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Die Analyse zu Dynamos "dreckigem" Sieg

Die Dresdner spielen in Lübeck lange in Überzahl, brauchen beim 1:0 durch Hosiner aber Glück. Die ersten Reaktionen - fünf Fragen und Antworten.

Ryan Malone sieht die Rote Karte von Schiedsrichter Max Burda. Der Lübecker hatte zuvor Dynamos Paul Will mit dem Fuß im Gesicht getroffen.
Ryan Malone sieht die Rote Karte von Schiedsrichter Max Burda. Der Lübecker hatte zuvor Dynamos Paul Will mit dem Fuß im Gesicht getroffen. © nordphoto

Lübeck. Es hat endlich geklappt. Philipp Hosiner erzielt sein erstes Pflichtspiel-Tor für Dynamo Dresden - und es ist gleich das „goldene“. Durch seinen Treffer gewinnen die Dresdner am Samstagnachmittag beim VfB Lübeck mit 1:0 (0:0). Es ist, so schätzt es der Trainer hinterher ein,„ein Arbeitssieg, ein Kampfsieg“ - und Markus Kauczinski weiß: „Am Ende haben wir es mehr über die Zeit gezittert als gespielt.“

Trotzdem - oder gerade deshalb - versammelt er die Mannschaft nach dem Abpfiff im Kreis, um ihr zu sagen, dass er zufrieden ist, wie sie die Herausforderung gemeistert hat. 

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Wie ist der knappe Sieg einzuordnen?

Wer solche Spiele gewinnt, steigt am Ende auf. Könnte man sagen. Aber eben auch, dass Dynamos 1:0-Erfolg beim VfB Lübeck alles andere als souverän ist. Obwohl die Dresdner bereits ab der siebenten Minute in Überzahl spielen, müssen sie am Ende um die knappe Führung bangen. Es ist ein Zittersieg, anders als in der Vorwoche beim gleichen Ergebnis im Ost-Klassiker gegen den 1. FC Magdeburg ließe sich sogar darüber streiten, ob sich die Gastgeber für ihren Kampf sogar einen Punkt verdient gehabt hätten.

Schließlich hat Pascal Steinwender in der 84. Minute die dicke Chance zum Ausgleich, jagt den Ball jedoch übers Tor. Zuvor hatte Torwart Kevin Broll schon einmal gegen den VfB-Stürmer pariert. „Großen Respekt vor der kämpferischen Leistung von Lübeck, davor ziehe ich den Hut“, sagt Kauczinski. 

Wie fiel das Tor und was sagt der Schütze?

„Ich bin froh, dass er sich das Tor aufgehoben hat für den entscheidenden Treffer heute“, sagt Kauczinski über Hosiner. Er hatte dem Stürmer weiter vertraut, obwohl er gegen Magdeburg noch vier Chancen vergeben hatte. „Er steht halt da, wo er stehen muss. Uns war klar, dass er ein Näschen  hat.“

Philipp Hosiner erzielt in der 68. Spielminute seinen ersten Pflichtspieltreffer für Dynamo. Dabei setzt er sich stark gegen Osarenren Okungbowa durch.
Philipp Hosiner erzielt in der 68. Spielminute seinen ersten Pflichtspieltreffer für Dynamo. Dabei setzt er sich stark gegen Osarenren Okungbowa durch. © PICTURE POINT

Hatte Hosiner in der Vorwoche Pech, war das Glück diesmal in der 68. Minute auf seiner Seite. Nach der Eingabe des eingewechselten Christoph Daferner kommt er im Zweikampf mit Lübecks Okungbowa an den Ball, der leicht abgefälscht ins Tor geht. „Ich bin drangeblieben, positiv geblieben und jetzt froh, dass er heute reingerutscht ist“, meint Hosiner. „Das ist ein klassisch erarbeitetes Tor.“

War die Rote Karte korrekt - und wie nutzt sie Dynamo?

VfB-Trainer Martin Landerl setzt „ein dickes Fragezeichen“ dahinter, Kauczinski meint: „Es ist gefährliches Spiel, eine Gelbe Karte, nicht zwingend Rot.“ Die Entscheidung des - insgesamt wenig souveränen - Schiedsrichters Max Burda aus Berlin ist auf jeden Fall hart. Der Fuß von Ryan Malone war ist bei der Aktion deutlich über der Gürtellinie - und damit zu hoch. Allerdings sieht er Paul Will nicht, Absicht ist ihm also keine zu unterstellen. 

