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Dynamos Problem mit der Nachwuchsregel

Vier Spieler aus dem Profi-Kader muss der Verein selbst ausgebildet haben. Um die Vorgabe zu erfüllen, beschäftigen die Dresdner derzeit zwei Dauerreservisten.

Justin Löwe (r.) spielt seit elf Jahren bei Dynamo - und am Dienstagabend im Future Team gegen Freital mit Erik Schütze.
Justin Löwe (r.) spielt seit elf Jahren bei Dynamo - und am Dienstagabend im Future Team gegen Freital mit Erik Schütze. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Dresden. Nico Däbritz war fast 40, als Dynamos Co-Trainer in der Saison 2011/12 ein Comeback als Zweitliga-Profi feierte – allerdings nur auf dem Papier. Die Geschichte klingt bizarr, hatte aber einen ernsten Hintergrund: Dynamo konnte die Local-Player-Regel nicht erfüllen. Die besagt, dass mindestens vier Spieler zum Profikader gehören müssen, die im Alter zwischen 15 und 21 drei Jahre oder länger beim Verein waren.

An dieser Vorgabe hat sich bis heute nichts geändert – bis auf eine Kleinigkeit. Der Paragraf 5b der Lizenzordnung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schränkt ein, dass die Local Player „keine weitere Funktion im Bereich der Lizenzspielermannschaft des Clubs ausüben dürfen“. Der jetzige Co-Trainer Heiko Scholz käme also auch deshalb nicht als Notlösung infrage.

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So prekär wie vor zehn Jahren ist die Situation beim Aufsteiger jetzt nicht, komfortabel jedoch auch nicht. Im aktuellen Kader stehen mit Kapitän Sebastian Mai, Kevin Ehlers, Max Kulke und Justin Löwe exakt die vorgeschriebenen vier „lokal ausgebildeten Spieler“, wie sie bei der DFL offiziell heißen.

Auf Löwe passt die Bezeichnung bestens, seit elf Jahren ist er bei den Schwarz-Gelben. Einsätze bei den Profis bekam er bisher allerdings kaum. 2018/19 waren es immerhin vier mit dem Tor gegen Aue als absoluten Höhepunkt. In der Saison darauf kam er auf fünf Minuten, in der vergangenen waren es 43 – allerdings wurde er da anfangs auch von einer Schulterverletzung gestoppt.

Kulke beim 6:1 gegen Freital Torschütze und Kapitän

Im Mai verabschiedete Dynamo den 22-Jährigen mit sieben weiteren Spielern, deren Verträge ausliefen, um wenige Wochen später dann doch mit ihm zu verlängern. „Sowohl auf als auch neben dem Platz ist er ein wichtiger Teil der Mannschaft und ein absoluter Teamplayer. Er lebt Dynamo stets mit Einsatz, Wille und Leidenschaft“, erklärt Chefscout und Kaderplaner Kristian Walter. „Deshalb haben wir ihn bewusst im Kader gehalten.“

Max Kulke (r.) führte Dynamos Future Team als Kapitän gegen den SC Freital mit Michael Heera. Über die Richtung konnten sich beide offenbar nicht einigen. Max Kulke (r.) führte Dynamos Future Team als Kapitän gegen den SC Freital mit Michael Heera. Über d
Max Kulke (r.) führte Dynamos Future Team als Kapitän gegen den SC Freital mit Michael Heera. Über die Richtung konnten sich beide offenbar nicht einigen. Max Kulke (r.) führte Dynamos Future Team als Kapitän gegen den SC Freital mit Michael Heera. Über d ©  dpa/Robert Michael

Kaum anders ist die Situation bei Max Kulke, der seinen vorerst letzten Einsatz bei der DFB-Pokal-Partie gegen Darmstadt 98 im Dezember hatte. In dieser Saison gehörte der 20-Jährige – wie Löwe – erst einmal zum Spieltagskader. „Max spielt seit seinem zwölften Lebensjahr bei Dynamo, bekam 2018 einen Profivertrag. In dieser Zeit hat er eine stetige und positive Entwicklung durchlaufen“, so Walter. „Wir haben ihn im vergangenen Jahr bewusst mit einem weiteren Vertrag bis 2023 ausgestattet, da wir ihn weiterentwickeln und unserem Ausbildungsprinzip gerecht werden möchten.“

