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Dynamos Offensiv-Trio sucht einen neuen Verein

Philipp Hosiner, Pascal Sohm und Agyemang Diawusie haben kaum Einsatzchancen, trainieren aber weiter bei Dynamo. Bleiben sie doch?

Von Daniel Klein
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Philipp Hosiner (Mitte) liefert sich einen Zweikampf mit Chris Löwe – und dürfte Dynamo wohl verlassen.
Philipp Hosiner (Mitte) liefert sich einen Zweikampf mit Chris Löwe – und dürfte Dynamo wohl verlassen. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Auch am dritten Tag des „Trainingslagers daheeme“, wie es der Verein mundartkonform betitelte, war das Trio mit Eifer am Ball. Wer die Berichte der letzten Wochen über Philipp Hosiner, Pascal Sohm und Agyemang Diawusie ignoriert hat, wird nicht auf die Idee kommen, dass es für die drei Profis eine der letzten Einheiten bei Dynamo gewesen sein könnte. Am persönlichen Einsatz mangelte es nicht.

Einsätze jedoch waren bei ihnen zuletzt Mangelware. Dies allein ist schon ein Grund, um sich in der Wintertransferperiode Gedanken über einen vorzeitigen Abschied zu machen. Seit Montag hat sich die Situation für das Offensiv-Trio nochmals verschlechtert, mit der Verpflichtung von Oliver Batista Meier und Vaclav Drchal ist die Konkurrenz größer geworden.

Noch aber sind Hosiner, Sohm und Diawusie in Dresden. An Gerüchten mangelt es nicht, so wird Hosiner mit Erzgebirge Aue und 1860 München in Verbindung gebracht, Sohm mit seinem Ex-Klub, dem Halleschen FC, und Diawusie schließlich mit einem Zweitligisten aus der Türkei. Woran es jedoch mangelt, sind offenbar lukrative Angebote. Das wiederum könnte mit Corona zu tun haben.

„Wir haben eine außergewöhnliche Zeit“, findet Dynamos Sportchef Ralf Becker. „Da muss man sich Ausgaben schon sehr genau überlegen. Was zu machen, nur, um überhaupt was zu machen – diese Zeiten sind vorbei. Deshalb erwarte ich eher zurückhaltende Transferaktivitäten. Die Vereine sind vernünftig und reagieren wahrscheinlich nur, wenn sie unbedingt müssen.“

Das könnte dem Trio zum Verhängnis werden. Gut möglich also, dass einer oder sogar zwei bleiben und den jeweils am Saisonende auslaufenden Vertrag erfüllen. „Wir jagen niemandem vom Hof“, hatte Becker vor Weihnachten erklärt. Angesichts drohender Quarantäne-Fälle ist ein überdimensionierter Kader in der Rest-Rückrunde womöglich sogar ein geeignetes Gegenmittel. Andererseits: Bleibt Dynamo von größeren Ausfällen verschont, hat das Trio kaum Chancen auf Einsätze. Hosiner gehörte das letzte Mal vor zwei Monaten dem Spieltagskader an, Sohm und Diawusie vor gut einem Monat.

Alle drei hatten unter Alexander Schmidt Gelegenheiten, sich zu beweisen. Alle drei haben sie aus Sicht des Cheftrainers offenbar nicht genutzt. Dabei gehörten sie in der vergangenen Saison über weite Strecken noch zum Stammpersonal. Doch zum Fußball, wie ihn Schmidt favorisiert, passen sie wohl nicht. Am deutlichsten wird das bei Hosiner, der seine Stärken nicht unbedingt im aggressiven Anlaufen des Gegners hat. Ähnlich ist es bei Sohm. Diawusie wiederum bringt zwar die geforderte Schnelligkeit mit, ist aber zu wenig torgefährlich.

Noch haben sie Zeit, einen neuen Verein zu finden, das Transferfenster schließt erst am Monatsende. Das gilt auch für Dynamo, wobei Schmidt angekündigt hatte, Neuzugänge angesichts der kurzen Vorbereitungszeit „so schnell wie möglich integrieren“ zu wollen. Deshalb werde „alles in den ersten Tagen passieren“. Womöglich will oder muss Dynamo aber auch noch auf einer anderen Position reagieren – für den Fall, dass sich Innenverteidiger und Ex-Kapitän Sebastian Mai, der am Dienstag weiterhin aufgrund einer Angina fehlte, nicht mit seiner Reservistenrolle abfinden will. Eine Gesprächsanfrage der SZ kurz vor Weihnachten hatte er abgelehnt.

Laut Becker haben die Corona-Folgen auch bei Dynamo Auswirkungen aufs Transfergeschäft. „Wir können natürlich nicht so tun, als wäre das Stadion permanent ausverkauft“, erklärte er. „Wir wollen das Bestmögliche unter dem Machbaren umsetzen. Da sind wir in der Geschäftsführung und mit dem Aufsichtsrat einer Meinung: Wir überlegen uns dreimal, ob man was macht oder vielleicht auch mal was nicht macht.“ Batista Meier ist mit 20 Jahren noch ein Talent, Drchal ausgeliehen – Großinvestitionen sind das nicht.