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Dynamo: Präsident vom Ehrenrat bestraft

Holger Scholze soll in einem Interview gegen die Vereinssatzung verstoßen haben. Schleichwerbung lautet der Vorwurf. Die Hintergründe und seine Reaktion.

Dynamo-Präsident Holger Scholze wird in einem Ehrenratsverfahren verurteilt.
Dynamo-Präsident Holger Scholze wird in einem Ehrenratsverfahren verurteilt. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Ein Verweis und 250 Euro Ordnungsgeld: Dazu hat der Ehrenrat der SG Dynamo Dresden den Präsidenten Holger Scholze am Dienstagabend verurteilt. Hintergrund ist ein Interview, das am 18. April auf der Internetseite des Vereins erschienen ist - genauer: die Antwort auf eine Frage.

Dieser strittige Passus ist inzwischen gelöscht. Scholze hatte zum 68. Jubiläum des Vereins über die Tradition, seine Aufgaben und die bevorstehende Mitgliederversammlung, die erstmals digital durchgeführt werden muss, gesprochen. Als er gefragt wird, wie er - erst recht in der Corona-Krise - das Ehrenamt bei Dynamo mit seinen beruflichen Aktivitäten vereinbart, wird es knifflig.

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Scholze, der unter anderem als Börsen-Experte tätig ist, antwortet unter anderem: "Ich habe zum Beispiel im Februar ein eigenes Institut gegründet. Es heißt offiziell ,Freies Scholze Institut` und vereint im Kern all das, womit ich mich in den vergangenen 25 Jahren beruflich intensiv beschäftigt habe."

Der Vorwurf: Schleichwerbung

Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann, der das Interview führt, fragt nach, wie es journalistisch üblich ist: "Das klingt spannend, was ist das für ein Institut?" Scholze antwortet, beschreibt sachlich die drei Säulen: Kapitalmarktanalyse, finanzielle Bildung, mediale Kommunikation auch als Coach für Führungskräfte. Dafür ist er nun am Dienstagabend vom Ehrenrat des Vereins unter Vorsitz von Wolfgang Lessing bestraft worden.

Das Gremium, das sich vorwiegend mit internen Streitfällen und Satzungsverstößen befasst, wirft dem Präsidenten vor, die Veröffentlichung dieses Passus auf der Homepage des Vereins nicht verhindert zu haben. Außerdem habe er die Satzung verletzt, indem er das Interview über sein Profil bei LinkedIn verlinkt habe. Der Vorwurf: Schleichwerbung. Damit habe er sich durch seine Position bei Dynamo einen geldwerten Vorteil verschafft.

Auf Anfrage von Sächsische.de hat Scholze zu dem Urteil ein schriftliches Statement abgegeben. "Bereits der Antrag auf Einleitung dieses Ehrenratsverfahrens war vollkommen absurd", erklärt der 49 Jahre alte Bautzner. "Dieses wurde ganz offensichtlich einzig und allein initiiert, um mich zu diskreditieren."

Das Verfahren angestrengt hatten Wolf-Rüdiger Ziegenbalg, vom 1. Juni 1990 bis 31. Dezember 1992 selbst ehrenamtlich Präsident bei Dynamo, sowie Rechtsanwalt und Vereinsmitglied Karsten Schmidt. Der Antrag von Rechtsanwalt Matthias Aldejohann, der Scholze vertritt, das Verfahren einzustellen, wurde aus formalen Gründen abgelehnt. Die Begründung für den Beschluss des Ehrenrates soll in den nächsten Tagen schriftlich erfolgen.

Für Scholze ist das Ergebnis der Verhandlung "in keiner Weise nachvollziehbar und in der Sache falsch". Er werde es deshalb "so auch nicht hinnehmen" und mit seinem Anwalt auf Grundlage der schriftlichen Begründung weitere Schritte beraten. "Im Zweifel sind wir auch gewillt, zivilrechtliche Schritte einzuleiten", erklärt Scholze.

Scholze tritt am Samstag wieder zur Wahl an

Dieser Streit um Scholze ist unmittelbar vor der Mitgliederversammlung in die Öffentlichkeit gelangt (zuerst hatte die Bild-Zeitung über das Ehrenratsverfahren berichtet). Am Samstag werden das Präsidium sowie der Ehren- und Jugendrat neu gewählt. Scholze tritt - wie auch seine Vizepräsidenten Michael Bürger und Ronny Rehn - erneut an. Er hatte das Amt übernommen, als nach einem Führungsstreit sechs Gremienmitglieder, darunter das komplette Präsidium, zurückgetreten waren. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 19. Dezember 2018 erhielt Scholze die meisten Stimmen.

Mit Christian Lattermann, Geschäftsführer eines Dresdner Bauunternehmens, gibt es am Samstag einen vierten Bewerber. Hätte Scholze wegen des Urteils spontan seinen Rücktritt erklärt, wäre die Wahl hinfällig gewesen, weil mindestens ein Bewerber mehr zur Abstimmung stehen muss, als es Plätze gibt. Außerdem muss der Präsident die Versammlung leiten, Scholze ist darauf vorbereitet.

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Insgesamt 21 Männer - es steht keine Frau auf der Liste - stellen sich zur Wahl für die insgesamt 13 freien Plätze in diesen drei Gremien. Darüber hinaus zählen zu Dynamos Vereinsspitze der Aufsichtsrat mit neun Personen als Kontrollgremium sowie die beiden Geschäftsführer Finanzen und Sport fürs operative Geschäft. Die Mitgliederversammlung sollte ursprünglich bereits am 14. November 2020 im Kongresszentrum stattfinden, musste aber wegen der Corona-Bestimmungen im Herbst verschoben werden.

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