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Pech gehabt, Dynamo? Die Analyse nach der Niederlage

Die Dresdner verlieren in Saarbrücken mit 1:2, die Gegentore fallen kurz vor der Pause und in der Nachspielzeit. Und der Trainer meint, ein Punkt wäre nicht verdient.

Das Spiel ist hart umkämpft: Nicklas Shipnoski vom 1. FC Saarbrücken nimmt es im Luftkampf gleich mit zwei Dynamos auf: Christoph Daferner (l.) und Paul Will.
Das Spiel ist hart umkämpft: Nicklas Shipnoski vom 1. FC Saarbrücken nimmt es im Luftkampf gleich mit zwei Dynamos auf: Christoph Daferner (l.) und Paul Will. © Eibner-Pressefoto

Saarbrücken. Es ist ein K.o.-Schlag in der Nachspielzeit. Eigentlich wäre das 1:1 ein  passendes Ergebnis für dieses Spiel, aber die eine Mannschaft bringt es entschlossener zu Ende. Und das ist der 1. FC Saarbrücken. Während Dynamo Dresden zuvor eine Chance verstolpert, bevor sie richtig entstehen kann, spielen die Gastgeber schnell und konsequent. Maurice Deville kommt über rechts durch, Nicklas Shipnoski leitet weiter und Sebastian Jacob macht mit der Hacke das 2:1 für den Aufsteiger.

Unglücklich für Dynamo? Verdient für Saarbrücken. Fünf Fragen und Antworten zur Niederlage der Schwarz-Gelben.

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Den Liveticker vom Spiel zum Nachlesen finden Sie hier.

Wie ist die Niederlage zu bewerten?

Wenn man so spät das Tor zum 1:2 kassiert, liegt es nahe, von einer unglücklichen Niederlage zu sprechen. Markus Kauczinski meint auch, dass dieses Ergebnis brutal oder höllisch weh tut. Dynamos Trainer analysiert aber direkt nach dem Abpfiff bei Magenta-TV klar: „Das erste Tor kassieren wir in der 46., das zweite in der 92. Minute. Aber wir müssen dafür sorgen, dass solche Situationen nicht entstehen.“ Es habe „der letzte Moment der Wachheit“ gefehlt.

Sein ernüchtertes Fazit: „Insgesamt war es nicht gut genug, um hier einen Punkt mitzunehmen. Deswegen hat Saarbrücken den Sieg verdient.“ Sein Ausblick: „Wir müssen mutiger auftreten mit Ball, wir haben zu viel zurück gespielt, anstatt den Weg nach vorne zu suchen.“

Trotzdem hat Dynamo die große Chance zu einem späten Tor. Der eingewechselte Agyemang Diawusie ist nach einem Fehler in der FCS-Abwehr plötzlich frei vor Daniel Batz, aber der FCS-Torwart bleibt stehen und pariert. „Wir haben die klare Chancen auf unserer Seite, die wir nutzen müssen“, meint Paul Will - und Dynamos Mittelfeldspieler fügt noch hinzu: „Die verpassen wir und kriegen auf gut Deutsch so ein Dreckstor.“

Wie kam das 1:1 bis zur Pause zustande?

Dynamo ist schon ein paar Sekunden zu früh gedanklich in der Kabine. Timm Golley kommt auf rechts durch, weil weder Kevin Ehlers noch Ransford-Yeboah Königsdörffer ihn attackieren, und flankt genau auf Nicklas Shipnoski. Der steht in der Mitte zwischen Tim Knipping und Jonathan Meier frei, lässt mit seinem Kopfball Torwart Kevin Broll keine Chance. 

Es ist der Ausgleich für die Gastgeber, ein verdienter obendrein. Sie hatten mehr und die besseren Chancen, kurz zuvor traf Golley das Außennetz, zweimal hielt Broll sicher. Genau genommen hat Dynamo in der ersten Hälfte nur eine, entstanden durch einen Geniestreich von Marvin Stefaniak. Der 25-Jährige lupft den Ball im Mittelfeld über seinen Gegenspieler und spielt ihn so Königsdörffer in den Lauf. Der flinke Bursche behält im Strafraum die Übersicht, passt zurück, Philipp Hosiner überlässt für Christoph Daferner. Ein perfekter Konter, die Dresdner führen mit 1:0.  

Doch dann leisten sie sich diese Unkonzentriertheit.

Wie kam es zum Aufreger um Co-Trainer Heiko Scholz?

Es ist eine Situation, wie sie in jedem Spiel x-mal vorkommt. Königsdörffer kann den Ball nicht kontrollieren und ärgert sich darüber so, dass er ihn noch mal kurz anstupst, nachdem er bereits im Aus ist. Lautstarke Proteste von der Saarbrücker Bank. Schiedsrichter Nicolas Winter eilt erst jetzt herbei, zeigt dem 19 Jahre jungen Dynamo-Profi die Gelbe Karte.