„Ich kann nur sagen, dass er mich am Kopf trifft und das ziemlich doll“, schildert Will danach die strittige Szene aus seiner Sicht. „Ich gehe zu Boden und sehe nicht mehr viel.“ Wenn er in Kaiserslautern Gelb-Rot bekommen habe - für ein taktisches Foul und ein unglückliches Handspiel - sei das eben auch Rot. 

Es war die strittige Situation des Spiels: Bei einem Luftzweikampf trifft der Lübecker Ryan Malone den Dresdner Paul Will am Kopf. Schiedsrichter Max Burda zeigte daraufhin die Rote Karte.
Es war die strittige Situation des Spiels: Bei einem Luftzweikampf trifft der Lübecker Ryan Malone den Dresdner Paul Will am Kopf. Schiedsrichter Max Burda zeigte daraufhin die Rote Karte. © PICTURE POINT

Die Proteste der Lübecker sind sicher verständlich, die Rufe gegen den Unparteiischen von der dicht besetzten Tribüne danach jedoch weit unter der Gürtellinie, die Stimmung im Stadion an der Lohmühle extrem aufgeheizt.

Dynamo lässt es dagegen in Überzahl ruhig angehen, das wirkt behäbig, teils sogar lässig. Weil sie sich ohne Ball zu wenig bewegen, fehlt das Tempo im Spiel nach vorn. Als Agyemang Diawusie einmal durch ist, legt er sich den Ball zu weit vor, VfB-Torwart Lukas Raeder schnappt ihn sich (29.). Genauso wie den Lupfer von Philipp Hosiner (34.). Erst Patrick Weihrauch fordert den Schlussmann wirklich heraus, er pariert mit dem Fuß kurz vor der Pause. „In Überzahl haben wir in der ersten Halbzeit nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, sehr umständlich gespielt“, räumt Kauczinski ein.

Die beste Chance hatte sogar der Gastgeber: Steinwender trifft nach einem Konter die Latte (38.).

Wie hat der Trainer aufgestellt - und reagiert?

Kauczinski hatte seine Startelf nach dem 1:0-Sieg im Ost-Duell nur auf einer Position verändert: Der zuletzt gesperrte Tim Knipping rückte wieder in die Innenverteidigung, dafür blieb Kevin Ehlers nur der Platz auf der Bank. Es gebe Argumente für beide, hatte der Trainer vorher erklärt. Es ist gut möglich, dass er in der nun anstehenden englischen Woche mit den Spielen gegen den FSV Zwickau am Dienstag und in Ingolstadt am Samstag auf dieser und anderen Positionen rotiert.

Der Jubel nach dem 1:0: Torschütze Philipp Hosiner (v. - r.), Ransford-Yeboah Königsdörffer, Christoph Daferner und Marvin Stefaniak.
Der Jubel nach dem 1:0: Torschütze Philipp Hosiner (v. - r.), Ransford-Yeboah Königsdörffer, Christoph Daferner und Marvin Stefaniak. © PICTURE POINT

In der 63. Minute kommen Christoph Daferner für Weihrauch und Marvin Stefaniak für Diawusie. Nach Stefaniaks Eingabe kommt Yannick Stark frei zum Schuss - drüber (67.) Es ist Dynamos erster Abschluss in der zweiten Hälfte. Das ist bis dahin einfalls- und harmlos. Kurz darauf bereitet Daferner mit seiner Eingabe von rechts das Siegtor vor.

Wie geht es für Dynamo weiter?

Jetzt steht eine englische Woche an und das nächste Spiel bereits am Dienstagabend. Dann empfangen die Schwarz-Gelben den FSV Zwickau im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion; voraussichtlich vor 999 Zuschauern. Der Kartenvorverkauf soll am Montag beginnen, wegen der sich rasant zuspitzenden Corona-Lage ist das jedoch nicht sicher.

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Fest steht dagegen bereits, dass Dynamo mit einem Sondertrikot aufläuft.  Im Rahmen der FARE-Aktionswochen trägt die Mannschaft bereits im zehnten Jahr in Folge den Schriftzug „Love Dynamo -Hate Racism“ auf der Brust. „Das nachhaltige Engagement für eine weltoffene Gesellschafft und gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung ist bereits seit vielen Jahren fest in unserem Verein verankert“, erklärt Interimsgeschäftsführer Enrico Kabus die Aktion, die von den Sponsoren unterstützt wird.

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