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Stürmer zwischen Wickeltisch und Strafraum

Philipp Hosiner hat turbulente Tage hinter sich und, so hofft er, erfolgreiche Monate vor sich. Er redet über neue Ziele - seine persönlichen und die der Mannschaft.

Nur der Dreitage-Bart verrät vielleicht, dass Philipp Hosiner nun ein bisschen weniger Zeit hat als früher.
Nur der Dreitage-Bart verrät vielleicht, dass Philipp Hosiner nun ein bisschen weniger Zeit hat als früher. © Jürgen Lösel

Dresden. Weder tiefe Augenringe sind bei ihm zu erkennen, noch muss er ständig gähnen. Munter und mit österreichischem Dialekt plaudert Philipp Hosiner im Augusto Sommergarten am Dresdner Haus der Presse über die so erfolgreiche vergangene Saison, die Vorbereitung auf die kommende, neue Ziele und über das Aus seiner Landsleute bei der Europameisterschaft. Gemeinsam mit Kapitän Sebastian Mai schreibt er anschließend Autogramme, es ist der erste öffentliche Auftritt von Dynamo-Spielern nach einem Jahr Corona-Pause – und für Hosiner nicht nur deshalb ein besonderer.

Es gibt ein weiteres Thema, über das er am Dienstag reden kann. Der Stürmer war vor anderthalb Wochen mit Verspätung ins Training eingestiegen, hatte die ersten Einheiten aus einem erfreulichen Grund verpasst. Am Tag des offiziellen Trainingsstarts brachte Ehefrau Julia in Berlin Sohn Aaron zur Welt. Die Geburt „lief zwar insgesamt ohne Komplikationen ab, hat aber ganze 25 Stunden gedauert. Das war schon eher ein Marathon“, erzählt er und grinst. Der 32-Jährige unterstützte seine Frau im Krankenhaus und bekam danach ein Kompliment von ihr: „Sie hat mich für meinen Support gelobt“, verrät er.

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Julia und Aaron leben in Berlin, so oft wie möglich besucht er sie. „Da habe ich in den vergangenen Tagen einige Kilometer abgespult“, sagt er und lebt damit, dass die Nächte dann ein wenig unruhiger und kürzer sind. Große Müdigkeit spürt er bisher aber kaum und macht dafür die Glücksgefühle verantwortlich. „Anders ist es nicht zu erklären, dass man trotz wenig Schlaf Leistung bringen kann – im Training wie im Spiel“, findet er.

Beim ersten Test vergangenen Samstag gegen Hertha BSC II war er jedenfalls hellwach. Nach seiner Einwechslung erzielte er beim 3:1-Sieg zwei Treffer und bereitete den dritten vor. „Ich hoffe, dass ich weiter auf dieser mentalen Welle schwimmen kann“, sagt er, ordnet die Partie und seine Leistung jedoch nüchtern ein: „Das war nicht mehr als ein Anfang.“

In der Aufstiegssaison war er Dynamos zweitbester Torschütze, aber der effizienteste Spieler. Alle 108 Minuten traf er entweder selbst oder legte einen Treffer auf. Dass er mit dieser Quote trotzdem den Titel des schwarz-gelben Torschützenkönigs an Christoph Daferner abtreten musste, lag vor allem daran, dass er fast nie bei seinen 34 Einsätzen die kompletten 90 Minuten auf dem Platz stand. 22 Mal wurde er aus- und neunmal eingewechselt.

Mit Maske und Abstand schreiben Sebastian Mai (vorn) und Philipp Hosiner Autogramme - das erste Mal öffentlich nach einem Jahr Corona-Pause.
Mit Maske und Abstand schreiben Sebastian Mai (vorn) und Philipp Hosiner Autogramme - das erste Mal öffentlich nach einem Jahr Corona-Pause. © Jürgen Lösel

Wie viele Tore er nun in der 2. Bundesliga beisteuern will, verrät er nicht. Er nehme sich da nichts vor, habe das auch noch nie gemacht. „Ich möchte einfach zum Erfolg der Mannschaft beitragen“, sagt der Angreifer, der aus Eisenstadt im Burgenland stammt und für den Dynamo bereits seine elfte Station ist. Doch was wäre ein Erfolg in der ersten Saison nach dem Aufstieg? Der Trainer hatte beim Trainingsauftakt schon mal die Richtung vorgegeben. Natürlich wolle man nichts mit dem Abstieg zu tun haben, auf der anderen Seite aber auch nicht zu demütig sein“, so Alexander Schmidt. Hosiner will da nicht widersprechen, findet es generell schwierig, Ziele zu formulieren, „wenn man als Außenseiter in die Saison geht. Das wird für uns Woche für Woche eine Herausforderung, wir müssen unsere Rolle in dieser schweren Liga erst einmal finden“, sagt er. „Vielleicht kann man die Ziele während der Saison noch anpassen.“ Nach oben, versteht sich.

Das sind seine beruflichen Ziele, die nach der Geburt seines ersten Kindes in der Reihenfolge etwas in den Hintergrund getreten sind. „Die Prioritäten haben sich weiter verschoben. Familie und Gesundheit stehen nun an erster Stelle“, erklärt er.

Dass er die Gesundheit auf einer Stufe mit seinen Liebsten nennt, hat einen ernsten Hintergrund. Im Januar 2015 entdeckten Ärzte beim obligatorischen Medizincheck vor dem geplanten Wechsel zum 1. FC Köln einen zwei Kilo schweren und bösartigen Tumor an der linken Niere. Der hätte bei einem Schlag in die Bauchgegend platzen können, was lebensbedrohlich gewesen wäre. Der Tumor wurde bei einer Operation entfernt, im Dezember 2016 erlitt er einen einseitigen Lungenkollaps. Seitdem verzichtet er auf Fleisch und Fisch.

Vielleicht ist das ja auch ein Geheimrezept gegen Müdigkeit.

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