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Kreuzer will mit Dynamo ein zweites Mal aufsteigen

Ein halbes Jahr nach seinem Abschied kehrt Niklas Kreuzer zurück und spricht über die Zeit als Arbeitsloser, die andere Seite des Geschäfts und seine Fitness.

Niklas Kreuzer trägt wieder Schwarz-Gelb. Diesmal läuft er für Dynamo nicht mit der Nummer 7, sondern mit der 22 auf.
Niklas Kreuzer trägt wieder Schwarz-Gelb. Diesmal läuft er für Dynamo nicht mit der Nummer 7, sondern mit der 22 auf. © SGD/Steffen Kuttner

Dresden. Die Nachricht kam 45 Minuten vor dem geplanten Anpfiff. Doch ein Blitz-Comeback hätte Niklas Kreuzer gegen die U23 des FC Bayern am Freitagabend sicher nicht gegeben. Darüber zu spekulieren, lohnt ohnehin nicht, die Partie wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt.

Frühestens am kommenden Samstag beim 1. FC Magdeburg könnte der dritte Winter-Neuzugang wieder für Dynamo auf dem Platz stehen. Wobei der Begriff Neuzugang komisch klingt bei einem, der bis zum Sommer sechs Jahre bei den Schwarz-Gelben war, nach dem Abstieg vergeblich einen neuen Verein suchte, in dieser Zeit in Dresden blieb, wo seine Lebensgefährtin Melanie im August eine Tochter zur Welt brachte. Weg also war Kreuzer nie.

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Ein Einsatz in Magdeburg ist genau deshalb eher unwahrscheinlich. Der 27-Jährige hat seit Ende Juni kein Spiel mehr bestritten und auch kein Mannschaftstraining absolviert. Mit Waldläufen und Einheiten mit einem Personalcoach kann man sich zwar fit halten, die fußballspezifischen Besonderheiten wie Zweikämpfe und das Zusammenspiel aber nicht simulieren. „Ich werde noch ein Stück brauchen, um wieder bei 100 Prozent zu sein“, erklärte er kurz nach seiner Verpflichtung in einem Interview bei Dynamo-TV.

Der Drittliga-Spitzenreiter holte ihn trotzdem bis zum Saisonende. Zu groß ist derzeit die Lücke auf der rechten Abwehrseite, die nach dem Kreuzbandriss von Robin Becker entstanden war. Auf dieser Position hatten sich in dieser Saison zwar schon Max Kulke und Ransford-Yeboah Königsdörffer versucht, aber nicht wirklich überzeugt. „Mit seinem großen Erfahrungsschatz in der 2. Bundesliga und 3. Liga sowie seiner langjährigen Vergangenheit bei Dynamo bringt Niklas neben seinen fußballerischen Qualitäten zusätzlich einiges mit, was uns in den kommenden Monaten weiterhelfen wird“, begründete Sportgeschäftsführer Ralf Becker den Transfer, der das Vereinskonto sicher nicht allzu arg belasten wird.

"Man hofft jeden Tag, dass etwas passiert“

Für Kreuzer werden Gehalt und Prämien ohnehin erst mal zweitrangig sein, er ist einfach „überglücklich, wieder hier zu sein. Dem Verein bin ich unglaublich dankbar, in dieser Situation eine zweite Chance zu erhalten“, sagt er. Sein eigentlich bis Juni 2022 datierter Vertrag war im Sommer mit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga ungültig und wie die meisten anderen nicht verlängert worden. „Es war klar, dass es hier nicht weitergeht. Und das war für beide Seiten vielleicht sogar richtig“, erklärt Kreuzer mit einigem Abstand. „Ich hatte den Anspruch, in der 2. Liga zu bleiben, war bei diversen Vereinen vor Ort und felsenfest davon überzeugt, dass es in der 2. Liga weitergeht. Man hofft jeden Tag, dass etwas passiert, aber es passierte nichts.“ Aus heutiger Sicht wäre ein Abstieg mit Dynamo die bessere Wahl gewesen, räumt er ein. „Aber da war mein Stolz zu groß.“

In den Monaten der Arbeitslosigkeit lernte Kreuzer eine andere Seite des Profigeschäfts kennen. „Wenn Ralf Minge sagte, der Vertrag wird verlängert, dann gab es einen Handschlag, und ein paar Tage später lag der schriftliche Vertrag vor“, erklärte er in einem Interview bei Transfermarkt.de und meinte den früheren Sportchef. Nun sei „immer wieder beteuert worden, dass sie mich unbedingt verpflichten wollen. Ich war da auch etwas naiv.“

Diese Zeit habe ihm noch mal bewusst gemacht, „in welcher Blase man als Fußballprofi lebt, was für Möglichkeiten man bekommt, welche Privilegien man hat. Man muss sich keine Sorgen machen, alles wird einem hinterhergetragen.“

Kreuzer, in München geboren und in Basel groß geworden, war 2014 von Rot-Weiß Erfurt zu Dynamo gekommen, hat 160 Pflichtspiele bestritten. In die vorige Saison ging er noch als einer von vier Kapitänen, die Ex-Trainer Cristian Fiel vor dem Saisonstart bestimmt hatte. Doch es lief von Anfang an schlecht – für die Mannschaft und für Kreuzer: Bankplatz, eine Rote Karte, die er selbst als „einfach nur dämlich“ bezeichnete. Dann kam Corona. Die Pandemie mit der Quarantäne und den vielen Spielen innerhalb kurzer Zeit „als Ausrede für unseren oder allgemeinen Misserfolg zu nutzen, liegt mir fern. Die Hauptverantwortlichen waren wir Spieler. Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir nicht immer konstant als Team aufgetreten sind.“

Wieder an Bord. Hier kommt Niklas Kreuzer mit Dynamo in einem früheren Trainingslager an - nun kehrt er zu den Schwarz-Gelben zurück.
Wieder an Bord. Hier kommt Niklas Kreuzer mit Dynamo in einem früheren Trainingslager an - nun kehrt er zu den Schwarz-Gelben zurück. © Robert Michael

Nun kann er helfen, diesen Abstieg zu korrigieren. Kreuzer, mit 160 Pflichteinsätzen der Rekordspieler bei Dynamo, läuft künftig nicht mehr mit der Rückennummer 7 auf, sondern mit der 22. Sie soll „sinnbildlich für die zweite Chance und den Neuanfang hier in Dresden stehen“, sagt er. Ansprüche stellt er zunächst keine. „Ich sehe meine Aufgabe ganz klar darin, meine Erfahrungen, die ich sammeln durfte, an die Jungs weiterzugeben, damit wir am Ende das Ziel erreichen können.“ Und das ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

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Für Kreuzer wäre es der zweite nach 2016. Dass es erneut klappen könnte, davon ist er „zu 100 Prozent“ überzeugt. Die Zahl nutzt er bei der Begründung gleich noch mal. „Wenn diese Truppe es schafft, jedes Wochenende 100 Prozent abzurufen, dann wird es schwer, uns zu schlagen.“ Nun gehört Kreuzer wieder zur Truppe.

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