Es waren fast ausschließlich Testpartien während der Vorbereitung oder den Länderspielpausen, in denen sich die beiden mal zeigen konnten. Nun hat Dynamo das Future Team reaktiviert, in dem Talente aus der U17 und U19 sowie Reservisten des Profikaders vereint werden, die gegen Vereine aus der Region sechs bis acht Spiele pro Saison bestreiten sollen.

Das erste gewannen die Schwarz-Gelben am Dienstagabend gegen den Landesligisten SC Freital mit 6:1 (4:1). Kulke führte die junge Truppe als Kapitän über 90 Minuten, verwandelte einen an ihm verwirkten Elfmeter zum zwischenzeitlichen 3:0, Löwe gab vor der Pause im defensiven Mittelfeld den Takt an.

Jong-min Seo (oben) setzt sich hier gegen Ex-Dynamo Robin Fluß vom SC Freital durch. Der Südkoreaner macht eine auffällige Partie, überzeugt mit Tempo und Technik.
Jong-min Seo (oben) setzt sich hier gegen Ex-Dynamo Robin Fluß vom SC Freital durch. Der Südkoreaner macht eine auffällige Partie, überzeugt mit Tempo und Technik. ©  dpa/Robert Michael

Außerdem kamen vom Profi-Kader Robin Becker und Antonis Aidonis für 45 Minuten sowie der erst 19 Jahre alte Stürmer Jong-Min Seo über die volle Distanz zum Einsatz. Der Südkoreaner, Neuzugang aus der Jugend von Eintracht Frankfurt, verwandelte als gefoulter Spieler einen Strafstoß sicher und traf einmal die Latte. Die weiteren Tore erzielten vor rund 250 Zuschauern im Sportpark Ostra die Junioren Lucas Ehrlich, Julius Hoffmann, Jonas Oehmichen und Corvin Kossak, für den Landesligisten Freital traf Ex-Dynamo Robin Fluß.

Profivertrag bedeutet mindestens 2.800 Euro monatlich

Die Dresdner hätten die DFL-Vorgabe der Local Player personell auch ganz anders lösen können. Stefan Kiefer, Simon Gollnack, Maximilian Großer und Vasil Kusej erfüllten alle Bedingungen, das Quartett sollte sich in der Sommerpause jedoch andere Vereine suchen.

Möglich wäre auch, Juniorenspielern, die mindestens drei Jahre bei Dynamo sind, einen Profivertrag zu geben. Da gibt es nur einen Haken: Die Talente müssten, das ist so vorgeschrieben, monatlich 2.800 Euro bekommen. Das will sich der Verein offenbar nicht leisten. Oder er möchte das Gehaltsgefüge in der U19 nicht durcheinanderbringen.

Eine Verpflichtung von Toni Leistner, den Trainer Alexander Schmidt gerne als Ersatz für den nach einem Kreuzbandriss lange ausfallenden Tim Knipping holen wollte, hätte – zumindest in diesem Punkt – nicht geholfen. Der Verteidiger war schon 19 Jahre, als er vom SC Borea Dresden zum Stadtnachbarn wechselte. Und Marco Hartmann, der lange um einen Anschlussvertrag gekämpft hatte, war beim Umzug aus Halle schon 25.

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Einen Trumpf hat Dynamo jedoch noch in der Hinterhand: Jonas Kühn. Der Verteidiger ist zwar an den Regionalligisten Großaspach ausgeliehen, wird Dynamo aber trotzdem als Local Player angerechnet, weil bis zu zwei der vier vorgeschriebenen Profis auch ausgeliehen sein können. Insofern: Soll übererfüllt.

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