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Dynamos Ankunft im mühevollen Alltag

Nach zwei emotionalen Spielen läuft es gegen Mannheim weniger gut, aber die Dresdner erkämpfen sich einen Punkt - die Analyse mit den Reaktionen.

Der Ball ist drin, auch wenn der Torschütze auf dem Foto fehlt: Marco Hartmann geht auf Nummer sicher, während Philipp Hosiner bereits jubelt. Für Dynamo getroffen hat Christoph Daferner.
Der Ball ist drin, auch wenn der Torschütze auf dem Foto fehlt: Marco Hartmann geht auf Nummer sicher, während Philipp Hosiner bereits jubelt. Für Dynamo getroffen hat Christoph Daferner. ©  dpa/Robert Michael

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Wenn Markus Kauczinski diese Frage nervt, weiß er das gut zu verbergen. Er habe nie etwas anderes gesagt, antwortet Dynamos Trainer unaufgeregt. Aber gut, „wenn es eines Beweises bedurft hat, dann hat man das heute gesehen“. Selbstverständlich wird es kein Selbstläufer in der 3. Liga, wie das mancher in der für Fußball-Dresden typischen Euphorie nach der Pokal-Sensation gegen den Hamburger SV und dem erkämpften Sieg in Kaiserslautern gedacht haben mag. Kauczinski sagt es deshalb noch einmal deutlich: „Wir haben auch nicht die fußballerische Klasse, dass wir durchmarschieren.“

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Das war am Sonntag im Heimspiel gegen Waldhof Mannheim klar zu sehen, aber das eigentliche Problem ein anderes: Es fehlte über weite Strecken dieser Biss, diese extreme Leidenschaft und bedingungslose Entschlossenheit, wie sie die Schwarz-Gelben in den beiden Spielen zuvor gezeigt hatten. Willkommen im Alltag. Dennoch bleibt etwas Positives. Dass sich die Mannschaft wehrt und aufbäumt, wenn es schwierig wird – und sich spät mit dem Ausgleich belohnt.

"Wir können froh sein, dass wir noch 1:1 gespielt haben und einen Punkt mitnehmen“, meint Christoph Daferner – und Dynamos Torschütze räumt ein: „Ein Sieg wäre, glaube ich, unverdient gewesen.“ Sein Treffer ist in jeder Beziehung der Höhepunkt des Spiels, emotional sowieso. Zuvor ist die Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion diesmal eher verhalten, der Funke zündet nicht richtig, was kaum daran liegen dürfte, dass mit 10.035 offiziell 18 Zuschauer weniger da sind als gegen den HSV.

Der Spielfilm in Bildern - hier klicken

Dicht an dicht stehen Dynamos Fans hier, bis zu zehn Personen gelten als Infektionsgemeinschaft. Die Skepsis vor dem Stadion-Besuch in Corona-Zeiten ist aber offenbar hoch. Offiziell sind diesmal „nur“ 10.035 Zuschauer da – kein neuer Rekord. Im Pokal gegen Hamburg waren es 10.053.
Dicht an dicht stehen Dynamos Fans hier, bis zu zehn Personen gelten als Infektionsgemeinschaft. Die Skepsis vor dem Stadion-Besuch in Corona-Zeiten ist aber offenbar hoch. Offiziell sind diesmal „nur“ 10.035 Zuschauer da – kein neuer Rekord. Im Pokal gegen Hamburg waren es 10.053. © dpa/Robert Michael
Die erste Chance hat Mannheim, aber dann kommt Dynamo über Agyemang Diawusie - aber Christoph Daferner verpasst dessen Eingabe um eine Fußspitze.
Die erste Chance hat Mannheim, aber dann kommt Dynamo über Agyemang Diawusie - aber Christoph Daferner verpasst dessen Eingabe um eine Fußspitze. © dpa/Robert Michael
Dann ist es passiert: Dynamos Torwart Kevin Broll ist zwar am Ball, kann das Tor zum 0:1 durch Mannheims Max Christiansen nicht verhindern.
Dann ist es passiert: Dynamos Torwart Kevin Broll ist zwar am Ball, kann das Tor zum 0:1 durch Mannheims Max Christiansen nicht verhindern. © dpa/Robert Michael
Die Partie ist umkämpft, beide Mannschaften haben dominante Phasen. Bei Dynamo kommt nach der Pause Philipp Hosiner als zweite Stürmer, hier fällt er über Mannheims Torwart Jan-Christoph Bartels. Kein Elfmeter.
Die Partie ist umkämpft, beide Mannschaften haben dominante Phasen. Bei Dynamo kommt nach der Pause Philipp Hosiner als zweite Stürmer, hier fällt er über Mannheims Torwart Jan-Christoph Bartels. Kein Elfmeter. © dpa/Robert Michael
Dann klappt es doch noch: Mit feiner Technik und viel Augenmaß lupft Dynamo-Stürmer Christoph Daferner den Ball über Waldhof-Torwart Jan-Christoph Bartels - in der 87. Minute der Ausgleich für die SGD.
Dann klappt es doch noch: Mit feiner Technik und viel Augenmaß lupft Dynamo-Stürmer Christoph Daferner den Ball über Waldhof-Torwart Jan-Christoph Bartels - in der 87. Minute der Ausgleich für die SGD. © dpa/Robert Michael
Abklatschen nach dem späten Treffer: Torschütze Christoph Daferner und Verteidiger Tim Knipping sind erleichtert.
Abklatschen nach dem späten Treffer: Torschütze Christoph Daferner und Verteidiger Tim Knipping sind erleichtert. © dpa/Robert Michael
Beim Jubel verrutscht der Mund-Nasen-Schutz auf den Rängen, Christoph Daferner, Tim Knipping und Ransford-Yeboah Königsdörffer jubeln nach dem Ausgleich.
Beim Jubel verrutscht der Mund-Nasen-Schutz auf den Rängen, Christoph Daferner, Tim Knipping und Ransford-Yeboah Königsdörffer jubeln nach dem Ausgleich. ©  dpa/Robert Michael

