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Gleich vier Dynamo-Talente für Deutschland

Die Dresdner stellen so viele Spieler für die Nachwuchsauswahl wie lange nicht - genauso viele wie der FC Bayern. Wie das möglich wurde, erklärt der Sportchef.

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker setzt auch weiter auf die Jugend im eigenen Verein.
Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker setzt auch weiter auf die Jugend im eigenen Verein. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Das ist mal eine überraschende Nachricht: Dynamo ist genauso stark wie Bayern München. Wenn sich die deutsche U18-Auswahl am Donnerstag zum Sichtungslehrgang in Krefeld trifft, sind vier Dresdner Talente dabei. Der Rekordmeister stellt genauso viele Spieler, nur Hertha BSC einen mehr. „Die Nominierungen sind eine weitere Auszeichnung für die Arbeit in unserer Nachwuchsakademie“, sagt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker.

Nach der Wende wurde die Jugendarbeit im Verein lange vernachlässigt. Mit Alexander Zickler, René Beuchel und Christian Fröhlich durften noch drei Spieler, die unter den Bedingungen der Kinder- und Jugendsportschule in der DDR ausgebildet worden waren, für eine gesamtdeutsche Nachwuchsauswahl auflaufen. Später schafften es einige besonders Begabte wie Lars Jungnickel, Maik Kegel und Michael Lerchl. Zuletzt häuften sich die Nominierungen bereits wieder: Kevin Ehlers debütierte 2019 in der U19-Auswahl, Ransford-Yeboah Königsdörffer gab vor einem Monat seinen Einstand in der U21.

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Aber vier auf einmal? Das ist eine starke Quote. Für Torwart Erik Herrmann, Stürmer Julius Hoffmann, Mittelfeldspieler Jonas Oehmichen (alle 17 Jahre) und Linksverteidiger Louis Schulze (16) geht es darum, sich für den Kader zu empfehlen, der sich in der Saison 2022/23 für die U19-Europameisterschaft qualifizieren soll. Nach den ersten Trainingseinheiten bis Montag stehen im November zwei Länderspiele gegen Dänemark und Schweden an.

Louis Schulze spielte im Sachsenpokal schon mit den Profis.
Louis Schulze spielte im Sachsenpokal schon mit den Profis. © Jan Huebner

„Erik, Julius, Jonas und Louis haben die Chance, sich in den nächsten Tagen mit den besten deutschen Spielern ihres Alters zu messen“, meint Becker. „Die Erfahrungen auf diesem hohen Niveau sollen sie mitnehmen und anschließend auch bei der SGD einbringen, davon profitieren schließlich auch unsere weiteren Nachwuchsspieler.“

Königsdörffer soll Kraft tanken

Dynamo bekennt sich im Leitbild, Punkt sieben, dazu, ein Ausbildungsverein zu sein, „der seinen eigenen Top-Talenten den Sprung in den Profi-Kader immer wieder möglich machen möchte“, wie der Sportchef betont. Seit die A- und B-Jugend in der Bundesliga spielen, ist Dresden auch wieder eine gute Adresse für talentierte Kicker aus der Region und darüber hinaus. Ehlers kam von Hansa Rostock, Königsdörffer von Hertha BSC.

Der 20 Jahre alte Offensivspieler bekommt diesmal tatsächlich eine Länderspiel-Pause. Diese sei mit den Trainern beim DFB abgesprochen, sagt Becker. Man sei mit der Entwicklung von Königsdörffer sehr zufrieden, aber „um sein Potenzial auszuschöpfen, gehört auch die richtige Dosierung dazu.“ Er hatte sich im letzten Spiel der Vorsaison am Meniskus im rechten Knie verletzt und musste operiert werden. „Daher hatte er im Sommer keine Pause, sondern absolvierte ein regeneratives Programm und trainierte komplett durch, um rechtzeitig wieder zur Mannschaft stoßen zu können.“ Jetzt solle er mal ein paar Tage durchatmen und neue Kraft tanken. Zuletzt fehlten Königsdörffer die Frische und das Tempo, das ihn auszeichnet.

Torwart Erik Herrmann trainiert bereits mit dem Zweitliga-Kader.
Torwart Erik Herrmann trainiert bereits mit dem Zweitliga-Kader. © Lutz Hentschel

Trotzdem ist und bleibt er ein gutes Beispiel für die Jugendspieler, dass der Sprung ins Profi-Team und darüber hinaus sogar zur Nationalmannschaft gelingen kann. Es müsse das Ziel sein, dort immer wieder hineinzustoßen, meint Becker. Die Grundlage dafür wird in der Nachwuchsakademie gelegt, wo die vier aktuellen Auswahlkader von Willi Weiße (U19) und Oliver Heine (U17) ausgebildet werden. Trainer, Betreuer und Pädagogen arbeiten „mit großer Freude und Leidenschaft daran, die Jungs permanent auf das nächste Level zu bringen“, sagt Jan Seifert.

Der frühere Profi, der 2004/05 zum Ende seiner Karriere für die Schwarz-Gelben 15-mal in der zweiten Liga gespielt hat, ist seit 2014 als Nachwuchsleiter maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Die DFB-Nominierungen seien „nicht nur für die Jungs, sondern auch für das gesamte Team ein toller Ansporn“, meint der 52-Jährige. Seifert nennt es ein deutliches Signal, der Weg über Dynamo als Ausbildungsverein könne für junge Spieler sehr positiv sein.

Jonas Hoffmann erzielte als Mittelstürmer ein Tor fürs Future Team gegen Freital.
Jonas Hoffmann erzielte als Mittelstürmer ein Tor fürs Future Team gegen Freital. © dpa-Zentralbild

Und diesen Weg werde man „so konsequent wie möglich weitergehen“, beteuert Becker. „Wir leben diese Philosophie mit voller Überzeugung und durch verschiedene Maßnahmen. Daher haben wir zuletzt auch das ‚Future Team‘ wieder ins Leben gerufen.“ Dieses war gebildet worden, nachdem Dynamo 2015 die zweite Mannschaft, die in der Oberliga spielte, abgemeldet hat. Allerdings erwies sich die Nachwuchsrunde mit anderen Ost-Vereinen sowie Mannschaften aus Tschechien als organisatorisch schwierig und wurde nach zwei Jahren eingestellt.

Für die Neuauflage sind einzelne Partien geplant, kein Meisterschaftsmodus. Die erste hat Dynamos Zukunftsteam vor vier Wochen gegen Landesligist SC Freital mit 6:1 gewonnen, jeweils einen Treffer erzielten die jetzt für die U18 nominierten Hoffmann und Oehmichen, Herrmann stand im Tor. Ziel sei es, die „Top-Talente schrittweise an das Niveau der Lizenzmannschaft heranzuführen und eine enge Verzahnung sicherzustellen“, sagt Becker.

Jonas Oehmichen bekam vom Cheftrainer bereits ein Extralob.
Jonas Oehmichen bekam vom Cheftrainer bereits ein Extralob. © dpa-Zentralbild

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Als besonders hoffnungsvoll gilt Oehmichen, der im Mai bereits im Sachsenpokal gegen Bischofswerda gespielt hatte. Danach hob ihn Trainer Alexander Schmidt wegen seiner unbekümmerten Spielweise hervor. Im Sommer erhielt er einen Vier-Jahres-Vertrag bis 30. Juni 2025. Dynamo bindet seine Talente also frühzeitig und langfristig. Auch das war mal anders.

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