynamos bester Scorer mit drei Treffern und einer Vorlage. Der Stürmer hat die meisten Kilometer aller Zweitliga-Profis zurückgelegt. ©  dpa/Robert Michael

Es gehe eben nicht darum, einen Marathon zu laufen, sondern mit hoher Geschwindigkeit über kürzere Distanzen. „Natürlich sind 90 Prozent Grundlagenausdauer, aber wenn ich nur die trainiere, würde ich mich im Spiel schwertun, wenn ich 80-mal sprinten muss.“ Er setzt auf Spielformen, die länger dauern, baut für die Sprintfähigkeit kurze, explosive Übungen mit hoher Intensität ein.

Die Spieler, meint der Trainer, machen das nicht widerwillig, sondern sind von dem Stil überzeugt. Für Morris Schröter war der sogar ein ausschlaggebendes Argument, sich im Frühjahr für Dynamo zu entscheiden. Nach zwei guten Jahren in Zwickau hatte der 26 Jahre alte Außenbahnspieler mehrere Angebote, aber „das ist für mich und meine Fähigkeiten das, wobei ich mich am besten präsentieren und meine Stärken einbringen kann“, sagt er. „Ich habe das Glück, schon immer viel und schnell laufen zu können.“

Die nötigen Körner, wie er sagt, habe sich die Mannschaft in der Vorbereitung geholt. „Man sieht Woche für Woche an den Laufleistungen, dass wir im Sommer anständig gearbeitet haben.“ In dieser Kategorie waren die Dresdner selbst beim 0:3 gegen Paderborn besser mit 115,88 zu 115,09 Kilometern. Ein Dynamo führt sogar die Liste der aktivsten Zweitliga-Spieler an. Christoph Daferner ist in 426 Minuten 60,63 Kilometer gerannt, also rund 12,5 pro Spiel. Schröter bringt es auf 11,28.

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„Wir haben im Trainingszentrum genug Möglichkeiten, um gut zu regenerieren“, sagt er. Auch das ist eine wichtige Voraussetzung, um dauerhaft intensiv und laufstark spielen zu können, ohne das Risiko für Ausfälle zu erhöhen, stattdessen die Chance, weiter erfolgreich zu sein. „Wir wissen, dass wir in dieser Liga immer an unser Limit gehen müssen“, meint Sportchef Becker. „Das betrifft außer der mannschaftlichen Geschlossenheit auch die läuferischen, spielerischen und kämpferischen Elemente.“ Das gilt immer und erst recht fürs nächste Spiel beim 1. FC Heidenheim, dem Tabellenzweiten nach der Laufleistung.

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