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Sport

Leistner und HSV legen Einspruch ein

Nach der Attacke des Dresdners gegen einen Dynamo-Fan sperrt ihn der DFB lange. Sein Anwalt kontert jetzt und spricht von Notwehr.

Bei der Erwärmung fürs Pokalspiel gegen Dynamo noch mittendrin: Toni Leistner. Doch schon die Rückfahrt nach Hamburg bestritt der gebürtige Dresdner isoliert von der Mannschaft.
Bei der Erwärmung fürs Pokalspiel gegen Dynamo noch mittendrin: Toni Leistner. Doch schon die Rückfahrt nach Hamburg bestritt der gebürtige Dresdner isoliert von der Mannschaft. © dpa/Robert Michael

Hamburg/Dresden. Toni Leistner und sein Verein, der Fußball-Zweitligist Hamburger SV, nehmen die Sperre nach der Schubs-Attacke gegen einen Dresdner Fan nicht hin und haben am Montag fristgerecht Einspruch eingelegt. Das bestätigte der HSV. Verhandelt wird am Donnerstag, 13 Uhr, erneut vor dem DFB-Sportgericht.

Von dessen Richtern war Leistner für fünf Pflichtspiele gesperrt worden, zwei davon auf Bewährung. Der 30-Jährige hatte nach dem Pokalspiel in Dresden einen Fan auf der Tribüne attackiert, nachdem dieser ihn heftig beleidigt hatte. 

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"Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen. Natürlich darf es Selbstjustiz nicht geben - dauert aber ein Rechtsbruch gegen jemanden an, braucht sich dies niemand bieten lassen und kann sich angemessen wehren", sagte Leistners Anwalt Christoph Schickhardt. Im Fall Leistner könne man von Notwehr sprechen. "Wenn man die emotionale Gesamtsituation berücksichtigt, habe ich zumindest Verständnis", fügte er hinzu. 

DFB-Richter Hans E. Lorenz verwies darauf, für Leistner wegen der Beleidigungen und der vorherigen Pokalpleite des HSV bereits mildernde Umstände berücksichtigt zu haben. Aber er sagte auch: "Der Übergriff eines Spielers auf einen Zuschauer ist ein gravierender Vorfall. So etwas kann nicht mit einem Freispruch enden." 

Der Konter des Anwalts: Man könne das Urteil so nicht akzeptieren und wolle die Sache in Ruhe mündlich vor Ort besprechen. Schickhardt und Leistner erhoffen sich eine Reduzierung der Sperre.  

In der Vorwoche hatte das DFB-Sportgericht die Strafe bekanntgegeben: drei Pflichtspiele Sperre, zudem zwei weitere Partien auf Bewährung sowie 8.000 Euro Geldbuße. "Wir werten dies als schwerwiegende Sportverfehlung, die Sperre gilt daher auch für den Ligabetrieb und nicht nur den DFB-Pokal", sagte Lorenz. "Wir hatten einerseits zu berücksichtigen, dass es sich beim Angriff auf einen Zuschauer um eine besonders schwerwiegende Verfehlung eines Spielers gehandelt hat, andererseits aber auch die Schwere der vorangegangenen Provokation zu würdigen."

Nach dem Abpfiff kletterte Toni leistner in den Zuschauerbereich und attackierte einen Dynamo-Fan, der ihn zuvor beleidigt hatte.
Nach dem Abpfiff kletterte Toni leistner in den Zuschauerbereich und attackierte einen Dynamo-Fan, der ihn zuvor beleidigt hatte. © Jan Huebner

Für Leistner habe zudem gesprochen, "dass er sportgerichtlich bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist, er sein Fehlverhalten bedauert und aufrichtig um Entschuldigung gebeten hat. Die zusätzliche Geldstrafe ergibt sich aus dem Verstoß gegen das Hygienekonzept, den wir nicht bagatellisieren wollen", sagte Lorenz.  

Damit verpasste der Innenverteidiger nicht nur den Auftakt seines Hamburger SV am  Freitagabend in der 2. Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf, sondern mindestens die nächsten beiden Punktspiele - es sei denn, der Einspruch hat Erfolg. Der Strafrest von zwei Pflichtspielen wird für die Dauer von einem Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Die Frist endet am 18. September 2021, teilte der DFB weiter mit.

Mit seiner Aktion, die deutschlandweit erst für Schlagzeilen und dann für sehr geteilte Meinungen sorgte, verstieß Leistner - so die Begründung - zugleich gegen die im Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) festgeschriebenen Corona-Regeln. Der HSV hat ihn deshalb vom Rest der Mannschaft getrennt - eine Vorsichtsmaßnahme, weil er auf der Tribüne Kontakt zu mehreren Dynamo-Fans hatte. 

Bereits den Rückweg aus Dresden bestritt der 30-Jährige nicht im Mannschaftsbus, und auch beim Training fehlte er. Ein erster Corona-Test ist aber negativ ausgefallen.

An die eigene Nase packen!? Toni Leistner hat sich für seine Attacke öffentlich entschuldigt. Die Strafe vom DFB will er allerdings nicht hinnehmen.
An die eigene Nase packen!? Toni Leistner hat sich für seine Attacke öffentlich entschuldigt. Die Strafe vom DFB will er allerdings nicht hinnehmen. © Lutz Hentschel

Leistner war nach der Partie, die Dynamo furios mit 4:1 gegen den HSV gewonnen hatte, in die Zuschauerränge geklettert. Dort attackierte er einen Dynamo-Fan, der ihn zuvor massiv beleidigte und seine Familie verbal angriff. Noch am Montagabend hatte sich Leistner öffentlich entschuldigt und tags darauf mit dem Fan telefoniert. Die Sache sei damit "aus der Welt", erklärte er.

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Eine interne Geldstrafe vom HSV gibt es dagegen nicht. Er sei "kein Freund" davon, "populistische Geldstrafen auszusprechen", sagte Hamburgs Sportvorstand Jonas Boldt bei Sky Sport News. Vielmehr wolle der Klub "durchdachter handeln" und überlegt, Leistner in soziale Projekte einzubinden, so Boldt. Sinnvoller als eine Geldstrafe zu verhängen sei es, sich gesellschaftlichen Fehlentwicklungen "pro aktiv" entgegenzustellen.

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