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Dynamos Geschäftsführer kündigt Konsequenzen an

Jürgen Wehlend ist schockiert von der Gewalt rund um das Aufstiegsspiel und sieht Dynamo in der Mitverantwortung. Voreilige Schlüsse hält er für falsch.

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend machen die Ausschreitungen rund um das Aufstiegsspiel betroffen. Er kündigt eine konsequente Aufarbeitung an.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend machen die Ausschreitungen rund um das Aufstiegsspiel betroffen. Er kündigt eine konsequente Aufarbeitung an. © dpa/Robert Michael

Dresden. Am Tag danach wird das Ausmaß der Vorfälle rund um Dynamos Aufstiegsspiel und damit die Schwere der Ausschreitungen erst richtig deutlich. Die Zahlen der Polizei-Bilanz verdeutlichen, was am späten Sonntagnachmittag in Dresden am Rudolf-Harbig-Stadion passiert ist: Rund 4.000 Dynamo-Fans, davon 500 Gewalttäter, stehen 1.100 Polizisten gegenüber. Am Ende zählt die Einsatzleitung 185 verletzte Beamte, 40 festgenommene Personen, 32 Straftaten und 103 Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.

Offen ist sowohl die Zahl der Verletzten unter den Fans als auch die Aufarbeitung der Ereignisse. Ergebnisse kann und will Jürgen Wehlend, Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer, nicht abwarten.

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Sein Urteil steht: "Das ist für mich immer noch unfassbar, das wirklich passiert ist, was ich gestern miterlebt habe. Es schockiert mich und ist durch nichts zu entschuldigen", sagt Wehlend mit dem Abstand von 24 Stunden, und er betont: "Dynamo Dresden steht ausdrücklich nicht für Gewalt, sondern ganz klar dagegen. Und das, was passiert ist, ging nicht von Dynamo Dresden aus oder deren Fans und Mitgliedern. Sondern von einer gewaltbereiten Minderheit, die sich über den Verein stellt, Gesetz und Ordnung missachtet."

Gewalt sei niemals ein legitimes Mittel, um eigene Interessen durchzusetzen, so Wehlend. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, damit so etwas in Zukunft verhindert werden kann. Und das werden wir auch sehr deutlich machen in unserem bestehenden und zwingend aufrechtzuerhaltenden Dialog mit den Fans."

Der Verein setzt jetzt auch auf die Hilfe der Polizei

Dem Eindruck, Dynamo kenne jene 500 gewalttätigen Personen, widerspricht er energisch. "Nein, hierzu liegen uns noch keine Informationen vor. Auch dies ist Gegenstand der Aufarbeitung der Ereignisse", erklärt Wehlend, und spricht von Gruppen, "auf die wir als Verein entweder keinen Einfluss haben oder die eine Kommunikation mit uns ablehnen bzw. nicht verstehen wollen, worum es geht. Hier sind wir auf die Ermittlungen und Unterstützung der Landespolizei angewiesen. Erst dann können wir unter Umständen dazu etwas konkretes sagen."

Der Verantwortung für die Vorfälle, die vor dem Stadion und damit außerhalb des Tätigkeitsfeldes des Vereins stattfanden, wird sich Dynamo laut Wehlend stellen. "Dynamo ist ganz sicher nicht zuständig, entzieht sich der Verantwortung aber auch nicht. Nicht bei dem, was passiert ist – da möchte ich nochmals deutlich differenzieren. Die Leute, die gestern eskaliert und randaliert haben, sind nicht Dynamo Dresden. Das ist eine gewaltbereite Minderheit, die mit dem Werfen von Pyrotechnik und Gegenständen gezielt Polizeibeamte angegriffen hat. Dies ist von niemandem unserer Sportgemeinschaft zu akzeptieren noch zu tolerieren. Wir werden da nicht zuschauen, sondern entschlossen und konsequent reagieren", erklärt Wehlend.

Dynamo stehe vielmehr für all die Fans, die dem ausdrücklichen Appell des Vereins gefolgt seien, das Spiel zu Hause zu verfolgen - aber auch für die rund 4.000 bis 5.000 Fans, "welche dennoch und in der menschlich nachvollziehbaren Absicht zum Stadion gekommen sind, weil sie den Wiederaufstieg am Sonntag in der Dynamo auszeichnenden Gemeinschaft erleben wollten", so Wehlend.

Was in Rostock passiert, war in Dresden unmöglich

Eine Aufstiegsfeier mit Fans und Mannschaft am oder im Stadion sei unmöglich gewesen. "Für den Fall eines Sieges gab es keine geplante Aufstiegsfeier am Stadion", betont Wehlend und verweist auf die Bundesinfektionsschutzgesetz und Sachsens Corona-Schutzverordnung, die bis Ende Mai gilt. Dass in Rostock am Samstag nun 7.500 Fans dabei sein dürfen, ist für das Vorgehen in Dresden irrelevant. "Dort gibt es andere Infektionszahlen und in Mecklenburg-Vorpommern generell eine etwas andere Herangehensweise", sagt er.

Wehlend richtet den Fokus auf den eigenen Verein. "Wir müssen das Geschehen verantwortungsbewusst aufarbeiten, und zwar zuerst bei uns. Wann hätten wir was anders machen können und wie können wir daraus lernen, welche Schlüsse lassen sich für die nächste Saison ziehen und wo müssen wir konsequenterweise sofort Maßnahmen ergreifen", sagt Wehlend und kündigt darüber hinaus Gespräche mit Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Sachsens Innenminister Roland Wöller und der Landespolizei an. Unmittelbar nach dem Spieltag hat zudem eine ausführliche interne Analyse begonnen, die noch in dieser Woche abgeschlossen werden soll.

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Mögliche Konsequenzen wie Stadionverbote oder Vereinsausschlüsse, sofern es sich bei den Gewalttätern um Dynamo-Mitglieder handelt, will Wehlend nicht vorgreifen. Er legt aber Wert darauf, damit nichts auszusitzen oder relativieren zu wollen. "Ich halte es nicht für zielführend, zu früh mit bloßen Ankündigungen rauszugehen. Wir müssen die richtigen Schlüsse aus den Vorfällen ziehen. Dabei geht es am Ende nicht um die Frage richtig oder falsch, sondern was funktioniert", sagt er. Wichtig ist ihm schon jetzt die eine Botschaft: "Bei Gewalt gibt es null Toleranz, dafür stehe ich."

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