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Steckt Dynamo jetzt in einer Krise?

Die Ergebnisse stimmen nicht mehr. Und das seit Wochen. Dresdens Trainer macht sich dennoch keine Sorgen und rät vor dem Spiel gegen Schalke: "Keine Panik."

Von Daniel Klein
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Die Gesichter nach dem Schlusspfiff verraten: Der Trend bei Dynamo ist gerade kein positiver.
Die Gesichter nach dem Schlusspfiff verraten: Der Trend bei Dynamo ist gerade kein positiver. © dpa/Picture Alliance/Sebastian Kahnert

Am Ende wurde die Brechstange rausgeholt – personell und taktisch. Doch selbst das half nicht, die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg abzuwenden. „Sie ist ärgerlich, der Ausgleich wäre verdient gewesen“, fand Dynamo-Trainer Alexander Schmidt. Ärgerlich ist das 0:1 auch deshalb, weil es einen Trend fortsetzt, der seinen Anfang Ende August genommen hat.

Da starteten die Dresdner eine Negativserie, die nur durch den 3:0-Heimerfolg gegen Werder Bremen unterbrochen wurde. Die restlichen fünf Spiele verloren die Schwarz-Gelben und erzielten in denen ein mageres Tor. Eine alarmierende Bilanz – nur fühlt sie sich nicht so an. Das liegt zum einen an der Tabelle. Dynamo hat am Wochenende keinen Platz verloren, als Elfter hat man beruhigende acht Punkte Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz.

Und zum anderen sind da die Auftritte der Mannschaft. Abgesehen vom 0:3 beim FC St. Pauli waren die Dresdner bei keinem absolut chancenlos. Am Sonntag dominierte der Aufsteiger in der zweiten Halbzeit sogar. „Nürnberg ist gar nicht mehr hinten rausgekommen“, stellte Schmidt fest. Doch das nützte nichts. Wie so oft scheiterte sein Team an fehlender Cleverness und Durchschlagskraft. Und die Gegner bestrafen die Fehler gnadenlos.

„Wir haben gewusst, dass diese Liga sehr hart und sehr eng wird“, erklärte Schmidt, angesprochen auf den Negativtrend. Das Gefährliche an Niederlagenserien ist, dass die Mannschaft in einen Strudel geraten könnte, bei dem erst die Ergebnisse nicht stimmen und irgendwann auch nicht mehr die Leistungen. Dann schwinden Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, die Angst vor der nächsten Niederlage wird größer als die Vorfreude aufs Spiel. Ein Teufelskreis.

Sorgen, dass seine Mannschaft in solch einen Strudel hineingeraten könnte, mache er sich nicht, betont Schmidt und nennt als Argument die zweite Halbzeit gegen Nürnberg. „Wir dürfen uns nicht Gedanken machen: Wie war die Bilanz der vergangenen Spiele? Die Punkte auf unserem Konto hat uns niemand geschenkt. Die haben wir auch gegen schwere Gegner geholt“, betont er.

Der 52-Jährige erlebte nach seinem Amtsantritt einen absoluten Positivlauf. Mit einer Siegesserie wurde Dynamo Drittliga-Meister, saisonübergreifend blieb Schmidt sogar elf Spiele in Folge ungeschlagen. Der nächste, gegenteilige Lauf schloss sich nahtlos an. „Natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir uns verbessern können. Wir arbeiten sehr fleißig“, erklärt er. „Aber eins darf man auch nicht vergessen: Wir müssen derzeit einige Spieler kompensieren.“ Gemeint sind die verletzten Leistungsträger, die zum Teil schon seit Monaten fehlen. „Die Jungs, die reinkommen, machen es gut. Also keine Panik, ruhig und hart weiterarbeiten und positiv bleiben.“

Der nächste Gegner hat auch einen Lauf - einen positiven

Den Optimismus nicht zu verlieren, ist wichtig – vor allem mit Blick auf den kommenden Gegner. Am Samstagabend tritt Dynamo beim Tabellendritten Schalke 04 an. Der Bundesliga-Absteiger hat von den vergangenen sechs Spielen fünf gewonnen, es ist also Dynamos Serie – nur umgedreht. „Wir müssen uns vor niemandem verstecken“, sagt Mittelfeldspieler Heinz Mörschel und erfüllt damit genau die Vorgabe des Trainers, positiv zu bleiben. Und Luca Herrmann ist überzeugt, dass „was drin ist, wenn wir mit Energie da hinfahren und Vollgas geben“.

Eine Niederlage beim prominenten Gegner würde an der Stimmung wohl nichts grundlegend ändern – und auch nicht am Tabellenbild. Darin lauert jedoch eine Gefahr: Zu glauben, dass man eigentlich zu gut sei, um gegen den Abstieg kämpfen zu müssen, hat schon manchem Verein das Genick gebrochen. Auch Dynamo. In der Zweitliga-Saison 2005/06 verlor das Team von den ersten sechs Spielen nur eins, lag auf Platz drei. Nach einer Niederlagenserie übernahm Peter Pacult, den Abstieg verhindern konnte er nicht mehr.