SZ + Dynamo
Merken

Das Tor-Comeback von Dynamos Sorgenkind

Ransford-Yeboah Königsdörffer erzielt bei Dynamos Sieg gegen Karlsruhe nach langer Flaute zwei Treffer. Ein Spieler muss länger in Quarantäne bleiben als gedacht.

Von Daniel Klein & Jens Maßlich
 5 Min.
Teilen
Folgen
So erzielt Ransford-Yeboah Königsdörffer das erste seiner beiden Tore.
So erzielt Ransford-Yeboah Königsdörffer das erste seiner beiden Tore. © dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Dresden. Der Weihnachtsgruß an die ausgesperrten Fans beim letzten Heimspiel des Jahres endete mit einem Mutmacher. „Haltet durch“ stand in großen Buchstaben auf dem Banner, das Dynamos Spieler und Trainer in Richtung des verwaisten K-Blocks hielten. Ein Mutmacher ganz anderer Art waren die 90 Minuten zuvor. Durch den 3:1-Sieg gegen den Karlsruher SC verschafften sich die Dresdner Luft, in der Tabelle kletterte der Aufsteiger auf Platz zwölf, fünf Punkte Abstand sind es auf den Relegationsplatz und Erzgebirge Aue, dem letzten Hinrunden-Gegner in einer Woche.

Es war ein Spiel mit zwei Gesichtern, einer ereignisarmen und langweiligen ersten Hälfte und einer turbulenten zweiten, drei Tore fielen da innerhalb von acht Minuten. Zwei erzielte Ransford-Yeboah Königsdörffer. Wenn man so will, ist sein Gesicht das dritte in dieser Partie. Bis zum 16. Spieltag musste er auf diesen Moment warten. „Der Knoten ist bei ihm endlich geplatzt“, sagte Trainer Alexander Schmidt, der dabei fast so erleichtert wirkte wie der Schütze selbst. Augenzwinkernd kündigte der 53-Jährige weitere Erfolgserlebnisse an: „Im nächsten Spiel macht er dann drei Tore.“ Also im Derby gegen Aue.

Am Sonntag sah es zunächst nicht danach aus, dass auch nur ein mageres Törchen fallen könnte, die lähmende Atmosphäre auf den Rängen schien sich auf den Rasen zu übertragen. Beide Teams neutralisierten sich, Chancen gab es kaum. Die erste von KSC-Torjäger Philipp Hofmann nach zwei Minuten blieb lange die einzige. Sein Schuss verfehlte das Tor, beim Versuch von Fabian Schleusener (17.) musste sich Dynamo-Schlussmann Kevin Broll zumindest mal strecken. Dynamo war noch harmloser, erst kurz vor dem Pausenpfiff köpfte Michael Akoto den Ball Karlsruhes Keeper in die Arme. Wirklich gefährlich war auch das nicht. Es mangelte an Risiko, Konsequenz, Zielstrebigkeit.

Womöglich hatte Schmidt genau das in der Kabine abgesprochen. Unmittelbar nach der Pause lief es ganz anders, wurden Angriffe mal bis zu Ende gespielt – unter freundlicher Mithilfe des Gegners. „Das war überall nur noch Begleitschutz“, monierte KSC-Trainer Christian Eichner.

Seinen ersten Treffer leitete Königsdörffer selbst ein und setzte sich im Strafraum dann gegen zwei Karlsruher durch. „Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich ein paar Haken geschlagen habe und dann frei vorm Tor stand“, erklärte er. Es war nicht nur sein erster Saisontreffer, sondern auch sein erster „in der zweiten Liga“, wie er stolz betonte. „Ich bin überglücklich, dass es endlich geklappt hat und ich der Mannschaft helfen konnte.“

Beim Warten aufs Erfolgserlebnis hatte sich der Shootingstar der vergangenen Saison selbst unter Druck gesetzt. Der 20-Jährige lief seiner Form über weite Strecken der Hinrunde hinterher, Lockerheit und Frechheit, vor allem aber das Tempo waren ihm abhanden gekommen. Er sagte sogar eine Einladung der U20-Auswahl ab, um in Dresden trainieren zu können. Schon in den vergangenen Wochen zeigte die Formkurve wieder nach oben. „Es hatte sich angedeutet, er war zuletzt schon nah dran“, erklärte Schmidt.

Am Sonntag belohnte sich Königsdörffer gleich doppelt. Nur zwei Minuten nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich – Schleusener hatte nach einem Freistoß die Unordnung in der Dynamo-Defensive zum 1:1 genutzt – traf er ein zweites Mal. Einen Eckball verlängerte der Ex-Dresdner Philip Heise unfreiwillig, Königsdörffer musste nur noch einnicken. „Das hatten wir so mit Scholle trainiert“, verriet der Schütze und meinte Schmidts Assistenten Heiko Scholz. Bei den Übungseinheiten war aber sicher Yannick Stark für die Kopfballverlängerungen zuständig.

Mit einem Banner bedankte sich die Mannschaft nach dem Spiel von den abwesenden Fans.
Mit einem Banner bedankte sich die Mannschaft nach dem Spiel von den abwesenden Fans. © dpa-Zentralbild

Fast hätte es sogar mit einem Dreierpack geklappt. Doch vor dem vermeintlichen 4:1 stand Paul Will im Abseits. Kurz vor dem Ende lief Königsdörffer dann völlig allein aufs Tor zu, scheiterte am KSC-Keeper. Es wäre des Guten vielleicht auch zu viel gewesen. „Das erste Tor war wie eine Befreiung für ihn, das hat man gemerkt“, fand der Trainer, der sich bestätigt fühlte, immer am großen Talent festgehalten zu haben. „Wir haben niemals an ihm gezweifelt, weil wir seine Qualitäten kennen. Wir wussten, was er kann. Man darf auch nicht vergessen: Er ist erst 20.“

Für das schönste Tor des Nachmittages sorgte jedoch Christoph Daferner (69.). Aus 20 Metern zielte er ins untere Eck. So sehr sich Marius Gersbeck auch streckte, er kam nicht heran. Für Daferner war es bereits der achte Zweitligatreffer in dieser Saison, damit führt er die vereinsinterne Torjägerliste mit großem Abstand an. Auf Platz drei liegt hinter Heinz Mörschel nun bereits Königsdörffer.

Mit dem 3:1 war die Partie auch entschieden, zumal Karlsruhe die letzte halbe Stunde mit neun Feldspielern auskommen musste. Kyoung-Rok Choi sah nach einem Foul an Akoto Gelb-Rot. Dynamos Innenverteidiger verpasste kurz danach sein erstes Saisontor nur um Zentimeter. Sein Schuss klatschte an den Pfosten.

Dass Akoto überhaupt auf dem Platz stand, lag auch daran, dass Kevin Ehlers im Kader fehlte. Dabei hatte Schmidt noch am Freitag erklärt, dass sich der Abwehrspieler nach seiner Corona-Quarantäne freigetestet hatte. Das stimmte jedoch nicht. „Das Ergebnis vom PCR-Test lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Da Kevin symptomfrei ist, dachte ich, dass es negativ sein würde. Doch es war positiv, wir müssen also 14 Tage auf ihn warten.“

Der Gruß auf dem Banner passte auch zu dieser Situation.

Der Liveticker vom Heimsieg zum Nachlesen