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Dynamos Nullnummer sollte eine Warnung sein

Wieder keine Niederlage, wieder kein Gegentor und nun auch noch Tabellenführer. Das 0:0 zeigt aber auch, dass es schnell anders laufen kann.

Marco Hartmann rauft sich die Haare. Die Leistung der Mannschaft, sagt er, war nicht gut.
Marco Hartmann rauft sich die Haare. Die Leistung der Mannschaft, sagt er, war nicht gut. © dpa/Robert Michael

Dresden. Vielleicht hätte er es nicht aussprechen sollen. Auf der anderen Seite kann man seine Vorhersage nun unter hellseherische Fähigkeit einordnen – und bewundern. Einen Tag vor der vor allem spielerisch dürftigen Nullnummer gegen den KFC Uerdingen soll Markus Kauczinski bei der Pressekonferenz die Erfolgsformel erklären, also warum seine Mannschaft nach zuvor schwankenden Leistungen und Ergebnissen zuletzt vier Spiele in Folge gewinnen konnte. Und das überzeugend.

Dynamos Trainer holt weit aus, erklärt die Hintergründe seiner System-Umstellung auf eine Dreier-Abwehrkette und die Doppelspitze, um dann – verbal – den warnenden Zeigefinger zu heben. „Ich weiß, dass es vielleicht in drei Wochen wieder anders sein kann und Dinge bestraft werden“, sagt er und meint damit wohl auch, dass sich die Gegner auf die taktische Veränderung einstellen und passende Antworten finden werden.

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Seit Samstagnachmittag weiß Kauczinski, dass er mit seiner Prognose nur in einem Punkt falsch lag. Es dauerte keine drei Wochen, sondern nur einen Tag. Uerdingen zeigte 90 Minuten lang, wie man den Dresdner Kombinationsfußball wirkungsvoll entschärfen kann. „Sie haben uns das Leben schwer gemacht, uns wenig Raum gegeben und körperlich betont gespielt“, erklärte Kauczinski. Das reichte schon.

Erstaunlich ist das vor allem, weil die Krefelder nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzen. Fünf Leistungsträger fehlen derzeit verletzt, von den letzten sechs Spielen haben sie nur eins gewonnen, und Trainer Stefan Krämer deutete nach dem 0:0 an, wie unruhig es derzeit hinter den Kulissen zugeht. „Die Bedingungen, unter denen wir die letzten Wochen arbeiten mussten, sind wirklich grenzwertig und haben mit Profifußball nicht wirklich was zu tun“, erklärte er. Schlagzeilen machte der Verein zuletzt vor allem mit ausstehenden Gehaltszahlungen, Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht und dem Rücktritt des langjährigen Geschäftsführers. Ex-Spieler Selim Gündüz, seit dieser Saison beim Halleschen FC – am Samstag Dynamos nächster Gegner – unter Vertrag, warnte: „Ich würde niemandem raten, zum KFC Uerdingen zu wechseln – für kein Geld der Welt.“

Uerdingen hat die schwächste Offensive der Liga

Von all diesen Nebengeräuschen war auf dem stark lädierten Rasen nichts zu sehen. Dass Dynamo nicht mit einer Niederlage für den schwachen Auftritt bestraft wurde, lag einerseits an der eigenen starken Defensive. Und andererseits an der Unbeholfenheit der Krefelder im Abschluss. Elf Tore in 14 Spielen – kein anderer Drittligist ist harmloser. Dass diese Statistik nicht lügt, zeigte sich auch am Samstag.

„Wir haben gesehen, wie viel Energie die Gegner gegen uns aufwenden können und wie viel Gegenwind uns entgegenkommen wird“, meinte Kauczinski, und es klang fast wie eine Warnung. Trotz des über weite Strecken niveauarmen Auftritts kletterte Dynamo an die Tabellenspitze und profitierte auch dabei von den Konkurrenten, die reihenweise patzten. Für Yannick Stark ist das zwar nur „eine schöne Momentaufnahme, die noch relativ uninteressant ist“. Dennoch lauert im erstmaligen Sprung an die Spitze auch die Gefahr, dass in der allgemeinen Zufriedenheit Warnhinweise übersehen werden.

Von denen gab es bei der Nullnummer einige. Dass die Dresdner etwa in der zweiten Halbzeit keinen einzigen Schuss aufs und nicht mal neben das Tor abgegeben haben, sollte nachdenklich stimmen. Oder dass die Standards, bei den schwierigen Platzverhältnissen eigentlich ein lukratives Mittel, alle ungefährlich blieben. Spielerisch sei es etwas dünn gewesen, gab Stark zu, verwies aber gleichzeitig darauf, dass man sich an Tagen wie diesen, an denen es „nicht so läuft, eben auf andere Tugenden verlassen muss. Und wir haben gezeigt, dass wir das können. Wir kämpfen füreinander, können wieder die Null halten und lassen wenig zu. Das ist nicht unbedingt schön anzuschauen, aber dann nimmt man den Punkt eben mal mit.“

Auf die Defensive war gegen Uerdingen Verlass, woran Marco Hartmann erneut einen großen Anteil hatte – bis zur 82. Minute, als er von Schiedsrichter Max Burda mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Als der Unparteiische an der Brusttasche nestelte und der Abwehrchef das Unheil kommen sah, fiel er auf die Knie und vergrub auch sein Gesicht im Rasen. Ob es ein Zeichen der Entrüstung war oder ein Eingeständnis der Schuld, lässt sich nicht klären.

Hartmann findet Gelb-Rot "ziemlich hart"

Er empfand die Entscheidung jedenfalls als „ziemlich hart“. Nur sechs Minuten vorher hatte er nach einem beherzten Einsteigen Gelb gesehen. „Das war ein klares Foul, aber nie im Leben eine Karte“, meinte der Ex-Kapitän. Bei der zweiten Situation ahndete Burda zunächst ein Handspiel von Hartmann. „Gefühlt eine halbe Sekunde nach dem Pfiff schlage ich den Ball weg“, sagte er. In einer ähnlichen Situation hatte der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit einem Uerdinger Gelb gezeigt und blieb seiner Linie treu. Dadurch verpasst Hartmann am Samstag ausgerechnet das Auswärtsspiel bei seinem Ex-Verein, dem HFC.

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Der Platzverweis war der eine Aufreger, der Rasen, nur noch ansatzweise als solcher zu erkennen, der andere. Zehn Tonnen Sand hatten das Grün in ein Gelb verwandelt, doch Kauczinski wollte daraus „kein Thema machen. Es war für alle gleich. Man hat gesehen, dass es nicht einfach war. Trotzdem kann man Situationen besser lösen“, fand er. Um vorauszusagen, das die Platzverhältnisse beim nächsten Heimspiel besser sein werden, braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten. Der Rasen wird ab Dienstag getauscht.

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