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Dynamo glänzt am Tag der Arbeit

Mit zwei sehenswerten Toren kehren die Dresdner an die Tabellenspitze zurück. Die Torschützen beim 2:0 gegen Uerdingen sind zwei mit besonderen Geschichten.

Ausgerechnet Panagiotis Vlachodimos... Der schon ausgemusterte Deutsch-Grieche bringt Dynamo gegen Uerdingen in Führung.
Ausgerechnet Panagiotis Vlachodimos... Der schon ausgemusterte Deutsch-Grieche bringt Dynamo gegen Uerdingen in Führung. © Revierfoto

Lotte. Dynamo ist wieder spitze – und damit auch wieder auf Aufstiegskurs. Unter dem neuen Trainer Alexander Schmidt haben die Dresdner das zweite Spiel binnen vier Tagen gewonnen, diesmal 2:0 im Auswärtsspiel gegen den KFC Uerdingen, das in dessen Ausweichspielstätte im 180 Kilometer entfernten Lotte ausgetragen wurde.

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Der Sieg am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, ist am Ende hoch verdient und doch auch hart erarbeitet. Panagiotis Vlachodimos (45.) und Heinz Mörschel (74.) sorgen mit jeweils sehr sehenswerten Treffern für Dynamos zehnten Auswärtssieg in dieser Saison. Wichtiger noch: Dynamo kehrt an die Tabellenspitze zurück. Fünf Fragen und Antworten zu diesem Nachholspiel.

Vlachodimos und Mörschel - da war doch was, oder?

Genau so ist es. In der 45. Minute bringt Vlachodimos – nach herrlichem Doppelpass mit Philipp Hosiner – die Dresdner in Führung. Ausgerechnet jener Spieler also, der unter dem am vergangenen Sonntag beurlaubten Ex-Coach Kauczinski de facto schon ausgemustert war und dann gegen Duisburg nach der Einwechslung den Siegtreffer vorbereitete. Schmidt hat ihn zuletzt mehrfach stark geredet, diesmal lässt er Taten folgen und stellt ihn in die Startelf. „Ich kenne ihn und weiß um seine Qualität. Fußball spielt sich viel im Kopf ab. Wie es so oft bei einem Trainerwechsel ist… Ich habe ihn einfach wieder spielen lassen“, betont der Trainer.

Als er Vlachodimos nach einer sehr ordentlichen Partie in der 62. Minute auswechselte, lagen sich beide kurz, dafür umso inniger in den Armen. „Ein super Tag. Ich bin sehr glücklich, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Und ich bin auch sehr glücklich, dass ich getroffen habe, dass ich wieder auf dem Platz stehe.“

Nach einem sehenswerten Doppelpass mit Philipp Hosiner erzielt Panagiotis Vlachodimos kurz vor der Halbzeit die Führung. Aus spitzem Winkel vollendet er das Zuspiel per Direktabnahme, flach und präzise.
Nach einem sehenswerten Doppelpass mit Philipp Hosiner erzielt Panagiotis Vlachodimos kurz vor der Halbzeit die Führung. Aus spitzem Winkel vollendet er das Zuspiel per Direktabnahme, flach und präzise. © PICTURE POINT

Und Mörschel? Der kam im Januar aus Uerdingen nach Dresden. Im Dezember 2020 sorgte er noch mit einem Tor für den bislang letzten KFC-Heimsieg – gegen Türkgücü mit dem damaligen Trainer Alexander Schmidt. „Fußball ist schnelllebig geworden. Heute bin ich genauso glücklich wie damals“, sagt Mörschel, der diesmal nach seiner Einwechslung einen Freistoß aus 18 Metern direkt verwandelt und danach feststellt: „So ein Einstand tut gut. Wenn du hier gewinnst mit so einem Arbeitssieg, und das noch gegen die alten Jungs – rundes Wochenende.“ Entscheidend sei jedoch etwas anderes: „Wir sind wieder auf dem ersten Platz. Da, wo wir hingehören.“

Was sagt der Trainer nach dem Sieg?

„Perfekt ist noch nichts“, betont Schmidt und meint das sowohl in Bezug auf das Spiel als auch mit Blick auf die Tabelle. „Wenn wir denken, alles ist top, wäre das der erste Rückschritt“, sagt er, macht der Mannschaft jedoch ein Kompliment. „Die Mannschaft hat wie im ersten Spiel alles rausgehauen. Sie hat sich das erarbeitet, mit guten Willen und Organisation. Auf dem Platz war das nicht einfach, ein Passspiel ist kaum möglich gewesen. Ich bin sehr stolz auf die Jungs“, erklärt der 52-Jährige und spricht von einem verdienten Sieg. Die Grundtugenden, betont er, haben gestimmt.

Große Freude sieht anders aus. Alexander Schmidt klatscht mit Co-Trainer Ferydoon Zandi kurz ab - und weiter geht's. Noch ist schließlich nichts erreicht.
Große Freude sieht anders aus. Alexander Schmidt klatscht mit Co-Trainer Ferydoon Zandi kurz ab - und weiter geht's. Noch ist schließlich nichts erreicht. © PICTURE POINT

Wie lief das zweite Spiel unter Schmidt?

