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Kein Platz mehr für Dynamos Kapitän?

Ohne Sebastian Mai haben die Dresdner dreimal in Folge gewonnen und zweimal zu Null gespielt. Jetzt hat er aber seine Sperre abgesessen. Was der Trainer dazu sagt.

In Zwickau saß Sebastian Mai genau wie der an der Schulter verletzte Yannick Stark (links) auf der Tribüne. Kehrt der Kapitän in die Startelf zurück?
In Zwickau saß Sebastian Mai genau wie der an der Schulter verletzte Yannick Stark (links) auf der Tribüne. Kehrt der Kapitän in die Startelf zurück? © PICTURE POINT

Dresden. In diesem Fall kennt der Trainer kein Mitgefühl. „Was er denkt und fühlt, spielt keine Rolle“, sagt Markus Kauczinski. Dabei ist es für seinen Kapitän Sebastian Mai wirklich dumm gelaufen. Wenn nicht zwischendrin zwei Spiele abgesagt worden wären, hätte er gegen seinen Ex-Verein wieder spielen können. So aber musste sich Mai Dynamos 2:0-Sieg beim FSV Zwickau von der Tribüne aus anschauen. Es war das dritte und damit letzte Mal wegen seiner Sperre nach der Roten Karte.

Die hatte der 26 Jahre alte Dresdner vor einem Monat bei der selbst verschuldeten Niederlage in Mannheim kassiert, und zwar „völlig zu recht“, wie Kauczinski meint: „Strafe muss nun mal sein.“ Es war eine unnötige Aktion, die der Schiedsrichter als Nachschlagen wertete. Das Sportgericht erkannte mildernde Umstände, weil Mai zuvor vom Gegenspieler provoziert worden war. „Wir haben alle die Hoffnung, dass er daraus lernt“, sagt der Chefcoach, der nun fürs am Mittwochabend nachzuholende Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München wieder auf den Heißsporn zählen kann.

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„Darüber bin ich froh“, betont Kauczinski, denn natürlich setzt er grundsätzlich auf Mai. Schließlich hat er ihn zu Saisonbeginn zum Kapitän bestimmt – auch wegen seiner Emotionalität und einem natürlichen Führungsanspruch. Andererseits wurde er als Innenverteidiger mindestens gut vertreten, man könnte sogar behaupten: nicht wirklich vermisst. Ohne Mai hat Dynamo dreimal gewonnen, dabei zweimal zu null gespielt. In Zwickau ließ die Defensive lediglich eine Großchance zu.

Der Trainer hebt zwar das mannschaftliche Konzept hervor: „Unsere Mittelfeldspieler haben die meisten zweiten Bälle gewonnen, unsere Stürmer unheimlich nach hinten gearbeitet.“ Aber als letzte Reihe steht die Dreierkette mit Kevin Ehlers, Tim Knipping und Leroy Kwadwo felsenfest, vor allem Winter-Neuzugang Kwadwo erweist sich als ein Gewinn. Mit dem 24-Jährigen, der von den Würzburger Kickers kam, hat Dynamo nicht nur einen Eins-zu-Eins-Ersatz für den verletzten Chris Löwe geholt, sondern sich taktisch variabler aufgestellt.

"Im Konkurrenzkampf Leuten Beine machen"

Kwadwo kann im Abwehrverbund innen vor allem seine Robustheit und Zweikampfstärke ausspielen, über außen seine Schnelligkeit als der Sprinter bei Dynamo. Er sei „ein physisch starker Verteidiger, der im Konkurrenzkampf Leuten Beine machen kann“, ordnet ihn Kauczinski ein. Mit dieser Aussage schon vor der Mai-Sperre hat der Trainer vermutlich eben nicht nur Jonathan Meier gemeint, der auf der linken Seite verteidigt.

Dynamo Dresden Sebastian Mai Foto: dpa/Robert Michael
Dynamo Dresden Sebastian Mai Foto: dpa/Robert Michael © dpa/Robert Michael

Der breite Kader bietet Kauczinski die Alternativen, die er braucht, um auf Ausfälle reagieren zu können. Dabei trifft es Dynamo mit Verletzungen derzeit so hart, wie es selbst der erfahrene Chefcoach noch nicht erlebt hat. „Es gab immer mal eine Grippewelle, es kam eine Verletzung dazu oder es gab Sperren. Das waren mal ein, zwei Wochen, in denen sich das geknubbelt hat, dann hatte man aber wieder 27 Spieler da stehen“, erzählt er. Jetzt ist es anders, fallen fünf Stammkräfte über Monate aus. „In dem Maße, dass es so extrem ist mit so schweren unterschiedlichen Verletzungen, hatte ich das noch nicht.“

Er habe deshalb das Gefühl, zum zweiten oder dritten Mal von vorne anzufangen. „Erst haben wir den Bruch selber gemacht aus taktischen Gründen, jetzt kam der Bruch mit den Verletzungen.“ Nach Löwe, Marco Hartmann, Robin Becker (alle Knie) und Patrick Weihrauch (Sprunggelenk) fehlt derzeit auch Yannick Stark, der sich die linke Schulter ausgekugelt hatte und zunächst konservativ behandelt wird. Es war der nächste Rückschlag für Dynamo.

Trotzdem hat Kauczinski nun mit der Mai-Rückkehr ein Luxusproblem, genauer gesagt ein weiteres. „Vorne haben wir das schon“, stellt Kauczinski fest. Philipp Hosiner, mit acht Toren bester Schütze, und Luka Stor, slowenischer U 21-Nationalspieler, saßen in Zwickau auf der Bank. Agyemang Diawusie und Panagiotis Vlachodimus gehörten nicht einmal zu den 18 Kandidaten für einen Einsatz. Mit Niklas Kreuzer nennt der Trainer einen weiteren Härtefall, wobei der bei ihm eher vermieden werden soll.

Nach seinem Blitz-Comeback beim 3:1 gegen Lübeck bekam der Rückkehrer eine Pause. „Wir gucken, dass wir niemanden verheizen“, erklärte Kauczinski – und nannte auch den zweiten Grund, nämlich dass Ransford-Yeboah Königsdörffer vorher auf rechts gute Spiele absolviert hatte: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir einen engen Konkurrenzkampf haben.“

"Viele schwere und entscheidende Spiele"

Das gilt nun auch für den Kapitän, ohne den Dynamo vor Weihnachten auch dreimal in Folge gewonnen, aber zum Jahresstart 2021 bei Türkgücü München 0:1 verloren hatte. Nach auskuriertem Innenbandriss im Knie kehrte Mai dann gegen Kaiserslautern (4:3) in die Startelf zurück. Es sei „extrem wichtig“, dass er wiederkommt, betont Kauczinski auch jetzt. „Wir haben viele englische Wochen, viele schwere und entscheidende Spiele vor uns. Deshalb ist es einfach gut, dass wieder frische Kräfte kommen.“

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Der reuige Rot-Sünder Mai kann es jedenfalls kaum erwarten, seine Kommandos wieder auf dem Platz und nicht mehr nur von der Tribüne geben zu können. „Ich scharre mit den Füßen“, sagte er am Rande des Spieles in Zwickau. Kauczinski bleibt in Personalfragen lieber allgemein. „Die Jungs machen es einem schwer, egal ob hinten oder vorne. Darüber bin ich froh.“

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