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Fällt Dynamos Spiel am Montag in München aus?

Der nächste Gegner kämpft um die Existenz: Türkgücü macht in der Corona-Krise hohe Verluste, der Investor zieht sich zurück. Fragen an den Geschäftsführer.

Max Kothny steht als Geschäftsführer von Türkgücü München vor der Herausforderung, einen Investor zu ersetzen.
Max Kothny steht als Geschäftsführer von Türkgücü München vor der Herausforderung, einen Investor zu ersetzen. © Bildagentur kolbert-press

Dresden/München. Heftiger könnten die Turbulenzen bei Dynamos nächstem Gegner kaum sein. Türkgücü München kämpft nach dem angekündigten Rückzug von Investor Hasan Kivran um seine Existenz, muss bis Mitte Januar beim DFB einen Liqididätsnachweis erbringen. Max Kothny, mit 24 Jahren der jüngste Geschäftsführer im deutschen Profi-Fußball, erklärt im exklusiven Gespräch mit Sächsische.de am Telefon, wie bedrohlich die Situation ist.

Herr Kothny, was ist dran an den Meldungen, wonach das Spiel von Dynamo bei Türkgücü in München am Montag vor der Absage steht?

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Davon, dass dieses Spiel auf der Kippe steht, sind wir ganz weit entfernt. Wir sind dabei, die Bedingungen zu schaffen, um den Spielbetrieb für die gesamte Saison aufrechtzuerhalten. Ob die Mannschaft dieselben Gesichter haben wird, ist eine andere Frage. Es wird Abgänge geben, denn wir müssen schauen, dass wir Kosten einsparen.

Investor und Präsident Hasan Kivran hat seinen Rückzug angekündigt. Wie ist der aktuelle Stand?

Er ist noch immer 89-prozentiger Anteilseigner der Türkgücü München Fußball GmbH, auch nach wie vor Präsident des Vereins. Insofern ist er genauso involviert wie in den vergangenen Jahren. Dennoch hat er angekündigt, seine Anteile verkaufen zu wollen. Darüber führen wir Gespräche mit Interessenten und sind auf einem guten Weg, für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.

Sie gehen also davon aus, dass die GmbH mit einem anderen Anteilseigner weitergeführt werden kann?

Das ist nur eine Möglichkeit, ich kann aber sagen: Die Türkgücü München Fußball GmbH wird nach jetzigem Stand weiter existieren.

Sehen Sie die Zukunft weiter im Profi-Fußball oder ist das - angesichts der Verluste durch die Corona-Krise - ein zu teures Unterfangen?

Die GmbH gibt es, damit wir im Profi-Fußball spielen können - und das wird auch weiterhin unser Bestreben sein.

Laut Informationen des Kicker betrug das Minus in der Vorsaison 1,9 Millionen Euro, in dieser wird es sich auf mehr als vier Millionen summieren. Wie sind diese Zahlen auszugleichen?

Ich werde die Zahlen offiziell nicht kommentieren, aber sie gehen in diese Richtung. Deshalb ist es für uns extrem wichtig, in der Nachlizenzierung dem DFB zu beweisen, dass wir die Liquidität bis zum Ende der Saison sichern können. Das beschäftigt uns, daran arbeiten wir täglich. Dass sich die Situation im Vergleich zur Abgabe der ersten Lizenz-Unterlagen im März durch Corona extrem verschlechtert hat, ist auch klar, zumal wir als Aufsteiger in die 3. Liga quasi null von den Corona-Hilfen für den Profisport partizipieren. Das ist natürlich doppelt ärgerlich.

Leere Ränge auch bei Türkgücü München - nun verkauft der Verein Geistertickets für das Spiel gegen Dynamo Dresden am Montag.
Leere Ränge auch bei Türkgücü München - nun verkauft der Verein Geistertickets für das Spiel gegen Dynamo Dresden am Montag. © Fotostand

Es geht um die bis zu 800.000 Euro Zuschuss für ausgefallene Zuschauer-Einnahmen. Wieso wird der an Aufsteiger nicht gezahlt?

Doch, prinzipiell wird er gezahlt, aber das Problem ist: Der Referenzwert der Zuschauer-Ausfälle wird aus der Vorsaison genommen. Da haben wir in einem Stadion für 2.500 Mann gespielt in der Regionalliga Bayern, deren Attraktivität überschaubar ist. Die Zahl, die wir dort hatten (in den zwölf Spielen mit Publikum im Durchschnitt 461 Besucher/d. Red), und die, die wir vorsichtig für die Lizenz kalkuliert hatten, liegen weit auseinander. Aber das ist für Bundesinnenministerium nicht relevant, sie versuchen, uns mit niedrigen Beträgen abzuspeisen, damit wir ruhig sind. Deshalb sind wir mit den anderen Aufsteigern im Gespräch, wie wir eine Verbesserung erreichen können, nachdem unser Widerspruch abgelehnt wurde.

Mit wie vielen Zuschauern hatten Sie für die 3. Liga kalkuliert?

Wir haben mit 4.000 Zuschauern kalkuliert, was - auch gemessen an Aufsteigern in der Vergangenheit - realistisch wäre.

Türkgücü muss nun beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zum 21. Januar einen Liquditätsnachweis erbringen. Was bedeutet das konkret?

