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Ein Sprinter für Dynamo

Leroy Kwadwo kam im Januar nach Dresden und ist schon ein Stammspieler. Tempo ist in seiner Familie ein wichtiges Thema.

Leroy Kwadwo ist bei Dynamo schnell angekommen.
Leroy Kwadwo ist bei Dynamo schnell angekommen. © SGD/Steffen Kuttner

Dresden. Vielleicht wäre er auch ein guter Sprinter geworden, so wie seine beiden Schwestern. Die Vermutung liegt nahe, seine Mutter hätte es auf jeden Fall gerne gesehen. Einige Vereine versuchten sogar, ihn für sich zu gewinnen. Aber Leroy Kwadwo hatte seine Leidenschaft früh gefunden. Während Yasmin und Keshia nun am Samstagabend bei der deutschen Hallenmeisterschaft in Dortmund über 60 Meter starten, spielt ihr Bruder vorher Fußball: mit Dynamo Dresden in der 3. Liga beim FSV Zwickau.

In der Schule ist er allen davongerannt, hat „schon manchmal neidische Blicke bekommen“. Aber die Anfragen, zur Leichtathletik zu wechseln, hat er „dankend abgelehnt. Einzelsportler zu sein, das ist nicht so wirklich mein Ding“, erzählt Kwadwo. Die Schnelligkeit kann er auch am Ball ausspielen. Früher lief er die 100 Meter in elf Sekunden, jetzt sind die Sprints kürzer, seine Bestzeit über 30 Meter: 3,8 Sekunden. Das Talent haben die Geschwister vom Vater, der in den 1980er-Jahren in der Oberliga Westfalen, damals dritte Liga, viele Tore schoss. Die Eltern stammen aus Ghana und haben sich in Deutschland kennengelernt, die Mutter war als Gymnastin aktiv.

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Leroy Kwadwo ist in Herten im Ruhrgebiet geboren und als Kind oft im Dortmunder Westfalenstadion gewesen. Sein Vater hält auf die Borussia und ist mit dem früheren BVB-Profi Otto Addo befreundet. „Ich durfte sowohl hinter den Kulissen als auch auf der Tribüne dabei sein. Das war immer besonders“, erzählt Kwadwo. Trotzdem würde er sich selbst nicht als Fan bezeichnen, seine Leidenschaft gehört dem Spiel an sich, das er seit seinem sechsten Lebensjahr betreibt, anfangs bei Wattenscheid 09, dann Rot-Weiss Essen, Westfalia Herne und schließlich bei der TSG Sprockhövel, wo er in der fünften Liga seine ersten Erfahrungen bei den Männern sammelte.

Ex-Dynamo Schuppan rät ihm zum Wechsel

Inzwischen ist Kwadwo 24 Jahre alt und Dynamo seine sechste Station als Profi, im Januar ist er von den Würzburger Kickers gekommen. Dort hatte der Linksverteidiger nach dem Aufstieg in die zweite Liga den Stammplatz verloren. „Es ist für meine Entwicklung wichtig, regelmäßig zu spielen und nicht auf der Bank oder gar Tribüne zu sitzen“, begründet er.

Leroy Kwadwo (l.) im Zweikampf mit Mannheims Dominik Martinovic. Dynamos Neuzugang hat sich schnell einen Stammplatz erworben.
Leroy Kwadwo (l.) im Zweikampf mit Mannheims Dominik Martinovic. Dynamos Neuzugang hat sich schnell einen Stammplatz erworben. © Foto: dpa/Uwe Anspach

Erleichtert wurde ihm die Entscheidung durch einen Ex-Dynamo: Sebastian Schuppan, der bei den Kickers direkt nach seinem Karriereende im Sommer als Sportvorstand eingestiegen ist. „Er hat mir einiges über Dresden erzählt, durchweg positiv gesprochen“, sagt Kwadwo. Vielleicht hätte ihn ein anderer gar nicht gehen lassen, aber Schuppan hat von 2010 bis 2014 mit Dynamo einiges erlebt, stammt zudem aus Senftenberg. „Es war auch seine Einschätzung, dass diese Möglichkeit für mich das Beste ist“, erzählt Kwadwo.

Es lag sicher weniger an seinen guten Vorkenntnissen über den Verein und die Stadt, dass er sich de facto ohne Anlaufzeit in der neuen Mannschaft etabliert hat, auch wenn er das so nicht stehenlassen will. „Es braucht schon ein bisschen Zeit, sich im Training die Automatismen zu erarbeiten. Die Jungs haben mich sehr gut aufgenommen, deshalb war es einfach“, sagt Kwadwo. Angesichts der Personalnot in der Abwehr musste der Neuzugang aber sofort durchstarten – und ist nach drei Einsätzen in der Startelf kaum noch wegzudenken.

Sein Vertrag gilt zunächst nur für ein halbes Jahr mit der Option auf Verlängerung. „Ich habe eine kleine Wohnung und mich schick eingerichtet“, meint Kwadwo. Derzeit lebt er alleine, seine Freundin ist in der Heimat geblieben, mehr möchte er dazu nicht sagen. Das ist seine Privatsache.

