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Wenn Dynamo den Trainer des Gegners abschießt

Nach der Niederlage gegen die Dresdner tritt Hoßmang in Magdeburg zurück. Mitleid mit dem Kollegen hat Dynamo-Coach Kauczinski jedoch nicht.

Thomas Hoßmang (r.) ist nach der 0:1-Niederlage im Ost-Duell gegen Dynamo Dresden als Trainer beim 1. FC Magdeburg zurückgetreten.
Thomas Hoßmang (r.) ist nach der 0:1-Niederlage im Ost-Duell gegen Dynamo Dresden als Trainer beim 1. FC Magdeburg zurückgetreten. © dpa/picture alliance

Dresden. Markus Kauczinski wusste genau, was passieren kann. „Ich habe solche Spiele schon auf beiden Seiten erlebt: Mal war ich derjenige, der auf der Kippe stand, mal derjenige, der gegen den Kollegen spielt, dem das Wasser bis zum Hals steht“, sagt Dynamos Trainer. Das war am vergangenen Donnerstag, also vor dem Ost-Duell beim 1. FC Magdeburg. Nach dem etwas glücklichen, aber nicht unverdienten 1:0-Sieg der Dresdner hat nun sein Kollege Thomas Hoßmang gezeigt, was er auf dem Platz bei seiner Mannschaft vermisst hatte.

„Wir sind nicht konsequent“, sagte er, „weil wir irgendwelchen Zirkus machen.“ Am Dienstagabend erklärte der 54-Jährige dagegen konsequent seinen Rücktritt als Chefcoach bei dem krisengeplagten Traditionsverein. „Ich möchte kein Mitleid und habe das auch umgekehrt nicht“, hatte Kauczinski vorab klargestellt. „Wenn man diesen Beruf ausübt, weiß man, worauf man sich einlässt: Man wird an den Punkt kommen, an dem es einen erwischt.“

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Kauczinski wurde zweimal gefeuert

Ihn hat es bisher erst zweimal getroffen, seinen Vertrag beim Karlsruher SC hat er 2016 selbst nicht verlängert und ist zum FC Ingolstadt gewechselt, der damals in der Bundesliga spielte. Dort war allerdings nach einem 0:2 zu Hause gegen Augsburg und insgesamt zehn Spielen ohne Sieg Schluss. Trainer beim Gegner: Dirk Schuster, inzwischen in Aue. Beim FC St. Pauli wurde Kauczinski im April 2019 nach einem 1:2 bei Holstein Kiel freigestellt, weil der Kiezklub in der zweiten Liga vier Punkte Rückstand auf den Aufstiegsrelegationsrang hatte. Trainer bei Kiel: Tim Walter, der nach der Saison zum VfB Stuttgart ging und nach 20 Spielen gefeuert wurde.

Dynamo-Trainer Markus Kauczinski hat mit seiner Mannschaft das Ost-Duell in Magdeburg gewonnen - seinem Kollegen Thomas Hoßmang kostete das den Job.
Dynamo-Trainer Markus Kauczinski hat mit seiner Mannschaft das Ost-Duell in Magdeburg gewonnen - seinem Kollegen Thomas Hoßmang kostete das den Job. © dpa/picture alliance

„Dafür wird man letzten Endes auch bezahlt, das ist Teil der Stellenbeschreibung. Wir wissen alle, was wir tun und worauf wir uns einlassen“, meint Kauczinski.

Der 50 Jahre alte Fußballlehrer wurde nach acht Monaten ohne Verein im Dezember 2019 in Dresden engagiert, um mit Dynamo den Abstiegskampf anzunehmen. Wegen der äußerst schlechten Ausgangslage kalkulierten beide Seiten ein, dass es schiefgehen könnte und schlossen gleich einen Vertrag für den Neustart in der 3. Liga.

Hoßmang, seit 2014 sehr erfolgreich im Nachwuchs beim 1. FC Magdeburg tätig, hatte die Profis im Juni vorigen Jahres in einer Notlage übernommen – und schaffte tatsächlich den Klassenerhalt in der 3. Liga. Er war bereits der fünfte Chefcoach, seit Jens Härtel den Verein im November 2018 verlassen musste. Michael Oenning, Stefan Krämer und Claus-Dieter Wollitz, der zuvor seinen Job bei Energie Cottbus hingeschmissen hatte, konnten den Abwärtstrend nicht stoppen. Stattdessen hinterließen sie jede Menge Probleme und interne Zwistigkeiten, die Hoßmang nicht lösen konnte. Nun meint er, den Weg freimachen zu müssen „für einen neuen Impuls“.