Damit sind wir nicht alleine. Ich habe gerade gelesen, dass der FSV Zwickau knapp zwei Millionen Euro nachweisen muss. Wir bewegen uns in einer ähnlichen Dimension. Der DFB möchte, dass der Spielbetrieb gesichert ist. Normalerweise muss im wirtschaftlichen Zulassungsverfahren für die 3. Liga die gesamte Saison finanziell gesichert sein, falls nicht, muss man eine Bankbürgschaft in entsprechender Höhe hinterlegen. Diese Überprüfung gab es wegen Corona diesmal in dieser Form nicht, weshalb es jetzt eine Zwischenprüfung gibt. Dabei werden Kosten und Erträge aufgerechnet, die Differenz kann man durch Einsparungen, Hilfsgelder, Darlehen, Kapitalerhöhungen ausgleichen. Wir sind gerade dabei, diese Auflage bis zum 21. Januar zu erfüllen.

Wird Türkgücü diese erfüllen?

Wenn ich etwas anderes sagen würde, bräuchten wir am Montag nicht zu spielen. Ich bin mir sicher, dass wir sie erfüllen werden.

Inwieweit trägt die Geisterticket-Aktion dazu bei?

Sie ist ein Hoffnungsschimmer und zeigt mir, dass Türkgücü München bundesweit Fans anspricht, auch wenn manche, die durch den Aufstieg in die 3. Liga dazugekommen sind, noch nicht ein einziges Spiel von uns besuchen konnten. Man spürt diese Solidarität, die ist für uns ein Lichtblick.

Die aktive Fanszene von Dynamo hat ihren Vorschlag, auch für Gästefans solche virtuellen Karten anzubieten, zurückgewiesen und die Aktion boykottiert. Sie haben das Angebot daraufhin gestoppt. Waren Sie überrascht von der Reaktion aus Dresden?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich kann die Reaktion teilweise nachvollziehen, allerdings haben wir durchaus einige Tickets an Dresdner verkauft. Die Ablehnung durch den K-Block hat also doch nicht alle überzeugt. Ich denke, sie haben sich bewusst dafür entschieden.

Hasan Kivran hält bisher 89 Prozent an der Fußball-GmbH von Türkgücü München, will diese aber verkaufen.
Hasan Kivran hält bisher 89 Prozent an der Fußball-GmbH von Türkgücü München, will diese aber verkaufen. © Foto: Bildagentur Kolbert-Press

Welchen sportlichen Wert hat das Spiel oder rückt das in den Hintergrund?

Nein, wir sind immer noch eine Fußball-Mannschaft. Das Gute ist, ich stehe nicht auf dem Platz. Ich könnte bestimmt nicht befreit aufspielen, aber die Trainer und Spieler können sich auf ihre sportlichen Aufgaben konzentrieren. So ein Duell zum Jahresauftakt gegen den Spitzenreiter ist für uns ein Highlight, wenn man bedenkt, dass wir vor vier Jahren noch in der sechsten Liga gespielt haben.

Kann denn die Mannschaft befreit aufspielen, wenn Spieler abgegeben werden sollen?

Ich habe der Mannschaft beim ersten Training im neuen Jahr gesagt, dass ich mich um das Thema kümmere, damit es für unseren Verein weitergeht. Wir waren finanziell nie im Rückstand, haben immer pünktlich gezahlt, waren immer zuverlässig. Und wir setzen alles daran, dass es so weitergeht. In meinen Gesprächen mit den Spielern hatte ich auch den Eindruck, dass der Fokus klar auf der Partie am Montag gegen Dynamo Dresden liegt. Vertragsgespräche gibt es in jeder normalen Wechselperiode auch. Es geht darum, den Kader zu verschlanken und den Spielern, die nicht so zum Zuge gekommen sind, die Möglichkeit zu geben, sich bei einem anderen Verein besser zu entfalten.

Also geht es nicht darum, Leistungsträger abzugeben, um Transfererlöse zu erzielen?

Es ist uns wichtig, dass wir weiterhin sportlich erfolgreich sind, also eher den Kader nach hinten ausdünnen, um Kosten zu sparen. Wenn allerdings für einen bisherigen Leistungsträger ein Angebot kommt, das man nicht ausschlagen kann, würden wir uns in der jetzigen Situation sicher dafür entscheiden - wie andere Vereine in der 3. Liga angesichts der wirtschaftlichen Lage auch.

Das Spiel gegen Dynamo ist eine Premiere und wäre sicher ein Zuschauer-Magnet. Wie bedauerlich ist es, dass es nun wegen der Pandemie vor leeren Rängen im Stadion an der Grünwalder Straße ausgetragen werden muss?

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Das ist sehr bedauerlich, aber ehrlich, das sage ich zu jeder Partie in der 3. Liga. Es ist seit der Vereinsgründung 1975 die erste Saison im Profi-Fußball und wir starten vor einer Geisterkulisse. Den Spielern fehlt die Untersützung, die Atmosphäre, die den Fußball ausmacht, und dem Verein das Geld in der Kasse. Das ist ärgerlich. Deshalb sind wir umso mehr erfreut, welche positive Resonanz die Geisterticket-Aktion bei unseren Fans findet. Aber, noch mal, ein Spiel gegen Dynamo Dresden mit Zuschauern - wir kennen das Fanpotenzial auch in München und Umgebung - wäre sicher ein Höhepunkt im Grünwalder Stadion geworden.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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