Schwestern für deutsche Auswahl erfolgreich

Seine Schwestern stehen dagegen in der Öffentlichkeit, seit Jahren schon starten sie für die deutsche Leichtathletik-Auswahl. Yasmin (30 Jahre) und Keshia Beverly (21) Kwadwo haben über 100 Meter einzeln und mit der Staffel einige internationale Medaillen gewonnen. „Ich freue mich über jeden Erfolg von ihnen, weil ich weiß, wie hart sie dafür trainieren“, sagt ihr Bruder. Als Kinder konnten sie selten Zeit miteinander verbringen. „Wir waren ja für unseren Sport ständig unterwegs, und unsere Eltern mussten sich aufteilen, wer wen begleitet, bis wir selbstständig mit Bus und Bahn fahren konnten.“ Er telefoniert oder schreibt täglich mit ihnen. „Es ist ein reger Austausch in der Familiengruppe.“

Im September 2019 gewann Yasmin Kwadwo (r.) mit Lisa Marie Kwayie (v. l.), Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto in der 4x100-Meter-Staffel.
Im September 2019 gewann Yasmin Kwadwo (r.) mit Lisa Marie Kwayie (v. l.), Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto in der 4x100-Meter-Staffel. © Fotostand

Die Motivation sei dennoch nicht, den Geschwistern nachzueifern. „Wir pushen und unterstützen uns natürlich, aber jeder weiß selbst, was zu tun ist. Der Sport ist das, wofür wir jeden Morgen gerne aufstehen“, sagt er. Kwadwo hat sich in den Fußball-Klassen langsam nach oben gearbeitet, musste nun einen Schritt zurückgehen, wobei er bei Dynamo vor allem die Chance sieht, gleich wieder aufzusteigen. Er weiß schließlich, wie es geht, und kann deshalb einschätzen: „Die Mannschaft hat auf jeden Fall das Zeug dazu, wenn wir konstant bleiben und uns nicht ablenken lassen.“

Bei den deutschen Hallenmeisterschaften 2020 in Leipzig sprintete Keshia Kwadwo (l.) - hier im Vorlauf vor Svenja Pfetsch - auf Rang fünf, direkt hinter ihrer Schwester Yasmin.
Bei den deutschen Hallenmeisterschaften 2020 in Leipzig sprintete Keshia Kwadwo (l.) - hier im Vorlauf vor Svenja Pfetsch - auf Rang fünf, direkt hinter ihrer Schwester Yasmin. © Fotostand

Kwadwo bringt „Tempo, Athletik und Geradlinigkeit“ ein, diese Stärken attestiert ihm Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker. Mit der Verpflichtung reagierte der Verein auf die aller Voraussicht nach noch mehrere Wochen andauernde Ausfallzeit von Chris Löwe, dessen Knieverletzung hartnäckiger ist als anfangs erwartet. Doch Kwadwo ist mehr als ein Ersatzmann, weil er sowohl in der Vierer- als auch in der Dreierkette links verteidigen und in der Innenverteidigung spielen kann.

Vorbild für die Nationalelf in Paderborn

Die Frage, welche Position er denn mehr mag, stellt sich für ihn allerdings nicht. „Hauptsache, ich spiele und versuche, mit meiner Leistung der Mannschaft zu helfen.“ Das mag floskelhaft klingen, ist aber sein ernst gemeinter Anspruch an sich. Den erfüllt er bisher nahezu perfekt – und auch die Erwartungen. „Leroy ist ein physisch starker Verteidiger“, sagt Trainer Markus Kauczinski.

Kwadwo will sich weiter verbessern, „nach oben sind keine Grenzen gesetzt“, betont er selbstbewusst. Christopher Antwi-Adjei vom SC Paderborn hat es ihm vorgemacht und sein erstes Länderspiel für Ghana bestritten. „Es ist ein richtig cooler Traum, mit meinem besten Freund in der Nationalmannschaft für Ghana zu spielen“, sagt Kwadwo – und lacht, bevor er hinzufügt: „Ich würde auch gerne für Deutschland spielen, die Tür schlage ich jedenfalls nicht zu, sondern sage: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Er war ein paar Mal in der Heimat seiner Eltern, „definitiv zu selten“. Der nächste Besuch bei den Omas musste wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Leroy ist Deutscher, und das nicht nur, weil ihn sein Pass als solchen ausweist. „Ich mag es überhaupt nicht, unpünktlich zu sein. Da bin ich echt pingelig“, charakterisiert er sich. Aus dem Leben seiner Eltern hat er gelernt, dass man hartnäckig sein muss, um sich durchzusetzen, dabei aber auch lebenslustig sein kann. „Ich denke, die Mischung aus deutschen Tugenden und ghanaischen Wurzeln macht mich zu dem Menschen, der ich bin.“

Einer, der Dynamo nicht nur sportlich richtig guttut.

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