Aue-Trainer tritt nach Klatsche von Dynamo zurück

Natürlich sei das Aus für einen Kollegen trotz des eigenen Erfolges traurig, sagt Kauczinski, aber er ordnet das ein: „Wir Trainer sind keine Sozialfälle. Es gibt viel schlimmere Umstände, unter denen viele Menschen – auch hier in Deutschland – arbeiten und leben.“ Dagegen hätten Trainer einen „privilegierten Job“, der nun mal seinen Preis habe. „Man trägt viel Verantwortung und hält den Kopf hin – auch mal für Dinge, für die man nichts kann.“

Dynamo gewinnt am 26. Februar 2017 mit 4:1 in Aue: Trainer Uwe Neuhaus (l.) nimmt seinen Kollegen nach der Pressekonferenz in den Arm. Pavel Dotchev tritt nach der Klatsche als Chefcoach beim FC Erzgebirge zurück.
Dynamo gewinnt am 26. Februar 2017 mit 4:1 in Aue: Trainer Uwe Neuhaus (l.) nimmt seinen Kollegen nach der Pressekonferenz in den Arm. Pavel Dotchev tritt nach der Klatsche als Chefcoach beim FC Erzgebirge zurück. © Robert Michael

Kauczinski ist in diesem Kreislauf nicht der erste Dynamo-Coach, der mit seinem Team den Trainer des Gegners zu Fall gebracht hat. So trat im März 2017 Pavel Dotchev in Aue zurück, nachdem der FC Erzgebirge das Sachsenderby zu Hause mit 1:4 verloren hatte, ein niederschmetterndes Ergebnis. Auf der anderen Seite feierten die Schwarz-Gelben unter Uwe Neuhaus den ersten Sieg im „Schacht“ nach fast 21 Jahren – und zehn vergeblichen Versuchen.

Neuhaus zeigte in der Pressekonferenz danach Verständnis für Dotchev, der vergeblich versuchte, das zu erklären, was er sich selbst nicht erklären konnte. „Wenn es so kommt wie in der ersten Halbzeit (0:4/d. Red), in Verbindung mit den Reaktionen des Publikums, ist man bitter enttäuscht und würde am liebsten gar nicht hier sitzen“, sagte Neuhaus. Wie jetzt Hoßmang trat Dotchev kurz darauf zurück.

Ralf Loose war zwischen April 2011 und Dezember 2012 Cheftrainer bei Dynamo in Dresden. In dieser Zeit schaffte er mit den Schwarz-Gelben den Aufstieg in die zweite Liga - und wurde gleich für vier Kollegen zu einem "Entlassungsgrund".
Ralf Loose war zwischen April 2011 und Dezember 2012 Cheftrainer bei Dynamo in Dresden. In dieser Zeit schaffte er mit den Schwarz-Gelben den Aufstieg in die zweite Liga - und wurde gleich für vier Kollegen zu einem "Entlassungsgrund". © Robert Michael

Dynamos bislang erbarmungslosester „Job-Killer“ war jedoch Ralf Loose, der gleich vier Trainer-Entlassungen unfreiwillig mitverschuldete. Einer wurde in dieser Zeit gleich zweimal nach Niederlagen gegen Dynamo gefeuert: Friedhelm Funkel flog erst im September 2011 nach dem 1:2 in Dresden beim VfL Bochum raus, dann wurde er im April 2012 nach einem 0:2 bei Alemannia Aachen gefeuert. Außerdem erwischte es in dieser Zeit Reiner Scharinger, der mit dem Karlsruher SC eine 1:5-Niederlage in Dresden kassiert hatte.

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„Wir konzentrieren uns auf uns und wollen Spiele gewinnen. Wenn das dazu führt, dass andere unpopuläre Entscheidungen treffen, macht uns das nichts aus“, sagte Loose damals. Und Kauczinski kommentiert das Feuern-und-Heuern treffend: „Das ist nicht nur heutzutage so, sondern das war schon immer so.“

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