Weil das Spiel in Lotte stattfindet, hätte man es leicht vergessen können. Aber Uerdingen, da war doch mal was! Das Banner vor der Gegentribüne erinnert auf gut 60 Meter Länge schwarz auf weiß an Dynamos sportlich schmerzlichste Stunde: „Vor 35 Jahren hat Uerdingen gegen Dresden das Unmögliche geschafft – egal, was passiert: Glaubt an den Sieg und an Euch, wir fiebern mit und stehen hinter Euch!“

3:7 hat Dynamo im März 1986 das Europapokalrückspiel verloren, nach 2:0-Hinspiel- und 3:1-Pausenführung. Doch wie gesagt, damals wurde in der Krefelder Grotenburg gespielt, diesmal im Stadion am Lotter Kreuz. Und hier hat Dynamo die Lage über 90 Minuten unter Kontrolle, was bei dem holprigen Rasen gar nicht so leicht ist. Wenngleich der krasse Unterschied, den man im Duell des 17. gegen den Dritten der Tabelle vermuten könnte, nicht deutlich wird, sind die Dresdner die bessere, die technisch reifere Mannschaft mit einer stabilen Defensive und den gefährlicheren Offensivaktionen. Agyemang Diawusie (1.), zudem Christoph Daferner (15.) und vor allem Vlachodimos (26.) haben die drei besten Torchancen der ersten Hälfte – in der Dynamo-Torwart nicht ernsthaft gefordert ist. Der Führungstreffer fällt verdient.

Rechter Fuß, scharfer Innenseitschuss, rechter oberer Torwinkel - Heinz Mörschel entscheidet die Partie mit seinem direkt verwandelten Freistoß.
Rechter Fuß, scharfer Innenseitschuss, rechter oberer Torwinkel - Heinz Mörschel entscheidet die Partie mit seinem direkt verwandelten Freistoß. © Eibner

Die zweite Halbzeit verläuft wie die erste: umkämpft mit vielen Zweikämpfen, jetzt aber zunehmenden Vorteilen für die Dresdner. In der 69. Minute haben sie allerdings Glück, als der Kopfball von Uerdingens Kapitän Assani Lukimya nach einem Eckball an der Torlatte landet. Fünf Minuten später sorgt Mörschel mit seinem direkt verwandelten Freistoß – rechter Fuß, scharfer Innenseitschuss, rechte obere Ecke – für das 2:0 und damit die Entscheidung. Danach bringt Dynamo den Vorsprung sicher über die Zeit, Uerdingens Edvinas Girdvainis sieht in der Nachspielzeit noch die Gelb-Rote Karte.

Welche Anfangself lässt Schmidt diesmal spielen?

Als hätte er es geahnt… Im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen Duisburg zuletzt verändert Schmidt die Startformation auf zwei Positionen, was angesichts des eng getakteten Spielplans wenig überrascht. Unerwartet ist eher, wer anstelle von Chris Löwe und Luka Stor dabei ist: Torschütze Vlachodimos sowie Diawusie. „Ich weiß, was sie für eine enorme Qualität haben und dass sie Spiele entscheiden können. Deshalb stehen sie auf dem Platz“, erklärt Schmidt.

Taktisch setzt er auf eine Dreierkette in der Abwehr mit Kevin Ehlers, Sebastian Mai und Tim Knipping, zudem auf zwei Defensive im zentralen Mittelfeld mit Yannick Stark und Paul Will, Diawusie und Julius Kade besetzen die Außenbahnen. Und offensiv spielt erneut Philipp Hosiner hinter den beiden Angreifern Vlachodimos und Christoph Daferner. Damit bestätigt sich, was Duisburgs Trainer Pavel Dotchev schon feststellte: Schmidt ist schwer auszurechnen, schwerer jedenfalls als sein Vorgänger. Eine Stammformation verbunden mit einem festgelegten taktischen System gibt es beim neuen Coach nicht.

Wie sieht die Tabelle aus, und wie geht es jetzt weiter?

Dynamo ist wieder Tabellenführer – dank einer um sieben Treffer besseren Tordifferenz vorm punktgleichen Zweitplatzierten Hansa Rostock. Der Tabellendritte Ingolstadt hat zwei Punkte Rückstand, weitere zwei Zähler dahinter liegt 1860 München auf Rang vier.

Schon am Dienstag ist Dresden wieder gefordert – im Auswärtsspiel gegen den Tabellensiebenten SC Verl, das in Paderborn ausgetragen wird. Dann spielt auch die Konkurrenz, und es könnte so etwas wie eine kleine Vorentscheidung im Aufstiegskampf fallen. Denn im Spitzenspiel trifft Rostock auf Ingolstadt, 1860 erwartet den abstiegsbedrohten 1. FC Kaiserslautern. Wie hatte Schmidt unter der Woche erklärt: „Wir haben es in der eigenen Hand.“

Er meint den Aufstieg, und das gilt seit Sonnabendnachmittag mehr denn je. „Es ist auch Kopfsache. Wir haben eine junge Mannschaft, die regeneriert schnell. Wir werden am Dienstag wieder topfit sein“, verspricht Schmidt vor der Fahrt zurück in die rund 100 Kilometer Sportschule Kaiserau, die Dynamo am Freitag bezogen hat und hier auch bis zum Spiel am Dienstag bleiben wird. Bis Paderborn sind es dann ebenfalls knapp 100 Kilometer.

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