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Wieso Dynamos Neuzugang ausgebremst wird

Leroy Kwadwo ist schon mit Würzburg in die zweite Liga aufgestiegen und will das nun auch mit Dresden schaffen. Aber er kann nicht sofort loslegen.

Im Juli feierte Leroy Kwadwo mit den Würzburger Kickers den Aufstieg in die zweite Liga. Kann er das mit Dynamo wiederholen?
Im Juli feierte Leroy Kwadwo mit den Würzburger Kickers den Aufstieg in die zweite Liga. Kann er das mit Dynamo wiederholen? © Eibner-Pressefoto

Dresden. Es geht schon mal ungewöhnlich los. Leroy Kwadwo will am Montag zum ersten Mal mit seiner neuen Mannschaft trainieren, aber daraus wird nichts. Das Drittliga-Team von Dynamo Dresden bleibt einen Tag länger als ursprünglich angenommen in der sogenannten Arbeitsquarantäne. Die Corona-Tests bei Spielern, Trainern und Betreuern vom Sonntag waren zwar alle negativ, aber das Dresdner Gesundheitsamt bestand auf einer weiteren Probe.

Die Ergebnisse sollen am Dienstagvormittag vorliegen. Erst dann ist klar, ob der Neuzugang mit seinen neuen Mitspielern auf den Platz darf. Kwadwo kommt von den Würzburger Kickers, mit denen er in der vorigen Saison den Aufstieg in die zweite Liga geschafft, in dieser aber keine Rolle mehr gespielt hat. Obwohl er noch einen Vertrag bis 30. Juni hatte, ist er ablösefrei und bedankt sich deshalb bei seinem nun ehemaligen Verein, der ihm keine Steine in den Weg gelegt habe.

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Was wiederum daran liegen könnte, dass Ex-Dynamo Sebastian Schuppan seit seinem Karriereende im vergangenen Sommer nun als Sportvorstand bei den Kickers Verantwortung trägt. Ralf Becker, sein Dynamo-Pendant, lobt den 24 Jahre alten Kwadwo als Linksverteidiger, der „über Tempo, Athletik und Geradlinigkeit in seinem Spiel verfügt“.

Die Verpflichtung eines Ersatzmannes war unvermeidlich geworden, weil Chris Löwe nach seiner Knieverletzung vom Oktober „aller Voraussicht nach noch mehrere Monate“ fehlen wird, wie Becker jetzt erklärt. Mit Jonathan Meier stand deshalb nur noch ein Profi für die linke Abwehrseite im Aufgebot. Kwadwo kann zudem auch als Innenverteidiger eingesetzt werden. Für das Abwehrzentrum waren zuletzt sowohl Kapitän Sebastian Mai, der wieder einsteigen könnte, als auch Marco Hartmann ausgefallen. Somit ist der neue Mann eine doppelte Alternative, womit die Personalplanung aber noch nicht abgeschlossen sein dürfte. Auch Spielmacher Patrick Weihrauch fällt lange aus. Bis zum 31. Januar könnte Dynamo weitere Spieler verpflichten, vereinslose jederzeit.

"Quarantäne kann nicht grundsätzlich verkürzt werden"

Erst einmal wären die Dresdner jedoch froh, die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern beginnen zu dürfen, mit dem am Samstag bereits die Rückrunde starten soll – obwohl die Hinrunde nun noch nicht abgeschlossen ist. Die Partie gegen Wehen Wiesbaden war abgesagt worden, nachdem vorige Woche Trainer Markus Kauczinski und ein namentlich nicht genannter Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Beide sind symptomfrei, müssen aber bis Freitag zu Hause bleiben.

Dynamos Neuzugang Leroy Kwadwo wird mit der Rückennummer 3 auf dem Trikot auflaufen.
Dynamos Neuzugang Leroy Kwadwo wird mit der Rückennummer 3 auf dem Trikot auflaufen. © SGD/Steffen Kuttner

Die anderen durften dagegen in kleinen Gruppen trainieren. Diese häusliche Isolierung war für fünf Tage angeordnet worden und sollte nach einem negativen Test aufgehoben werden. So hatte es der Verein zunächst verkündet, allerdings war es wohl ein kommunikatives Missverständnis. Auf Nachfrage der SZ heißt es vom Gesundheitsamt: „Die Quarantäne steht im Zusammenhang mit der Inkubationszeit. Diese kann nicht grundsätzlich auf fünf Tage verkürzt werden.“ Vielmehr sei Dynamo das Training in Kleinstgruppen dennoch erlaubt worden, „da es durch die Abstriche begleitet und überwacht wird“.

Die zweite Testreihe wurde am Montag ab 10 Uhr in einem sogenannten „Drive-in-Verfahren“ durchgeführt, das heißt: Spieler, Trainer und Betreuer sind in ihren Autos an der Trainingsakademie vorgefahren, ein Arzt hat die Speichelprobe entnommen. Die Kosten für die Corona-Tests – auch die turnusmäßigen zweimal pro Woche – übernimmt der Verein. Das sind bei jeweils 45 bis 50 getesteten Personen etwa 2.500 Euro. Die Aufwendungen für das Hygienekonzept ergeben bereits eine erhebliche Summe.

„Haben gelernt, flexibel zu sein“

Angesichts der finanziellen Verluste durch die Corona-Pandemie - der neue Geschäftfsführer Jürgen Wehlend rechnet mit fünf Millionen Euro - ist es umso wichtiger, dass für Kwadwo zumindest vorerst keine Überweisung an Würzburg fällig wird. Möglicherweise ist eine Summe X für den Fall vereinbart, dass er auch mit Dynamo aufsteigt. „Ich bin dankbar für die Möglichkeit, die sich mir nun mit dem Wechsel nach Dresden in diesem Winter geboten hat“, wird Kwadwo in der Mitteilung des Vereins zitiert. Er erhält zunächst einen Vertrag bis Saisonende mit der Option auf Verlängerung.
Der Deutsch-Ghanaer ist im nordrhein-westfälischen Herten geboren. Sein Vater Osam war in den 1980er-Jahren aus Westafrika nach Deutschland gekommen, um zu studieren, und spielte in der damals drittklassigen Oberliga Westfalen. Leroys Schwestern Yasmin (30 Jahre) und Keshia (21) zeigen als Sprinterinnen in der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft seit Jahren national sowie international Top-Leistungen. Die Schnelligkeit liegt also in der Familie.

Trotzdem wurde Kwadwo nach dem erfolgreichen Medizintest in Dresden erst einmal ausgebremst. „Wir haben gelernt, flexibel zu sein, Dinge anzunehmen“, meint Chefcoach Kauczinski zur Situation. „Das ist das kleinste Übel.“ Der 50-Jährige, der auch in der Quarantäne am Kader bastelt, denkt vielmehr an die Einschränkungen für die Gesellschaft. „Wenn man sieht, was in England, Irland oder Wales mit der mutierten Variante des Virus passiert, macht man sich schon Gedanken, was mit unserem Leben passiert“, sagt Kauczinski. „Ich hoffe, dass wir es in den Griff kriegen: mit Impfungen, mit Sorgfalt. Man weiß im Moment gar nicht, wo man steht.“

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Bei ihm wird am Freitag erneut eine Speichelprobe genommen – in der Hoffnung, dass er danach die Wohnung verlassen und die Mannschaft wieder direkt betreuen kann.

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