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Das sind jetzt Dynamos fünf größte Probleme

Beim 1:2 in Saarbrücken sind die Dresdner weit entfernt davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. So wird das ganz sicher nix mit dem Aufstieg.

Reichlich Gesprächsbedarf nach Dynamos 1:2 in Saarbrücken: Marco Hartmann (M.) diskutiert mit Christoph Daferner, auch Jonathan Meier (r.) ist enttäuscht.
Reichlich Gesprächsbedarf nach Dynamos 1:2 in Saarbrücken: Marco Hartmann (M.) diskutiert mit Christoph Daferner, auch Jonathan Meier (r.) ist enttäuscht. © Jan Huebner

Dresden. Die Unentschlossenheit wird auch am Spielfeldrand sichtbar: Den Punkt absichern oder mit Risiko auf Sieg setzen? Marco Hartmann und Pascal Sohm stehen zur Einwechslung bereit, ein defensiver und ein offener Spieler. Aber keiner von beiden kommt mehr in die Partie. Stattdessen entscheidet der 1. FC Saarbrücken das vermeintliche Spitzenspiel in der 3. Fußball-Liga durch ein Tor in der Nachspielzeit. Dynamo verliert mit 1:2, es ist bereits die vierte Niederlage für die Dresdner.

Nach dem Abstieg und angesichts der Neuzugänge galten sie als der Aufstiegsfavorit schlechthin, doch bislang werden sie weder dieser Erwartungshaltung noch dem eigenen Anspruch gerecht. So wird das jedenfalls nix mit der sofortigen Rückkehr in die zweite Liga. Eine Analyse von Sächsische.de.

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Keine Konstanz

Leistungsschwankungen sind normal, erst recht bei einer Mannschaft, die komplett neu zusammengestellt worden und mit einigen jungen Spielern besetzt ist. Allerdings hat sich mancher offenbar von dem geradezu euphorischen Auftakt mit dem spektakulären 4:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV und dem in Unterzahl erkämpften 1:0-Erfolg in Kaiserslautern zum Ligastart blenden lassen. Damals hieß es, wie erstaunlich schnell sie bereits zu einer Truppe zusammengewachsen sind, wie gut die Hierarchie klappt, wie die Führungsspieler vorangehen, eben: der besondere Charakter von Dynamos neuem Team.

Das bringen sie jedoch zu selten auf den Platz. Das 0:3 bei Bayern München II am dritten Spieltag ging als Dämpfer zur rechten Zeit durch. Es folgten die zwei minimalistischen Siege im Derby gegen Magdeburg sowie in Lübeck – und der Einbruch im Heimspiel gegen Zwickau, ein vor allem in der ersten Halbzeit erschreckend emotionsloser Auftritt. Für das anschließende 0:1 in Ingolstadt diente die frühere Rote Karte für Max Kulke als Erklärung, das 3:0 gegen Meppen galt als eine Art Befreiungsschlag. Und nun das. Die Niederlage mag unglücklich erscheinen, weil die Gegentore durch Nicklas Shipnoski mit dem Pausenpfiff und durch Sebastian Jacob in der Nachspielzeit fielen.

Aber Trainer Markus Kauczinski sagt: „Insgesamt war es nicht gut genug, um hier einen Punkt mitzunehmen.“ Auch Christoph Daferner äußerst sich selbstkritisch: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht, das muss man ganz ehrlich sagen“, so der Stürmer, der Dynamo unverhofft in Führung gebracht hatte. „Obwohl Saarbrücken eine englische Woche mit dem Spiel in Duisburg am Mittwoch hatte, waren sie besser als wir. Das geht einfach nicht.“

Wenn Dynamo nicht schleunigst Konstanz bei Leistungen und Ergebnissen erreicht, wird es eine Saison im Mittelmaß.

