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Wie sächsisch ist Dynamos Kader eigentlich noch?

Nur fünf der 31 Profis kommen aus Sachsen - so wenig wie lange nicht. Dynamos zwei Vogtländer sprechen über Heimat und Identifikation.

Zwei Dynamo-Vogtländer: Jonas Kühn und Chris Löwe (r.), die beide auch die gleiche Position spielen.
Zwei Dynamo-Vogtländer: Jonas Kühn und Chris Löwe (r.), die beide auch die gleiche Position spielen. © Lutz Hentschel

Dresden. Dynamo ist Dresden, Dresden ist Dynamo. Seit 2017 steht dieser Satz im Leitbild des Fußball-Zweitligisten, das Identität, Werte und Ziele des Vereins klar definiert. Die Verbindung zur Stadt ist nahe liegend. Dynamo wurde in der Schauburg gegründet. Etwa 29 Prozent der rund 23.400 Mitglieder wohnen in Dresden, etwa 29 Prozent in Sachsen. Und wie sieht es bei den Spielern aus, wie viele Dynamos-Profis sind eigentlich in der Region aufgewachsen?

Derzeit gibt es bei Dynamo einen gebürtigen Dresdner. Sebastian Mai wurde im SGD-Nachwuchs ausgebildet, spielte dann in Chemnitz, Zwickau, Münster und Halle, bevor er vor einem Jahr in seine Heimatstadt zurückkehrte – und seinen Heimatverein als Kapitän zurück in die zweite Liga führte. „Dresden ist einfach unfassbar schön“, sagte er damals.

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Gebürtige Sachsen gibt es vier weitere. Die Ersatzspieler Max Kulke und Simon Gollnack kommen aus der Oberlausitz. Kulke ist in Görlitz geboren, Gollnack in Weißwasser. Und Chris Löwe sowie Jonas Kühn stammen beide aus Plauen. Das war es mit den gebürtigen Sachsen bei Dynamo – fünf von insgesamt 31 Profis. Doch spielt die Herkunft überhaupt eine Rolle?

Für Jonas Kühn, der vor einem halben Jahr seinen ersten Profivertrag bei Dynamo unterschrieb, war klar, dass die erste Profistation in der Nähe der vogtländischen Heimat liegen muss. Dennoch sei die Herkunft für die Identifikation nebensächlich. „Heimat ist für mich Plauen und die Umgebung. Ich habe aber einen Bezug zu Dresden und spiele gern hier“, meint Kühn.

Der zweite Vogtländer im Team sieht es ebenso. Die Beziehung zur Heimat ist Chris Löwe wichtig. „Jeder weiß, dass ich zu meiner Heimat stehe, aber auf den Fußball bezogen interessiert es eigentlich nicht“, erklärt der Außenverteidiger, dem im Gegensatz zu Kühn die vogtländischen Wurzeln am Dialekt anzuhören sind. Löwe wohnt in Chemnitz, pendelt jeden Tag mit dem Auto zum Training nach Dresden.

Nicht mal ein Fünftel der Mannschaft stammt also aus Sachsen – eine Zahl, die in der Vergangenheit größer war. In der Zweitliga-Saison 2011/12 lag die Quote bei rund 26 Prozent. In der Mannschaft waren mit Ausnahme von Benjamin Kirsten (Riesa) und Robert Koch (Löbau) die gebürtigen Sachsen aber auch eher Ergänzungsspieler, zum Beispiel Lars Jungnickel (Dohna) und Maik Kegel (Dresden). Zudem spielten einige Talente im Team, die erst später von sich reden machen sollten wie die gebürtigen Dresdner Toni Leistner und Marcel Franke.

Am höchsten war die Quote an gebürtigen Sachsen im Zweitliga-Jahr 2004/05. Es war die erste Saison der Vereinsgeschichte in der 2. Bundesliga. Damals kamen von 27 Spielern acht aus dem Freistaat – rund 30 Prozent. Vor allem die Leistungsträger Volker Oppitz, René Beuchel und Christian Fröhlich identifizierten sich als gebürtige Dresdner voll mit dem Verein. Selbst der Trainer kam aus Sachsen. Geboren wurde Christoph Franke in Mülsen St. Jacob, einer Gemeinde in der Nähe von Zwickau.

In der Zweitliga-Saison 2004/05 kamen 30 Prozent der Spieler aus Sachsen - wie René Beuchel (l.) und Christian Fröhlich.
In der Zweitliga-Saison 2004/05 kamen 30 Prozent der Spieler aus Sachsen - wie René Beuchel (l.) und Christian Fröhlich. © Robert Michael

Chris Löwe ist sich sicher, dass die Herkunft keine so große Rolle spielt. „Ich denke, dass ich eine Identifikation mit Dynamo habe, die nicht alltäglich ist. Genauso hat auch Knipser (Tim Knipping, Anm. d. Red.), der aus dem Westen kommt, eine große Identifikation mit dem Verein.“ Und er nennt das Beispiel seines Namensvetters. „Natürlich wirst du nicht so viele finden wie zum Beispiel Leo (Justin Löwe, Anm. d. Red.), der die Identifikation mit der Flasche aufgenommen hat. Das ist ein ganz extremes Beispiel. Kevin Großkreutz in Dortmund wäre ein anderes.“

Dabei kommt Justin Löwe nicht mal aus Sachsen – aber aus der Nachbarschaft. Er ist im brandenburgischen Lauchhammer, rund 60 Kilometer nördlich von Dresden und traditionell eine Dynamo-Fan-Hochburg, geboren. Mit sieben Jahren begann er bei Glückauf Brieske/Senftenberg mit dem Fußballspielen, ehe er 2010 zum Dynamo-Nachwuchs wechselte. Derzeit pausiert er wieder wegen einer Schulterverletzung.

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Bis heute hält er dem Verein, mit Ausnahme einer halbjährigen Leihe zu Oberlausitz Neugersdorf, die Treue. „Es spielt keine Rolle, wo du herkommst. Es geht um die Einstellung zu deiner Arbeit und zum Verein grundsätzlich“, sagt Chris Löwe. Auch für ihn steht fest: Dynamo ist eben doch mehr als nur Dresden.

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