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Dynamos Problem mit den Ersatzspielern

Bei der 0:3-Niederlage gegen St. Pauli erreichen einige Spieler nicht die Normalform. Mit den Wechseln wird es kaum besser – das hat Gründe.

Ransford-Yeboah Königsdörffer läuft seiner Form gerade hinterher.
Ransford-Yeboah Königsdörffer läuft seiner Form gerade hinterher. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Nach 68 Minuten war sein Einsatz beendet. Einmal hatte Ransford-Yeboah Königsdörffer bis dahin über das Tor von St. Pauli geköpft und einmal daneben geschossen. Damit war er bereits Dynamos torgefährlichster Spieler bei der 0:3-Niederlage am Sonntag. Ein anderer Wert ist aber interessanter: Lediglich 40 Prozent seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen, schlechter war nur noch Christoph Daferner.

Damit belegt die Statistik die Eindrücke von der Stadiontribüne. Tempodribblings, früher Königsdörffers Markenzeichen, sind kaum noch zu sehen, es fehlt an Geschwindigkeit, alles wirkt derzeit etwas behäbig, schwerfällig. Und das Spiel in Hamburg war kein Einzelfall. Der 20-Jährige, in der vergangenen Aufstiegssaison die Entdeckung bei den Dresdnern, steckt gerade in einem Formloch – was für sein Alter völlig normal ist. Talenten, die ein wenig schwächeln, gönnt man eine Verschnaufpause, bis die Form zurück ist. Bei Alexander Schmidt dagegen ist Königsdörffer gesetzt, bei allen zehn Pflichtpartien dieser Saison stand der Offensivspieler in der Startelf. Aber warum?

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Königsdörffer war gegen St. Pauli in schlechter Gesellschaft, kaum ein Schwarz-Gelber erreichte Normalform. „Wir waren in den Zweikämpfen nicht präsent“, bemängelte Yannick Stark. Schmidt vermisste die „Griffigkeit“. Mit Wechseln könnte man zumindest versuchen, dies zu ändern, fünf sind auch in dieser Saison möglich. Doch egal, wen der Trainer am Millerntor brachte – richtig aufdrängen konnte sich niemand.

Was auch daran liegt, dass momentan die Alternativen fehlen. Am Beginn der Saison noch hatte Schmidt wiederholt Tore und damit Siege eingewechselt. Das ist jetzt schwieriger geworden. Für Königsdörffer etwa brachte der Trainer Jongmin Seo. Das 19-jährige Talent, im Sommer von den A-Junioren von Eintracht Frankfurt gekommen, feierte sein Debüt für Dynamo und in der 2. Liga. „Das war so ein Bauchgefühl von mir, deshalb habe ich ihn reingeworfen“, erklärte Schmidt hinterher. „Er hat in der einen oder anderen Situation den Ball ein wenig zu lange gehalten, aber er wird lernen und sich weiterentwickeln.“

Das wird der Südkoreaner gewiss, doch bei einem abgezockten, starken Gegner helfen, das Spiel zu drehen – damit war er noch überfordert. Ein wenig wirkte die Einwechslung deshalb wie eine Bankrotterklärung. Mit Philipp Hosiner und Pascal Sohm saßen zwar offensive Alternativen auf der Bank, doch Schmidt verzichtete darauf, sie zu bringen.

Und weitere stehen derzeit nicht zur Verfügung. Panagiotis Vlachodimos (Kreuzbandriss) fällt noch lange aus, Brandon Borrello (Fußbruch) einige Wochen. Schmidt hatte sich daher eine Verstärkung gewünscht, doch die Verhandlungen mit dem 33-jährigen Ex-Gladbacher Ibrahima Traoré, die seit mehr als einer Woche laufen, sind ins Stocken geraten. Deshalb wird Königsdörffer wohl auch nach der Länderspielpause gegen den 1. FC Nürnberg wieder in der Startelf stehen. Vielleicht klappt es dann mit dem ersten Saisontor.

Die fehlenden Alternativen sind ein Grund, warum Dynamo nach dem richtig guten Saisonstart die Konstanz abhanden gekommen ist. Vier Niederlagen in den vergangenen fünf Spielen – das klingt unschön. „Wir stecken nicht in einer Krise. Die Mannschaft ist intakt“, betont Schmidt zwar. Nur auf allen Positionen gleichwertig doppelt besetzt ist sie nicht mehr. Und das kann man sehen, nicht nur auf der linken Außenbahn, wohin Königsdörffer wechseln musste.

Lücken auch in der Innenverteidigung und im Mittelfeld

Augenfällig ist dies auch in der Innenverteidigung, wo Tim Knipping dreimal in Folge vom Fachmagazin Kicker in die Elf des Spieltages berufen worden war, bei der vierten Saisonpartie riss er sich das Kreuzband. Vertreten wird er von Michael Akoto, der von der zweiten Mannschaft des FSV Mainz kam, den Vorzug vor Kapitän Sebastian Mai erhält und seine Sache sehr ordentlich macht. Dennoch ist die einstige Stabilität in der Defensive verloren gegangen, was auch an Akotos Nebenmann liegt. Michael Sollbauer unterlaufen plötzlich vermeidbare Fehler – wie beim unnötigen Einsteigen am Sonntag, das zum Elfmeter und 0:2 führte.

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Im offensiven Mittelfeld bekam meist Heinz Mörschel den Vorzug, seine Formkurve zeigt jedoch nicht nach oben, gegen St. Pauli leitete er den frühen Rückstand mit einem Ballverlust ein. Viele Alternativen hat Schmidt hier ebenfalls nicht, Patrick Weihrauch fällt nach seiner Sprunggelenks-OP weiterhin aus, Luca Herrmann stand in der Woche zuvor gegen Bremen noch im Kader, gegen St. Pauli aber nicht. Auch Hosiner, eigentlich Stürmer, durfte schon auf dieser Position spielen, zuletzt aber nicht mehr.

„Wir wissen, dass diese Liga stark ist“, sagt Schmidt. Dynamos Alternativen sind derzeit nicht stark genug.

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