Hohe Erwartungshaltung

Der direkte Wiederaufstieg wurde zwar nie offiziell als Saisonziel ausgegeben, aber dieser Erwartungshaltung kann auch keiner widersprechen. Sportgeschäftsführer Ralf Becker stellte vor dem Anpfiff in Saarbrücken im Interview bei Magenta-TV klar, dass auch die ungewisse Situation durch die Corona-Pandemie kein Grund sei, den sportlichen Anspruch hintenan zu stellen: „Natürlich wissen wir, dass es gerade wichtigere Themen gibt, es darum geht, gesund zu bleiben. Trotzdem sind wir Leistungssportler, wollen den maximalen Erfolg.“

Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz sah in Saarbrücken die Rote Karte und musste auf die Tribüne.
Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz sah in Saarbrücken die Rote Karte und musste auf die Tribüne. © Eibner-Pressefoto

Kauczinski hatte schon vor dem Spiel gegen Meppen klargestellt, er lasse Druck als Argument nicht gelten. „Wir wussten, was es bedeutet, für Dynamo Dresden aufzulaufen“, sagte der Trainer. „Dem Druck stellen wir uns, es wäre viel schlimmer, wenn keiner etwas von uns erwartet.“ Man müsse trotzdem in der Lage sein, seinen Fußball zu spielen. Doch genau darin liegt ein Problem: Der Mannschaft gelingt es zu selten, ihren Plan dominant umzusetzen wie gegen Magdeburg und Meppen, also zwei Mannschaften vom Tabellenende. Auffällig oder kurios? Gegen Spitzenreiter Saarbrücken ließ sich Dynamo jedenfalls den Schneid abkaufen.

Wenig Torgefahr

Mit den drei Treffern gegen Meppen hatte Dynamo die Bilanz aufpoliert, aber neun Tore in neun Spielen sind eine schwache Quote. In Saarbrücken wurde Agyemang Diawusie die Einschussmöglichkeit durch einen Fehlpass des Gegners in der 78. Minute aufgelegt, aber er scheiterte am Torwart. „Wenn wir da den Lucky-Punch setzen, wäre das natürlich super“, meint Daferner, „da müssen wir effektiver werden, damit wir auch aus wenig viel machen.“

Saarbrücken vergibt im Anschluss auch eine klare Chance, erspielt sich aber entschlossen noch eine und nutzt sie. Bei Dynamo lässt nicht erst der Abschluss zu wünschen übrig, meist spielen sie sich schon zu wenig Gelegenheiten heraus, was der Torschütze deutlich beschreibt: „Wir haben Situationen, in denen der letzte Ball nicht ankommt, noch ein Stockfehler dabei ist, wir es offensiv nicht sauber ausspielen.“

Fehlende Mentalität

Man scheut sich, diese These aufzustellen, aber offenbar hat der erste Eindruck getäuscht. Gegen den HSV und in Kaiserslautern stand ein Team auf dem Platz, in dem sich einer für den anderen reingehauen hat. Jetzt hat es eher den Anschein, jeder kämpft für sich allein. Kapitän Sebastian Mai gibt zwar lautstark Kommandos, aber es stellt sich die Frage, ob und wie sie bei den anderen ankommen. Emotionalität allein ist noch keine Führungsqualität. Es fehlt einer, der präsent ist, wenn es für die Mannschaft nicht läuft. Zumindest im Moment. Hartmann trainiert seit zwei Wochen wieder mit dem Team und stand schon mal bereit.

Späte Anfälligkeit

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Es lässt sich noch keine Tendenz aus zwei Gegentoren jeweils in der Nachspielzeit der ersten und zweiten Halbzeit ablesen. Ein Alarmsignal aber sollten sie sein. Es habe „vielleicht der letzte Moment der Wachheit gefehlt“, meint Kauczinski zu den Fehlerketten, die dazu führten. Und Daferner hadert: „Keine Ahnung, ich weiß es ehrlich nicht, ob es mit fehlender Konzentration zusammenhängt“, sagt der Stürmer – und kommt zu dem Schluss: „Fakt ist, das darf nicht passieren.“ Denn so wird das ganz sicher nix mit dem Aufstieg.

Den Liveticker vom Spiel zum Nachlesen finden Sie hier.

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