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Wie ein Dresdner zum FC Bayern kommt

Lars Lukas Mai verlässt mit 14 Jahren seine Heimatstadt Dresden - jetzt redet er über den damals schweren Abschied und seinen Bruder, den Dynamo-Kapitän.

Der Dresdner Lars Lukas Mai wechselte mit 14 Jahren von Dynamo zum FC Bayern, jetzt spielt er für Darmstadt - und bald gegen seinen Bruder.
Der Dresdner Lars Lukas Mai wechselte mit 14 Jahren von Dynamo zum FC Bayern, jetzt spielt er für Darmstadt - und bald gegen seinen Bruder. © Fotostand

Dresden/Braunschweig. Es ist das Angebot, das man einfach nicht ablehnen kann. Trotzdem sagt Lars Lukas Mai nicht sofort zu. Er ist erst 14 Jahre alt und will eigentlich gar nicht weg aus Dresden. "Ich bin ein Familienmensch und wollte ungern meine Heimat verlassen", meint Mai, und er betont: "Aber wenn Bayern München anklopft, überlegst du es dir gut, ob du diese Chance ausschlägst."

Gemeinsam mit meinen Eltern, so erzählt er es im Interview mit DFB.de, entscheidet er sich für den Wechsel aus dem Nachwuchs von Dynamo Dresden in die Talenteschule des deutschen Rekordmeisters. "Diese Chance bekommst du nur einmal, und wenn du sie nicht nutzt, denkst du im Nachhinein womöglich oft darüber nach. Ich habe den Schritt gemacht und bereue ihn nicht", sagt Mai.

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Beim FC Bayern gilt er als Abwehrtalent, bestreitet schon als 18-Jähriger im April 2018 seine ersten beiden Bundesliga-Spiele. Außerdem trainiert er täglich bei den Profis, spielt jedoch bei der zweiten Mannschaft, mit der er 2019 den Aufstieg in die 3. Liga schafft und 2020 auf Anhieb die Meisterschaft gewinnt. "Ich konnte davon profitieren, unter der Woche mit Weltstars trainieren zu dürfen, die mir vorgemacht haben, wie die Dinge richtig laufen. Und dann habe ich versucht, es am Wochenende bei der U23 entsprechend umsetzen. Wenn es geklappt hat, war es optimal. Wenn nicht, musste ich weiter daran arbeiten", erzählt Mai in dem Gespräch.

Dem älteren Bruder beim Training zugeschaut

Trainer Hansi Flick und seine Assistenten hätten sich zudem "gut um mich und die anderen jungen Spieler gekümmert. Sie haben versucht, mir jeden Tag etwas Neues mit an die Hand zu geben, womit ich mich verbessern kann." Er sei persönlich sehr gereift. "Und fußballerisch ist Bayern Weltspitze, das hat sich auch während meiner Ausbildung bemerkbar gemacht."

Allerdings ist es schwierig, sich beim Triple-Sieger direkt einen Stammplatz zu erkämpfen. Deshalb geht Lukas Mai nun einen anderen Weg, ist in dieser Saison an den Zweitligisten Darmstadt 98 ausgeliehen. Wie er setzen auch die Bayern darauf, dass der Abwehrspieler durch Spielpraxis den nächsten Schritt in seiner Entwicklung macht. Deshalb haben sie den Vertrag mit ihm im Zuge der Leihe vorzeitig um ein Jahr bis zum 30. Juni 2023 verlängert.

Beim Zweitligisten Darmstadt will Mai den nächsten Schritt machen - und irgendwann in der Bundesliga spielen. Das ist sein Ziel.
Beim Zweitligisten Darmstadt will Mai den nächsten Schritt machen - und irgendwann in der Bundesliga spielen. Das ist sein Ziel. © nordphoto

Das Los beschert Lukas Mai  nun vor Weihnachten mit Darmstadt im DFB-Pokal  ein Duell mit seinem sechs Jahre älteren Bruder Sebastian, der seit Sommer wieder für Dynamo spielt. "Durch meine Eltern und durch ihn bin ich zum Fußball gekommen. Sie haben ihn damals im Verein angemeldet, dann habe ich ihm als kleiner Junge beim Training zugeschaut und mich inspirieren lassen", erzählt Lukas Mai im DFB-Gespräch. "Als wir später beide in der Dresdner Jugend gespielt haben, er natürlich einige Jahrgänge höher, habe ich zu ihm aufgeschaut. Seinen Trainingseifer konnte ich mir definitiv als Vorbild nehmen. Neben seinem absoluten Siegeswillen ist er immer lautstark und führt seine Mannschaft sehr gut."

Sebastian traut seinem jüngeren Bruder in der Karriere noch viel zu, wie er im Interview mit Sächsische.de sagt: "Ich denke, er hat alle Voraussetzungen, noch einiges zu erreichen, wenn er vom Kopf her klar bleibt. Das wird er." In der vorigen Saison haben sie zweimal gegeneinander gespielt und Lukas mit Bayern II beide Male gegen Sebastian und den Halleschen FC gewonnen. 

Jedes Spiel gewinnen - auch im Garten gegen den Bruder

Er würde gerne nachziehen, gibt der Dynamo-Kapitän zu. "Aber es kommt nicht auf unsere private Bilanz an, sondern ich will mit Dynamo in die nächste Runde kommen. Das allein zählt, es ist kein Spiel Mai gegen Mai, sondern Dresden gegen Darmstadt."

Lukas Mai hat jedenfalls das Bayern-Gen verinnerlicht, wie er sagt. "Ich glaube schon, dass ich das ,Mia san Mia' in mir trage, weil ich jedes Spiel gewinnen will - sei es im Garten gegen meinen Bruder, im Training beim Verein oder in den Spielen mit der Nationalmannschaft."

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