Vielmehr tun sich die Gastgeber von Anfang an schwer. Sie können von Glück reden, dass Kevin Broll gegen Arianti Ferati pariert und einen Rückstand bereits in der zweiten Minute verhindert. Allerdings sieht ausgerechnet der Torwart in letzter Instanz beim 0:1 nicht gut aus, wobei zuvor im Mittelfeld von Yannick Stark der Zugriff fehlt und die Innenverteidiger Tim Knipping und Sebastian Mai die entscheidende Lücke lassen für Max Christiansen.

„Nicht fehlerfrei, das gehört dazu“

Nach dessen Schuss hat Broll die Finger am Ball, wehrt ihn aber nicht ab. Dynamos Torhüter mit Kult-Potenzial hatte den Fehler sozusagen vorab eingeräumt, als er bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen seinen Jugendverein Oliver Kahn zitierte: „Wenn der Torwart dran ist, kann er ihn halten.“ Der ist drin. Kein Vorwurf an den Schlussmann, schon gar nicht vom Trainer. „Er hat heute noch andere Bälle gut gehalten und uns schon Spiele gewonnen“, sagt Kauczinski. „Das war eine normale Leistung wie von anderen auch, nicht fehlerfrei, aber auch das gehört dazu.“

Gäste-Trainer Patrick Glöckner kritisiert die Chancenverwertung seiner Mannschaft. „Wenn wir da ein bisschen brutaler sind, können wir einen Haken dran machen“, sagt er – doch das verhindert eben auch Broll. Dadurch kann es Dynamo letztlich mit der Brechstange versuchen, wie Kauczinski es nennt. Das mag beim Tor auf die Entstehung zutreffen, denn Chris Löwe schlägt die Flanke hoch in Richtung Strafraum, Sebastian Mai verlängert per Kopf. „Dann wird der Ball irgendwie komisch verlängert“, schildert Daferner selbst die Szene. Der Stürmer steht mit dem Rücken zum Tor, außerdem ist der Winkel spitz. Trotzdem nimmt er wahr, dass Waldhof-Keeper Jan-Christoph Bartels ein Stück zu weit vor der Linie steht. „Damit hat er mir angeboten, den Ball über ihn drüber zu heben. Das war eher instinktiv.“

"Hauptsache, wir haben das 1:1 gemacht"

Der Treffer ist so sehenswert wie wichtig. „Hauptsache, wir haben das 1:1 gemacht“, will sich der Schütze für seine feine Einzelleistung nicht extra feiern lassen. Dabei hat er das Lob verdient, weil er zuvor tüchtig dafür gearbeitet hat. Als Angreifer ist er der erste Verteidiger, was platt klingt, aber selten einer so engagiert umsetzt wie der 22-Jährige, der vom SC Freiburg nach Dresden gekommen ist. „Das ist auch mein Spiel, dass ich der erste Pressing-Spieler bin, der erste Mann, der vorne gegen den Ball arbeitet“, sagt er. Dafür wird Daferner von den Mitspielern im besten Sinne für die Mannschaft gescheucht. „Die Jungs hinter mir geben mir Kommandos, wie ich mich bewegen soll.“ Natürlich könne es sein, dass dadurch bei einer eigenen Chance mal die Kraft oder Konzentration fehlt, aber: „Ich fühle mich körperlich gut. Beim Tor musste ich keinen 100-Meter-Sprint anziehen, sondern nur den Ball lupfen.“

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Dynamo rettet also einen Punkt in einem „sehr schleppenden Spiel“, wie Daferner sagt. „Wir waren heute von der Körpersprache, von der Spannung nicht so da wie in den zwei Spielen davor.“ Das Ergebnis sei ein gerechtes, schätzt Kauczinski ein. „Wir haben uns dem Kampf gestellt“, sagt der Chefcoach. Und was die Selbstläufer-Theorie betrifft, hat er ein starkes Gegenargument: „Wir sind der Favorit, für jede Mannschaft ist das ein Stück Extra-Motivation.“ Es sei ihnen bewusst gewesen, dass mit Mannheim eine gute Mannschaft kommt und – „da kommen viele andere“.

Der Liveticker des Spiels hier zum Nachlesen.

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