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Minge ist Sachse des Jahres - was Dörner ihm wünscht

Seit seinem Dynamo-Abschied hat sich Ralf Minge zurückgezogen, nun aber einen Preis erhalten. Am Donnerstag wird er 60 - erste Glückwünsche.

Ralf Minge wird am Donnerstag 60, ein Geschenk bekam er schon am Sonnabend im Tom-Pauls-Theater in Pirna.
Ralf Minge wird am Donnerstag 60, ein Geschenk bekam er schon am Sonnabend im Tom-Pauls-Theater in Pirna. © Daniel Förster

Dresden. Ralf Minge sieht erholt aus, sogar ein Lächeln lässt er sich entlocken. Die emotionalen Wochen mit dem Abstieg seines Herzensvereins Dynamo Dresden und seinem Abschied als Sportchef sieht man ihm an diesem Abend nicht an. Und dann gibt es bei diesem ersten öffentlichen Auftritt seit der Dynamo-Demission auch noch einen - inoffiziellen - Preis. Minge wird im Tom-Pauls-Theater als "Sachse des Jahres" ausgezeichnet. 

Es ist so etwas wie ein vorgezogenes Geschenk. Denn an diesem Donnerstag feiert Minge seinen 60. Geburtstag. Weggefährten gratulieren schon jetzt. "Mit Ralf verbindet mich eine langjährige, kameradschaftliche Freundschaft. Ich habe ihn als fairen, ehrlichen und ehrgeizigen Sportsmann kennengelernt", sagt Aue-Präsident Helge Leonhardt. "Trotz der Rivalität zwischen Dresden und Aue haben wir immer sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Nach den letzten Wochen und Monaten, die für Ralf mit Sicherheit nicht einfach waren, wünsche ich ihm vor allem Gesundheit. Ich würde mich freuen, wenn er schon sehr bald wieder eine Funktion begleitet, denn Fußball ist sein Leben."

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Torjäger, Geschäftsführer und "Pate". Kaum einer hat größere Verdienste für den Traditionsverein vorzuweisen als Minge. Der Jubilar hat zusammen mit seinen Mitarbeitern nach dem Zweitliga-Abstieg 2014 einen kompletten Neuanfang gewagt und den einst hoch verschuldeten Chaos-Klub grundlegend saniert. Dynamo ist seit Jahren schuldenfrei und wird auch die Corona-Krise sowie den Abstieg in die 3. Liga ohne größere finanzielle Turbulenzen überstehen.

Dörner: Für den Verein wäre das gut

Minges ehemaliger Mitspieler Hans-Jürgen Dörner wünscht ihm vor allem, "dass er gesund bleibt".  Er solle sich ein schönes Leben machen, meint "Dixie", "und eventuell, wenn es ihm besser geht und er das Gefühl hat, wieder einsteigen zu können, dass er bei Dynamo Dresden in welcher Form auch immer wieder dabei wäre. Für den Verein wäre das gut."

Der 69 Jahre alte Aufsichtsrat spielte bei Dynamo einst fünf Jahre mit dem aus Gröditz stammenden Angreifer Minge zusammen. Von 1981 bis 1991 stürmte Minge für den DDR-Oberligisten, erzielte in 304 Pflichtspielen 146 Tore, davon neun im Europapokal, und wurde zweimal Meister sowie dreimal FDGB-Pokalsieger. "Wir haben ihm viele Tore zu verdanken. Die anderen wussten genau: Dort in der Mitte steht ein kopfballstarker und torgefährlicher Minge", erinnert sich Dörner. "Er war ein sehr ehrgeiziger und kämpferischer Typ. So einen wie ihn hatten wir gebraucht, er war unverwüstlich. Ich habe Ralf als aufrichtigen und ehrlichen Menschen kennengelernt. Er hat eine harte Schale, aber auch einen weichen Kern."

Ralf Minge (M.) wird zum "Sachsen des Jahres" gekürt. Die Jury mit Schauspieler Tom Pauls, Kabarettist Gunter Böhnke und Autor Peter Ufer sowie MDR-Moderator Andreas Berger (v. l.) bezeichnet Dynamos Vereinslegende als "Sachsen durch und durch."
Ralf Minge (M.) wird zum "Sachsen des Jahres" gekürt. Die Jury mit Schauspieler Tom Pauls, Kabarettist Gunter Böhnke und Autor Peter Ufer sowie MDR-Moderator Andreas Berger (v. l.) bezeichnet Dynamos Vereinslegende als "Sachsen durch und durch." © Daniel Förster

Seine aktive Karriere beendete Minge im Mai 1991. Er wurde unter anderem Co- sowie Interimstrainer der Schwarz-Gelben. Den sportlichen Niedergang sowie den Zwangsabstieg aufgrund von Lizenzverstößen 1995 konnte er nicht verhindern. Es folgten die Stationen Erzgebirge Aue und Fortuna Köln. Im Jahr 2000 landete Minge bei Bayer Leverkusen, wo er als Trainer der Amateure bzw. als Co-Trainer unter Klaus Toppmöller fünf Jahre blieb.

Nach Anstellungen bei der Nationalmannschaft von Georgien sowie beim Deutschen Fußball-Bund wurde der ehemalige Angreifer am 21. September 2006 in den Aufsichtsrat von Dynamo Dresden gewählt, wo er sich um die Entwicklung des sportlichen Bereichs kümmern sollte. Zur Saison 2007/08 wurde ihm der Posten des Sportchefs übertragen.

"Ganz entscheidend ist meine Einstellung zum Verein. Ich bin nicht Dynamo, aber ich lebe Dynamo", beschrieb Minge gern seine Beziehung zu seinem Herzensverein. So setzte er sich unter anderem für den Bau eines neuen Stadions ein, kämpfte anschließend auf kommunalpolitischer Ebene um eine für den Klub akzeptable Stadionmiete, den letztlich abgeschlossenen Nutzungsvertrag konnte er nicht akzeptieren und trat folgerichtig im April 2009 zurück. Eine Konsequenz, typisch Minge.

Wenn der Erfolg ausbleibt

Fünf Jahre später hatte er das Amt als Sportgeschäftsführer wieder inne und führte Dynamo zurück in die 2. Bundesliga. Minge überstand einen Machtkampf und einen krankheitsbedingten Ausfall aufgrund eines Burnouts, von dem er Ende Juli 2018 nach rund vier Monaten zurückkehrte.

Am 30. Juni 2020 endete seine Ära dennoch abrupt, das Happy End blieb ihm verwehrt. Nach dem Drittliga-Abstieg traute man dem "Paten" den Neuanfang nicht mehr zu, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Minge hat bei Dynamo viel bewegt, aber: "Im Fußball ist es aber nun einmal so: Wenn die sportlichen Erfolge ausbleiben, dann gibt es Diskussionen. Da ist Dresden keine Ausnahme, wie man zu diesem frühen Zeitpunkt in der 1. und 2. Bundesliga sieht. Hier purzeln die Trainer schon wieder wie die Hasen", erklärt Dörner, der im Aufsichtsrat mit abgestimmt hat. Minge sei nicht abserviert worden, hatte er im Interview mit sächsische.de festgestellt. Nun sagt Dixie: "Ich glaube, dass er darüber hinwegkommen wird." 

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Noch aber braucht Minge Zeit, um nach sechs intensiven Jahren als Sportchef Abstand zu gewinnen, lehnt deshalb Interview-Anfragen auch zu seinem runden Geburtstag ab. Den Termin im Tom-Pauls-Theater hat er aber gerne wahrgenommen, es war ein emotionaler für den "Sachsen des Jahres".  (dpa, mit SZ)

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