Nach seiner Roten Karte in der 35. Minute musste Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz auf der Tribüne Platz nehmen.
Nach seiner Roten Karte in der 35. Minute musste Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz auf der Tribüne Platz nehmen. © Eibner-Pressefoto

Worüber sich wiederum Heiko Scholz aufregt und offenbar ein paar harte Worte in Richtung der FCS-Trainerbank und den Unparteiischen loslässt. Winter steht direkt vor ihm, zieht sofort Rot. Dynamos Co-Trainer muss in der 35. Minute auf die Tribüne.

„Das war nichts Schlimmes, keine Ahnung“, meinte Kauczinski zu der Szene. „Es ging um eine Situation, in der wir uns ungerecht behandelt gefühlt haben. Er hat sich beschwert,  war sicher laut, aber in keiner Weise beleidigend oder unsachlich.“ Der Platzverweis sei deshalb überzogen gewesen, was Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok genauso sieht: „Wenn man das nicht mehr machen darf und dafür Rote Karten sieht. Mein Co-Trainer ist kurz aufgestanden und hat sich beschwert, Heiko hat ihn aufgefordert, ruhig zu sein. Das passiert unter Männern. Das sollte man nicht mal mit der Gelben Karte bestrafen.“

Inwieweit hatten die Corona-Fälle einen Einfluss?

Bei der Testreihe vom Dienstag waren zwei der insgesamt 45 Proben auf das Coronavirus bei Dynamo positiv. Die beide Infizierten seien medizinisch völlig unauffällig und symptomfrei, teilte der Verein mit. Das Training am Mittwoch wurde zunächst vorsorglich abgesagt, am Abend konnte Chefcoach Kauczinksi dann doch eine Einheit durchführen. Trotzdem war zunächst offen, wie es nach den Corona-Fällen bei Dynamo weitergeht.

Die Tests am Donnerstag ergaben dann einen weiteren Fall „im Umfeld der Drittliga-Mannschaft“, wie Dynamo mitteilte. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt durften die Dresdner dennoch zum Spiel nach Saarbrücken fahren, allerdings drei Stunden später als geplant. „Ein bisschen ist es mitgefahren, weil man Corona nicht sehen kann. Ich hoffe aber, dass es aus den Köpfen raus ist“, meinte der Trainer vorab.

„Es ist für uns alle eine wahnsinnig anstrengende Zeit. Nach den letzten Monaten musste man damit rechnen, dass sowas mal vorkommen kann“, erklärte  Sportgeschäftsführer Ralf Becker. „Wir sind froh, dass wir das relativ schnell abklären konnten, aber es wird mit dem heutigen Spiel nicht vorbei sein. Corona wird ein ständiger Begleiter bleiben.“ Das sei jedoch kein Grund, die sportlichen Ziele hintenan zu stellen. „Natürlich wissen wir,  dass es gerade wichtigere Themen gibt, es darum, gesund zu bleiben. Trotzdem sind wir Leistungssportler und wollen den maximalen Erfolg.“

In Saarbrücken hat das jedoch nicht geklappt.

Wie hat der Trainer die Mannschaft auf- und eingestellt?

„Es wird immer mal wieder Veränderungen geben“, hatte Kauczinski vorher gesagt - und klargestellt: „Ich bin kein Freund davon, Dinge am Gegner anzupassen.“ Nach dem 3:0-Sieg gegen Meppen in der Vorwoche gab es sowieso kaum einen Grund, seine Startelf zu verändern. Allerdings fehlte Julius Kade im Aufgebot. „Krankheiten, Verletzungen und Infektionen vermischen sich bei uns, daher sagen wir zu Ausfällen nichts“, meinte Kauczinski vor dem Anpfiff bei Magenta-TV.  Für Kade durfte Paul Will beginnen.

Nach langem Warten saß Neuzugang Pascal Sohm in Saarbrücken zumindest wieder auf der Bank wie an den ersten beiden Spieltagen, zu seiner Einwechslung kam es jedoch nicht mehr, obwohl er bereitstand. Seitdem war der Offensivspieler wegen hartnäckiger Probleme im Sprunggelenk ausgefallen. Luka Stor war zwar auch wieder ins Training mit der Mannschaft eingestiegen, ist aber jetzt im Auswahl-Einsatz für Sloweniens U21.

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Die Forderung des Trainers war so prinzipiell wie eindeutig: „Wir müssen unsere Stärken auf den Platz bringen, gemeinsam verteidigen und gemeinsam torgefährlich sein.“

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